David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Das M’era Luna 2012 – Interview mit den Veranstaltern FKP Scorpio

Ein Interview meines musikjournalistischen Kollegen Marius Meyer, Gründer und Betreiber der Musikplattform http://www.alternativmusik.de mit denjenigen, die nicht auf den großen Bühnen im Rampenlicht stehen, dafür aber verantwortlich dafür sind, dass überhaupt die Gelegenheit besteht, Acts wie Placebo, New Model Army, Fields of the Nephilim, Eisbrecher und wie sie alle heißen live auf der Bühne zu sehen. Wir haben FKP Scorpio, den Veranstaltern des M’era Luna-Festivals, einen Schwung Fragen zum diesjährigen Festival gestellt und veröffentlichen an dieser Stelle gerne den Blick hinter die Kulissen eines der größten dunklen Festivals.

Das M’era Luna Festival geht nun in diesem Jahr in Runde 13. Oft als Unglückszahl gesehen. Fühlt Ihr Euch gewappnet?

Wir sind nicht abergläubisch.

Wenn Ihr die Entwicklung des Festivals betrachtet: Wie hat es sich in den Jahren Eurer Meinung nach entwickelt?

Neben der Musik, die immer eine große Rolle gespielt hat, haben wir in den letzten Jahren das Rahmenprogramm mit tollen Features wie Mittelaltermarkt, Modenschau, Newcomer Wettbewerb oder Lesungen ausgebaut, was bei den Besuchern sehr gut ankommt.

Nun war es früher so, dass es vor allem Wave Gotik Treffen und M’era Luna gab, inzwischen sind mit Festivals wie dem Amphi und dem Blackfield starke Konkurrenten hinzugekommen. Inwieweit beeinflusst das Eure Planungen?

Es gibt in allen musikalischen Genres immer eine Gewisse Anzahl an Mitbewerbern auf dem Festivalmarkt, aber wir stellen unser Programm, mit dem M’era Luna als Flagschiff der dunklen Festivals in Deutschland, immer nach Kriterien zusammen, die mit der Konkurrenz nicht wirklich viel zu tun haben. Wir kümmern uns durchweg sehr weit im Vorfeld um die Acts des nächsten Jahres und achten dabei mehr auf die aktuellen Entwicklungen und spannenden Dinge, die um unsere Künstler herum passieren als auf die Bestrebungen der anderen Veranstalter.

Kommen wir mal direkter zu diesem Jahr. Wie würdet Ihr das Line-Up selbst beschreiben?

Wir gucken in jedem Jahr, dass wir die musikalische Vielfältigkeit der im weitesten Sinne „schwarzen Szene“ widerspiegeln. Das reicht von Gothic-Rock bis zu Elektro, über mittelalterliche und auch poppige oder sphärische Klänge. In diesem Jahr haben wir einen kleinen mittelalterlichen Schwerpunkt mit Schandmaul, In Extremo, Subway to Sally oder Faun. Das hängt natürlich auch immer davon ab, welche Bands gerade auf Tour sind.

Was auffällt: Mit In Extremo und Subway to Sally sind in diesem Jahr gleich beide Größen der Mittelalter-Szene vertreten. Wie kam es dazu? Bisher haben sich die Bands ja eher abgewechselt.

Bei beiden Bands ist in diesem Jahr sehr viel passiert, weshalb sie gerne dabei sein wollten, was uns natürlich sehr gefreut hat. Nächstes Jahr sind dann wieder andere dran…

Würdet Ihr sagen, dass die Mittelalter-Acts generell einen immer größeren Stellenwert einnehmen? Zusätzlich sind ja auch noch Schandmaul und Faun dabei, dazu kommt der Mittelaltermarkt…

Alle genannten Acts sind fantastische Live-Bands und immer wieder ein Erlebnis. Sie begeistern auch Leute, die privat vielleicht eher nicht auf Mittelaltermusik stehen. Genauso wie der Mittelaltermarkt, der sich zu einem festen Bestandteil des M’era Luna entwickelt hat. Die liebevollen Stände, die tollen Kostüme der Händler und Gaukler, die angenehme Stimmung dort, da flanieren auch Cyber-Goths gerne vorbei.

Mit Placebo ist in diesem Jahr wieder ein Headliner dabei, der weit über die Szene-Grenzen hinaus bekannt ist. Machen sich Headliner wie Placebo oder auch einst The Prodigy im Tageskarten-Absatz bemerkbar?

Um Bands wie Placebo zu sehen, kommen sicherlich auch ein paar Leute, die sonst nicht unbedingt ein M’era Luna Ticket gekauft hätten. Diese Bands helfen aber auch dabei, Brücken zu schlagen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Besucher, die mit der „Schwarzen Szene“ sonst eher keinen Kontakt haben, sind immer wieder begeistert, was für ein friedliches, entspanntes und schönes Festival das M’era Luna ist.

Wie empfindet Ihr es, wenn bei derartigen Headlinern die szene-üblichen Unkenrufe, dass da ja so komisches Publikum kommen würde, laut werden?

Diese Unkenrufe kommen immer nur von einigen wenigen. Unser Publikum ist sehr entspannt und tolerant und wenn man eine Band mag, ist es doch auch egal, zu welcher „Szene“ man gehört oder nicht. Da wird die Band gefeiert, wie bei The Prodigy z.B. Das war sicherlich ein Auftritt, der allen noch lange in Erinnerung bleibt.

Abstrahieren wir das mal ein wenig: Wie sieht für Euch der typische M’era Luna-Besucher aus?

