David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

Division, Mode und Croce: Und – was hörst du so beim Romanschreiben?

Ich bin mir nicht sicher, ob es an meinem ursprünglichen Job als Musikredakteur für Radio & Print liegt – oder ob es doch einfach Standard ist. Aber zu Beginn eines neuen Romans stehen neben rudimentären Ideen bei mir auch immer Songs. Stellvertretende Lieder gewissermaßen, die das Grundgefühl des Buches, das ich da zu schreiben gedenke, bereits transportieren.

Bei meinem ersten Roman war das ganz klar Joy Division, kalt und seelisch im Eimer sollte das Buch werden. Wurde es dem Vernehmen nach dann wohl auch. Und was sagen wir da? Genau wir sagen brav: Daaaanke Mr. Cuuurtiiisss!

Bei meinem Melancholienband „Geliebter Schmerz“ wollte ich die Zerrissenheit und die Kälte ein wenig an den Rand schieben. Und etwas mehr menschliche Wärme zulassen. Zumindest in den Hauptgeschichten des Buches sollten Zerbrechlichkeit und emotionale Verletzungen transportiert werden. Mir ist kaum ein Texter bekannt, der die sanft aber unnachgiebig blutende Wunde derart auf den Punkt bringt wie Martin Gore. Ob das nun immer so geklappt hat sei dahingestellt. Wir rufen dennoch, brav: Daaanke, Herrr Goooreee.

Bei „Zerteiltes Leid“, auch wenn es für Leser vermutlich schwierig nachzuvollziehen ist, suchte ich einen romantischen „as time goes by“-Ansatz. Denn der Hauptcharakter des Buches ist romantisch verliebt, er stilisiert. Und alles ist herbstlich braungold und alles ist Kastanienbaum. Auch wenn es am Ende dann wieder etwas düster wurde, so war der traurig-versonnene Sound von Jim Croce maßgeblich beteiligt an der Entstehung des Buches.

Und nun? Nun hocke ich an meinem vierten Buch, meinem dritten Roman. Versuche ein wenig herauszutreten aus mir selbst, der ständigen Gedankenschwurbelei zu entkommen. Beschaue die Welt, was aus ihr geworden ist, was wir daraus machen. Und möchte am liebsten gleich wieder zurück ins Schneckenhaus.Aber so läuft es leider nicht, es gibt kein Schneckenhaus. Das zerstörte Draußen fasst stets auch das ohnmächtige Innen an. Kein Entrinnen. Untergang oder Kampf? Revolution oder Entsagung? Zorn oder Lethargie? Jaz Coleman, Frontmann der Band Killing Joke, hat dieses Gefühl gesellschaftlich zerrieben zu werden Mitte der 80er Jahre hervorragend vertextlicht. Und dazu einen bewusst pathetischen Armageddon-Sound kreiert, den die Band bis heute pflegt. Mit fliegenden Fahnen in den unausweichlichen Untergang. Ganz wichtig dabei: Den Blick immer Schlimmes ahnend leicht gen Himmel gerichtet. Denn dort wird er schließlich auftauchen, der auf uns zurasende lars von trier’sche Melancholia-Planet, der die Erde mit Getöse ihrem wohlverdienten Ende zuführen wird.

Daaaaanke, Mr Colemaaaaan – Sie helfen mir dieser Tage enorm weiter. Das eue Buch schreibt sich durch ausgiebigen Killing Joke-Genuss zwar nicht wie von selbst. Man mag aber definitiv nicht aufhören, bekommt Lust zu kämpfen mit dem neuen Stoff, der einem da so abstrakt und unnahbar im Hirne hockt .

We must play our lives like soldiers in the field
The life is short, I’m running faster all the time
Strength and beauty destined to decay
So cut the rose in full bloom

Till the fearless come and the act is done
A love like blood, a love like blood
Till the fearless come and the act is done
A love like blood, a love like blood

Schwarzer Frost, Geliebter Schmerz, Zerteiltes Leid -mehr über die Bücher von David Wonschewski erfahren Sie: HIER.(einfach auf die Buchvover klicken)

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8 Kommentare zu “Division, Mode und Croce: Und – was hörst du so beim Romanschreiben?

  1. La Imperial Feng
    17. Februar 2016

    schöne Wörter setzen sich zusammen und bebildern die Phantasie, ohne die Ironie allzu ernst zu nehmen … Erster Bach wär mir tatsächlich lieber, so nehm ich einstweilen eben mit dem zweiten Vorlieb. Rotwein und Bach mag ich nicht zusammen, jeden für sich allerdings schon;-)

  2. davidwonschewski
    17. Februar 2016

    Von einem Bach, sanft in den Wiesen, Feldern und, ähm, Auen hinter deinem Anwesen dahinplätschern…oder DEM Bach? Klassische Musik und Rotwein sind die beiden Dinge, die mir irgendwie ungeheuer zu Gesicht stehen würden. Ich komm aber nicht ran. Naja, okay, am Rotwein arbeite ich neuerdings. Man will ja schießlich gut aussehen, wenn man schon keinen Satz mehr holperfrei über die Lippen bekommt…dann mittelfristig noch Klassische Musik dazu, so lässt sich formvollendet abdriften. Dass das nix anderes ist als mit Bockbier Heavy Metal hören ist ja egal;-)

  3. La Imperial Feng
    17. Februar 2016

    ich lasse mich gern von Bach inspririeren, wenn mir mal gar nichts einfällt.

  4. gabriele auth
    16. Februar 2016

    Interessant, was mich beim Schreiben anfeuert ist die innere Musik und die äußere Stille. Obwohl Croce, also Croce geht irgendwie immer.

  5. letternwald
    16. Februar 2016

    Bei Musik im Hintergrund singe ich entweder mit oder bin sonstwie abgelenkt. Schreiben unterwegs ist dafür kein Problem. So ein Zug ruckelt zwar immer etwas, aber das stört meine Konzentration nicht. Gruß

  6. Autorin Trisha Galore
    23. Dezember 2015

    Ich danke dir, David, es wird schon „bekömmlich“ werden. Was die Balladen angeht, so gebe ich dir Recht, manchmal muss es auch härter sein. Es kommt immer drauf an, was man schreibt. Ganz liebe Grüße und auch die ein schönes Fest.

  7. davidwonschewski
    23. Dezember 2015

    Ach, Balladen trieben dich an beim Schreiben? Kann man mal sehen. Also bei mir ab und an auch – gut, hängt meistens davon ab was man da gerade so vorhat, nicht wahr.
    Ein bekömmliches Fest wünsche ich!

  8. Autorin Trisha Galore
    22. Dezember 2015

    Vorhin habe ich Unchained Melodie gehört. Ansonsten höre ich meistens Balladen. Ganz liebe Grüße

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Februar 2016 von in Nachrichten und getaggt mit , , , .
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