David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Auf der anderen Seite. Oder: Förder mich, ich förder dich!

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Nachdem meine derzeitigen Lebensumstände es leider/gottlob bedingen, dass ich einige kreative Dinge nicht so umsetzen kann wie erhofft und erwünscht (und allem voran: geplant), freue ich mich auf einen heutigen Termin, der ein ganz besonderer ist für mich:

Vom Berliner Senat wurde ich in eine Jury berufen, die über die Vergabe von Fördergeldern für künstlerische Projekte entscheidet. Seit einigen Tagen sichte ich daher Anträge und Projektbeschreibungen, sehe mir schwammige Ideen und konkret fortgeschrittene, klar umrissene Planungen an. Von Kammermusik über Tanztheater bis hin zu, tja: ich weiß nicht was es ist, aber sollten die Leute zufällig an dem Ding vorbeischlendern, oha, die werden stehenbleiben, die werden schauen.

Doch, doch, das ist schon eine Erfahrung, einmal auf dieser anderen Seite des Tisches zu sitzen. Zum einen wird einam anhand weniger, auf von allen Anträgern auszufüllenden Formblättern schnell klar, wer Künstler ist und zugleich professionell denkt. Wer Kunst greifbar machen möchte – und wer einfach nur was in die Luft werfen und bevorzugt selbst wahrgenommen werden will. Da ich selber irgendwo zwischen diesen beiden Polen umhermäandere lerne ich da gerade ungeheuer dazu.

Wow, was so ein wenig bürokratische Aktenarbeit, was das wiederholte Studium diverse Kostenpläne (oder solcher, die denken, sie wären welche) doch für einen Lerneffekt hat.

Interessant im Übrigen auch, dass ich merke, dass mir die Künstler, die sich „bei mir“ nicht anders bewerben als wenn es um einen Job bei einer Bank ginge gleich sympathischer sind als die, die ohne aufgelistete Argumente, dafür aber mit imaginärer Federboa daherkommen.

Und so ertappe ich mich, wie ich hier hocke, durch die vielen Förderanträge blättere und denke: Ts, ich fördere doch nichts, was nichtmal theoretisch auf eine gewisse Langfristigkeit hin ausgelegt ist!

Ich weiß nicht, ob ich nach dieser Sache hier ein besserer Mensch sein werde. Vermutlich eher nicht. Aber: Huch, ich nehme Formen an!

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David Wonschewski, Jahrgang 1977, wuchs im Münsterland auf und ist seit 15 Jahren als Musikjournalist für Radio, Print & Online tätig. Als leitender Redakteur gestaltete er viele Jahre das Programm landesweiter Stationen, führte Interviews mit internationalen Künstlern, verfasste knapp 450 Rezensionen sowie PR-Texte für u.a. Reinhard Mey. Sein von der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft empfohlener Debütroman “Schwarzer Frost” brachte ihm 2013 erste Vergleiche mit Autorengrößen wie David Foster Wallace, Bret Easton Ellis oder eben Thomas Bernhard ein. Der Nachfolger “Geliebter Schmerz” erschien Anfang 2014, der Roman “Zerteiltes Leid” wurde im Mai 2015 veröffentlicht.

“Wonschewski zieht alle Register der Vortragskunst bis hin zur schrillen Verzweiflung, die sich in drastischen Stimmlagen widerspiegelt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus – der Autor versteht es vortrefflich, diese Stilmittel zu einem höchst amüsanten Cocktail zu mixen.” (Rainer Nix, “Westfälische Nachrichten”, 10. Juni 2015).

Foto oben: Selbstgeschossen. Ort meiner Kindheit. Irgendwie entlarvend, irgendwie selbsterklärend.

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Ein Kommentar zu “Auf der anderen Seite. Oder: Förder mich, ich förder dich!

  1. La Imperial Feng
    17. Februar 2016

    Schönes Haus, ich würd’s nehmen. I
    Ist eh besser, wenn das Wasser vorn ist statt hinten … !

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. Februar 2016 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , , .
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