Schubladen sind immer schwierig, darum würde ich auch sagen „typisch“ gibt es nicht. Dazu gibt es innerhalb des Publikums zu viele unterschiedliche Strömungen.

Was den Besucher auch gerne mal aufregt: Der Zeitplan. Wonach wird entschieden, wer wann spielt? Und auch: Wonach entscheidet Ihr, wer im Hangar und wer draußen spielt? Skinny Puppy im Hangar wurde einst aus Platzgründen z.B. vielfach als ungünstig empfunden.

Der Zeitplan wird anhand der Größe und der Verfügbarkeit der Bands zusammengestellt. Die Bands die auf Tourneekonzerten vor 1.500 Leuten spielen, sind natürlich etwas später an der Reihe als Bands, die nur 300 Besucher haben. Zudem reisen manche Bands auch später an, manche müssen früh wieder weg, weil sie eine große Strecke zum nächsten Konzert zurücklegen müssen. Nichtsdestotrotz muss der rote Faden im Programm immer erhalten bleiben, damit es nicht unausgewogen oder völlig unpassend vermischt wird.

Da das LineUp sehr viele Spielarten der dunklen Musik beinhaltet: Versucht Ihr, zu scharfe stilistische Brüche im Zeitplan zu vermeiden oder ist das bewusst gewollt, auch um Publikumsaustausch zu haben?

Naja, es ist gerade aufgrund der Vielseitigkeit des Genres immer eine Herausforderung das Programm so zusammenzustellen, dass auch für alle Besucher etwas dabei ist. Jeder Fan muss sich musikalisch gut aufgehoben fühlen. Letztendlich geht es um die richtige Mischung und den schon erwähnten roten Faden im Festivalprogramm.

Gehen wir mal einen Schritt weiter: Sonntagabend, 22 Uhr. Was muss passieren, damit Ihr hinterher sagt: „Ja, das war ein klasse Festival“?

Sagen wir mal so: Im Idealfall ist NICHTS passiert. Wenn alles läuft wie geplant, die Besucher, Bands und Mitarbeiter alle gut gelaunt und gesund sind, das Wetter einigermaßen mitgespielt hat, die Technik funktioniert hat, …. Dann hat alles gepasst.

Kommen wir mal zu den Zeltern… Bei anderen Festivals habt Ihr einen Green Camping-Bereich. Ist so etwas für die Zukunft beim M’era Luna auch angedacht?

Beim M’era Luna brauchen wir kein „Grüner Wohnen“, da der gesamte Campingplatz dank der umsichtigen und mitdenkenden Besucher schon immer ähnlich wie der „Grüner Wohnen“-Platz aussieht. Der Großteil der M’era Luna Besucher war von Anfang an ordentlich und hat den Zeltplatz sauber gehalten und Rücksicht auf andere genommen. Klar gibt es auch beim M’era Luna noch die ein oder andere Verbesserung, aber einen Grüner-Wohnen-Platz einzurichten, ist meiner Meinung nach nicht notwendig und vielleicht sogar unproduktiv…

Für eine saubere Umgebung gibt es außerdem das Projekt 20/4. Könnt Ihr da etwas zu sagen?

Unsere Lotsen, die freiwillig am Projekt 20/4 teilnehmen, werden in verschiedensten Bereichen auf dem Festival eingesetzt. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um den Fußabdruck des Festivals zu verringern, das Festival angenehmer zu machen und auch den Besuchern mehr Service zu bieten. Die Lotsen werden dort eingesetzt, wo man mit vielen Händen sichtbare Verbesserungen bewirken kann: beim Einlass, vor und hinter den Kulissen, auf den Campingplätzen etc. Eine ihrer Aufgaben ist es, die Besucher bei der Mülltrennung und –entsorgung zu unterstützen und somit zu einem grüneren Festival beizutragen. Dies alles natürlich nur jeweils ein paar Stunden am Tag, so dass auch noch Zeit bleibt, das Festival und die Bands zu genießen.
Ein paar Lotsen werden noch gesucht: Wer Lust hat, als Lotse beim M’era Luna Festival dabei zu sein und das Festival auch mal aus einer anderen Perspektive zu erleben, kann sich hier www.meraluna.de/projekt204.aspx bewerben.

Wie wird das Projekt 20/4 so insgesamt angenommen von den Leuten?

Wir machen das in diesem Jahr zum ersten Mal auf all unseren Festivals und freuen uns über wirklich regen Zuspruch. Beim Hurricane und Southside Festival haben sich die Lotsen direkt bewährt und waren mit Feuereifer und viel Spaß bis zum Schluss dabei. Das sieht man auch an den Lotsentagebüchern, die auf den Festivalseiten zu finden sind.

Zum Abschluss gefragt: Welches sind die 5 Dinge, die ein jeder Festivalbesucher unbedingt in seinem Koffer haben sollte?

Hier sollte die Frage eigentlich lauten: Was braucht man nicht mehr unbedingt aufs Festival schleppen?

1. Bierdosen – diese gibt es gekühlt und günstig im Festivalsupermarkt
2. Gummistiefel – kauft man schnell online und holt sie auf dem Festival ab.
3. Zelt / Schlafsack sollte man mitbringen, kann man aber auch auf dem Festival noch bekommen, falls man sie vergessen haben sollte.
4. Wasser, O-Saft, Zahnbürste und Klopapier gibt es alles im Supermarkt auf dem Gelände.
5. Mitbringen sollte man aber unbedingt sein Festivalticket!

Vielen Dank für die Antworten!

Interview: Marius Meyer
Bilder: FKP Scorpio

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