David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Bigotte Humoreske: Der Islam gehört zu Deutschland, die Beschneidung nicht.

Ist es eigentlich wirklich so klar, dass das Leben auf diesem Planeten befriedigender wäre, wenn wir nicht den zum Teil sehr seltsamen Zwängen unserer Religionen unterworfen wären? Und wäre es friedvoller, würde nicht permanent der Moslem gegen den Christen und der Christ gegen den Juden gehen?  Sicherlich, Religionen haben das menschliche Miteinander stark verkompliziert und nachhaltig negativ beeinflusst.Und doch darf der gemeinschaftsstiftende Sinn von Religionen nicht versimplifiziert werden. Oder anderes gesagt: Dass auf unserer Erde so viele Religionen wüten ist schlimm. Würden allerdings so gar keine Religionen wüten, gäbe es wohl schon lange keine Erde mehr. Klar, viel zu viele Menschen schlagen sich im Namen ihrer Götter gegenseitig den Schädel ein. Da das gegenseitge Töten jedoch ein Urinstinkt des Menschen ist, fungieren die Religionen hier dennoch eher als Bremse, denn als Katalysator. Weniger Religion oder gar eine komplette Gottlosigkeit sind eine berechtigte Forderung des 21. Jahrhunderts – werden bei erfolgreicher Durchsetzung jedoch unweigerlich zu einem verschnellerten Niedergang des Menschen führen.

Ja, das ist traurig, dass es ohne Religionen garantiert noch nicht geht. Tragisch ist es aber nicht, denn auch mit Religionen geht es immer weniger. Und neue Systeme des menschlichen Miteinanders harren nur ihrer Erfindung.

Und nun also die männliche Beschneidung. Ein wirklich sommerlöchriges Thema, an der Nahtstelle zur Lächerlichkeit. Denn es ist wohl eines der letzten Themen, die tatsächlich noch gar nicht diskutiert wurden. Und das aus gutem Grund – da gibt es nichts zu diskutieren. Denn mit der weiblichen Beschneidung ist die männliche Beschneidung so gar nicht zu vergleichen. Die weibliche Beschneidung ist ein Desaster, vor allem da sie dauernd von Menschen durchgeführt wird, die Frauen ganz allgemein nicht sonderlich wohlgesonnen gegenüber stehen. Bei der männlichen Beschneidung ist das komplett anders, geht es hier doch nicht um eine rituelle Zerstörung, wie bei jungen Mädchen, sondern um eine rituelle Erhöhung. Religionen sind von Männern und für Männer gestaltet worden und somit ist auch die männliche Beschneidung nichts, was einem Mann im Laufe seines Lebens zum Verhängnis werden könnte. Gerichtlich an dieser Stelle einzugreifen ist also einfach nicht nötig. Oder gibt es seit Jahren Massendemonstrationen beschnittener Männer? Anonyme Gesprächskreise, die neben den Klassikern „Alkohol“ und „Spielsucht“ einen regen Zulauf finden? Mir zumindest ist nichts derartiges bekannt.

Was also soll man halten von einem derartigen Vorstoß, der die rituelle Beschneidung kriminalisiert? An dieser stelle mag der ein oder andere ausufernde Atheist vielleicht behaupten, dass es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist. Und Männer doch lieber selbst mit 12 oder 16 oder 21 entscheiden sollen, ob die Vorhaut nun bleibt oder geht. Aber wenn wir damit beginnen, dann fallen mir im gleichen Atemzug noch 200 andere Dinge ein, die Eltern in angeblich bestem Wissen für ihre Kleinkinder festlegen dürfen. Und die weiß Gott schlimmere Nachwirkungen haben als eine potentielle Beschneidung.

Was also bleibt von dieser Diskussion? Nun, es bleibt der Geruch der Bigotterie. Vor wenigen Monaten war Deutschland noch ein Land, zu dem auch der Islam gehört. Unser neuer Präsident hat diese Meinung bereits leicht revidiert. Und die Gerichte ziehen nun hinterher. Ich darf in Deutschland neuerdings also gerne Moslem sein, nur die Beschneidung sollte ich besser unterlassen.  Das ist wie die Erlaubnis unten im Hof Fußball spielen zu dürfen, nur bitte ohne Ball. Alles klar. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das nicht rechtsradikal und auch nicht überchristlich gedacht, es ist einfach eine bigotte Umherschwabbelei.  Und damit typisch deutsch. Ein Land und seine Bewohner ringen noch immer um eine Form von Selbstverständnis.

Und schießen damit regelmäßig übers Ziel hinaus.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 21. Juli 2012 von in Journalist und getaggt mit , , , , , , , .
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