David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

An Tagen wie diesen. Heute: Die Beatles veröffentlichen Magical Mystery Tour.

Zugegeben – so richtig wichtig sind mir die Beatles nie gewesen. Anderen britischen Bands jener Zeit gebe ich bis heute den klaren Vorrang, den Kinks zum Beispiel, natürlich The Who oder gar The Small Faces. Und doch komme auch ich nicht umhin mich bei den Fab Four für zumindest einen Moment zu bedanken, der mir bis heute unsagbar viel bedeutet. Und der exakt jenen Punkt markiert, an dem Musik für mich zu Kunst wurde. Einer Kunst, die nicht nur unterhalten, sondern auch herauszufordern versteht. Es ist der Moment, an dem ich zum ersten Mal Strawberry Fields Forever hörte. Um nicht zu sagen: Hören durfte.

Exakt heute vor 45 Jahren erschien Magical Mystery Tour – im Ursprung eher ein Soundtrack als denn eine reine Studio-LP. Und auf dieser Platte eben: Strawberry Fields Forever. Ein Song, so verworren, verpeilt und wunderschön, dass es wohl wirklich einer Mischung aus Genie und LSD bedurfte ihn zu komponieren, zu produzieren. Wie beim LP-Vorgänger, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band waten auch die Songs auf Magical Mystery Tour knietief durch psychedelische Gefilde. Als Doppel-A-Seite erschien Strawberry Fields Forever bereits im Frühjahr des Jahres 1967, gemeinsam mit Penny Lane und wurde, selbstredend, somit bereits zum Hit, bevor das Album erschien. Zwar handelt es sich bei dem Song um eine (wohl vor allem von John Lennon) erschaffene Traumwelt, Strawberry Fields jedoch existiert tatsächlich und bezeichnet eine Gegend in Liverpool, in der Lennon aufwuchs. Gerade Zeilen wie das berühmte living is easy with eyes closed stehen jedoch stellvertretend für das musikalische Schaffen Lennons in jener Zeit, in der diversen eskapistischen Tendenzen Tür und Tor geöffnet wurden, sei es über bewusstseinserweiternde Mittelchen oder aber auch auf spirituellem Wege. Der wirkliche Kick des Songs ergibt sich jedoch ganz fraglos durch die Produktion. Gleich eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Versionen hatte George Martin mit und für seine Schützlinge zusammengebastelt, bis sich am Ende zwei herauskristallisierten: Eine folkige Variante und eine orchestral getragene. John Lennon bat den Produzenten schließlich darum, doch beide Versionen irgendwie gemischt zu bekommen. Ein groteskes Unterfangen, zumal die beiden Stücke mit ganz unterschiedlichen Noten eingespielt worden waren und auch in ungleichen Geschwindigkeiten. Und doch setze Martin Lennons Sonderwunsch derart einzigartig um, dass das Lied bis heute als Meilenstein der Produktionstechnik gelten darf.

Zwar kann Magical Mystery Tour in puncto thematischer Geschlossenheit nicht mit einem Konzeptklassiker wie Sgt. Pepper’s mithalten, die kompositorische Brillanz und die Hitdichte der Platte sind jedoch sogar für Beatles-Verhältnisse bemerkenswert: The Fool On The Hill, Your Mother Should Know, I Am The Walrus, Hello Goodbye oder All You Need Is Love befinden sich ebenfalls auf dem Album. Und noch etwas macht Magical Mystery Tour zu einem besonderen Album: Es war das erste, dass die Beatles nach dem Tode ihres großen Mentors Brian Epstein aufnahmen. Ein sehr einschneidender Wendepunkt in der Karriere der Band, auch wenn tonal schließlich kaum etwas davon zu hören war.

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3 Kommentare zu “An Tagen wie diesen. Heute: Die Beatles veröffentlichen Magical Mystery Tour.

  1. davidwonschewski
    4. Dezember 2012

    Mag sein, wobei es wohl schon an der Voraussetzung „Ein Zuhörer, der die Beatles nicht kennt“ scheitern dürfte…;-) Denn wer soll das schon sein….Ich glaube was einfach nicht reproduzierbar ist, das ist jener Moment in dem ein neuer Sound zum ersten Mal auf Platte gebannt wurde. Das maht es für jüngere Generationen manchmal evtl etwas schwierig dieses ungeheure Gewicht der Beatles einzuschätzen.

  2. BOWMORE Darkest
    3. Dezember 2012

    Wie sagt Paul immer:“ The Beatles, best group in the world“.
    Mal angenommen, man macht eine Stunde Musik im Radio mit den Beatles in ihrer ganzen Vielfalt. Ein Zuhörer, der die Beatles nicht kennt, würde nicht merken, dass das Musik von der gleichen Band war.
    Das funktioniert mit anderen Bands nicht.
    C.H.

  3. Achim Wagner
    28. November 2012

    Habe neulich auf Arte eine neue Doku zur Entstehung des Films gesehen, in der unter anderem Scorsese das Ding als einen seiner bedeutendsten Einflüsse benennt. Ist heute schwer nachvollziehbar, wie all diese Musik – ob jetzt Kinks, Stones, the Who oder Beatles, wohl wirkte, als die Leute sie zum ersten mal hörten und alles, was seitdem darauf aufgebaut hat, gar nicht kannten. Mein Favorit von den Beatles ist das White Album.

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