David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Alte Meisterwerke: Herman van Veen – „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“ (1973)

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Für das Liedermacher-Magazin „Ein Achtel Lorbeerblatt“ habe ich einen subjektiven Erfahrungsbericht über eine meiner „All Time Favorite“-Platten verfasst. Und ja: Good ol‘ Weichzeichner David Hamilton ist auch wieder am Start.

Wer mag findet Ein Achtel Lorbeerblatt im Übrigen bereits jetzt (offiziell ab dem 01.Januar 2013) ebenfalls im WordPress-Kosmos.

Alte Meisterwerke, frisch entstaubt: Herman van Veen – Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl (1973)

von David Wonschewski

Leider bin ich um einige Jahre zu jung, um die späten 60iger und 70iger Jahre mitbekommen zu haben, so dass ich auf viele alte Schätze erst nachträglich stoßen konnte und noch immer kann. Vieles davon haut mich nicht im Ansatz aus den Schuhen. Einiges dafür aber umso heftiger. Und so ist eines meiner absoluten Lieblingsalben ganz klar „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“ von Herman van Veen. Auch wenn es klanglich betrachtet kein Werk ist, das „aus den Schuhen haut“. Denn dafür ist es viel zu feinsinnig.

Das Album stammt aus dem Jahr 1973, ist van Veens Debüt gewesen und ich habe diese Platte im Plattenschrank meines Onkels gefunden. Ich glaube ich war etwa 8 Jahre alt als ich anfing immer und überall die Plattenschränke zu durchwühlen und als erstes fielen mir natürlich immer Pop- und etwas später dann Rock-Platten in die Hände. An Herman van Veen, der immer etwas absurd und grotesk zwischen all den Queen-, Boney M-, Supertramp- und ABBA-Platten stand, habe ich lange einfach nur vorbeigeblättert. Obwohl ich mich erinnere, dass mich das Coverbild schon damals fasziniert hat. So grau, so weiß, so nachdenklich und irgendwie auch ein klein wenig fertig mit der Welt steht er da, der sensible Niederländer.

Später, als Teenager hinderte mich dann der Titel daran genauer in die Platte zu hören, denn irgendwie klang mir das doch zu sehr nach Schlager: „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“.  Geht gar nicht, wenn man 17 ist und eine Band namens Nirvana gerade die Welt revolutioniert. Erst mit knapp 25 war ich dann reif genug notfalls auch zu Schlager zu stehen, wenn denn gut gemacht. Umso überraschter war ich zu hören, wie passend dieser Titel ist, ist dieses van Veen-Debüt doch die mit Abstand zärtlichste Platte, die ich je gehört habe, bis heute. Und hat mit Schlager gar nichts zu tun, natürlich nicht. „Weißt du wie es war“ ist das erste Lied gewesen, das mich der melancholischen Nostalgie nahegebracht hat, so sanft dahingetupft, so gestern und heute zugleich. „Wollten vor Glück nicht ans Ufer zurück“ ist eine Zeile aus dem Refrain und ich nutze diesen Satz noch immer gerne und oft, wenn ich Glückwunschkarten oder ähnliche Sachen schreibe und mir ein paar schöne Worte fehlen.

Der „kleine Fratz“ ist einer der bekanntesten Songs von Herman van Veen und auch dieses Lied nötigt mir die größte Bewunderung ab. Ich meine, ein Lied über ein kleines Kind auf seinem Dreirad muss man auch erst einmal schreiben können. Meistens strandet das in elterlicher Sämigkeit, sage ich als jemand, der noch kinderlos ist und so betrachtet von jeher in einer leicht standardisierten Abwehrhaltung, was derartige Thematik betrifft. Oder wie sagt Reinhard Mey in, ich glaube „Sven“, so schön? „Schaut her, ich hab‘ mich fortgepflanzt!“. Genau das ist das Problem vieler Lieder, in denen es um das Elternglück geht. Und genau das umschifft van Veen hier. So sehr, dass es ihm gelingt in dieses kurze , an sich so simple Stück all das Glück, all die Sorge und all die Wehmut eines Vaters zu packen wie es viele Jahre später nur Reinhard Mey noch einmal gelungen ist mit „Kleines Mädchen“.

Besonders beglückend an der Platte ist, dass sie einen durchweg schwelgerischen Tonfall besitzt, ja überhaupt wie aus einem Guss daherkommt. Van Veens Lieder sind hier allesamt Lieder wie aus Porzellan, zerbrechlich und kostbar. Und hört man die Platte heute, gut 40 Jahre später, so hört man sie wie durch einen sanften Nebel hindurch, einen stilistischen Weichzeichner, wie ihn der Filmemacher und Fotograf David Hamilton in seinen Werken doch so gerne verwendet hat.

Und ja: „Zärtlich“ ist das beste aller Worte, um dieses Meisterwerk zu betiteln.

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2 Kommentare zu “Alte Meisterwerke: Herman van Veen – „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“ (1973)

  1. Maja
    9. Dezember 2014

    Hat dies auf Querbeet rebloggt und kommentierte:
    van veen ist ein ganz besonderer mensch wer ihn live erlebt hat darf das sagen

  2. Follygirl
    29. Dezember 2012

    Den mochte ich immer… einfach klasse…
    LG, Petra
    das mag ich besonders:

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Januar 2013 von in Wonschewskis Liedermachertipp und getaggt mit , , .
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