David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

Relevant. / Die ekz bewertet „Zerteiltes Leid“ nach bibliothekarischen Maßstäben

Ich gebe zu: Mit jeder meiner Buchveröffentlichungen erwarte ich mit enormer Anspannung die kurzen und knackigen Bewertungen der ekz.Wer in dem Bereich nicht so firm ist: die ekz ist ein Dienstleistungs-unternehmen, dessen Angebote sich überwiegend an Öffentliche Bibliotheken richten. Sie unterhält ein Lektorennetzwerk, das die etwa 90.000 jährlichen Neuerscheinungen in deutscher Sprache durchforstet und 14.000 bis 16.000 Titel für den „bibliothekarischen Bestandsaufbau“ auswählt.

Kurz gesagt: Die ekz beurteilt in knapper Wortwahl, ob man da nun ein Buch geschrieben hat, dass die (Nach)welt in irgendeiner Form brauchen könnte und das dementsprechend „bibliotheksreife“ besitzt. Oder ob das Ganze mehr so gen Durchlauferhitzer geht. Die ekz selbst sagt von sich, sie wäge ab, welche Bücher „relevant“ sind und welche nicht. Viel steht da nicht drin, in deren Begutachtungen. Eine kurze Zusammenfassung und dann in zwei Sätzen: Sekt oder Selters. Blumenstrauß oder Guillotine.

Aus reinem Opportunismus, gepaart mit ein paar Tupfern Glückseligkeit, hinterfrage ich das alles einfach mal nicht. Und bin stattdessen viel lieber latent gerührt.

Denn während es für meinen „Schwarzen Frost“ seinerzeit eine klare Bibliotheksempfehlung gab, den heiteren Misantrophenstoff doch dringend ins Bibliothekssortiment zu übernehmen, sah man bei „Geliebter Schmerz“ in Anbetracht des schwierigen Marktes für Kurzerzählungen nicht so die Notwendigkeit eine Empfehlung auszusprechen. Man könne es machen, könne aber auch darauf verzichten, so hieß es da sinngemäß.

Um so mehr freue ich mich, dass „Zerteiltes Leid“, mein aktueller Roman wieder als ein Buch wahrgenommen wird, an dem auch meine Enkel noch ihre, öhm, Freude haben werden…sollten…müssten. Öhm.

Ab heute also offiziell „Literat“ und mit dem Reinhard Mey-Lied „Anspruchsvoll“ auf den Lippen, entlasse ich Sie somit in die salbungsvollen Worte der ekz.

Im exakten Wortlaut heißt es dort:

Janusz Jaroncek soll die ihm unerreichbare Uta Wensch ermordet haben, nach bester Männerart getötet, wie er es bezeichnet. So jedenfalls sieht es die Öffentlichkeit und die Staatsgewalt. In endlosen Gesprächen (oder besser gesagt Monologen) entblättert sich das Leben eines Mannes, der nie auf der Sonnenseite des Lebens gestanden ist und sich im
Laufe der Jahre immer mehr von der Gesellschaft entfremdet hat. Der neue Roman von David Wonschewski (zuletzt „Geliebter Schmerz“, ID-G 19/14) zeigt das Psychogramm eines zerrissenen Mannes auf der verzweifelten Suche nach Liebe.

Der Autor zeichnet ein deprimierendes Bild nicht nur von Janusz Jaroncek, sondern auch von der Gesellschaft und ihren Zwängen. Sicher kein einfaches Buch, aber sprachlich sehr gelungen, packend geschrieben und psychologisch tiefgehend. Einzusetzen wie der 1. Roman des Autors „Schwarzer Frost“ (ID-B 13/13). Empfohlen für ein literarisch interessiertes Publikum.
Martina Schuler

„Die Angst ich wäre nicht genug“ – Interview zu „Zerteiltes Leid“: HIER.

Ein Buch zum Preis von einem, zwei zum Preis von zweien, drei zum Preis von dreien – na hoppala, ab zum schnittig kalkulierten Weihnachtskaufangebot von David Wonschewski get es: HIER entlang.

FrostSchmerzLeid

 

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2 Kommentare zu “Relevant. / Die ekz bewertet „Zerteiltes Leid“ nach bibliothekarischen Maßstäben

  1. davidwonschewski
    23. Dezember 2015

    Großschriftsteller klingt irgendwie nach Großbaustelle, nicht wahr?;-) Und doch bin ich weit davon entfernt es kritisieren, geschweige denn tilgen zu wollen. Nur weiter so, gerade zu Weihnachten habe ich traditionell etwas Zuspruch nötig…

  2. Pingback: Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Engels und Wonschewski | DINGFEST

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Februar 2016 von in Interviews / Rezensionen, Nachrichten, Rezensionen und getaggt mit , , , , , , .
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