David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Mutmaßungen eines schmerzverzerrten Theatralikers / Teil 6: Flüchten liegt so nahe.

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Was sind das nur für Leute, die sich nicht in Flüchtlinge hineinversetzen können?
Dafür braucht es keinen Hunger, keinen Bürgerkrieg.
Dafür braucht es kein Leid, nicht einmal Diskriminierung.

Flüchten liegt so nahe.

Warum nur kennen das manche nicht, tun so als läge es ihnen fern?

Pathetisch? Vielleicht.

Mein letzter Fluchtversuch misslang.
Aber, hey: lebe noch.

Was ich wollte? Sterben. So ab und an. Weil es da, wo ich war, nicht ging. Nicht funktionierte.
Warum ich noch lebe? Weil es Leute gab, die mir die Flucht erlaubten. Die da waren. Wussten, das sschon bald ich ihnen ein Zelt bauen werde.

Wie kann man das nicht kennen, wie sich nicht hineinversetzen?

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2 Kommentare zu “Mutmaßungen eines schmerzverzerrten Theatralikers / Teil 6: Flüchten liegt so nahe.

  1. Silke
    7. August 2015

    Plötzlich sagen Menschen, die man sein Leben lang kennt und zu denen man immer aufgeblickt hat, Sätze wie: „jeden Flüchtling, der ertrinkt, braucht man wenigstens nicht mehr irgendwo unterbringen“ und „wie schade für die Schulkinder, wenn dann jetzt nach den Sommerferien erstmal der Sport ausfällt, weil in der Turnhalle Flüchtlinge einquartiert wurden“.
    Ich versteh diese Welt einfach nicht mehr.

  2. Sanguine
    7. August 2015

    Ein paar Worte zum nachdenken, schön.

    Zwischen flüchten wollen und flüchten müssen liegt zwar ein weltweiter Unterschied, doch dem Grundgedanken kann oder sollte man zustimmen. Jeder von uns Menschen wollte schon flüchten, wohin auch immer. Manche tun es, manche nur gedanklich. Andere sind gezwungen.

    Wir nehmen hier in der Stadt Flüchtlinge auf und heute hörte ich, wie sich zwei im Gespräch beschwerten „die lassen hier immer mehr Ausländer rein“. Die Beleidigungen mal weggelassen.
    Sowas zu hören tut weh..wenn man an seiner Heimat hängt. Ob nun Flüchtling oder nicht.

    Aber als ich das hörte dachte ich daran. Ja, jeder von uns wollte schon flüchten. Selbst wenn es nur ein kurzes „ich habe keine Lust mehr“ ist. Oder dachte daran gar flüchten zu müssen. Aus einer scheinbar ausweglosen Situation.

    Es gibt viele Gründe. Viele Wege.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. August 2015 von in Nachrichten und getaggt mit , , , .
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