David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

Mutmaßungen eines schmerzverzerrten Theatralikers / Teil 15: Wieder ein Trauma im Arsch.

d2

Als ich Abitur machte, da schwor ich mir: Nie wieder traust du dich auch nur auf 100 Meter an eine Deutsch-Leistungskurslehrerin heran. Wenn dich eine anspricht: Lauf weg! Wenn dir eine mailt: Lösche! Wenn eine erwähnt, dass das ja ganz interessant sei, dass du nun auch schreibst und veröffentlichst: Leugne!

Um mit Dirk von Lowtzow zu sprechen: Sag alles ab!

Nun, dieser Tage musste ich erstmalig mit diesem Vorsatz brechen. Höhere Gewalt zwang mich die Wohnstätte einer ebensolchen Pädagogin aufzusuchen. Getrieben von meiner uralten Sucht nach fachlicher Absolution wagte ich diesen Schritt, dieses nervenzermürbende Abenteuer.

Gerne würde ich mehr berichten über dieses heikle Aufeinandertreffen von Wissen und Ahnung, Didaktik und Geschwurbel. Doch weiß ich das meiste leider nicht mehr. Denn zwar liegt im an jenem Abend verabreichten Wein bekanntlich Wahrheit – doch bist du einer von jenen, die zu viel wissen wollen, so tauchst du zu tief. Und tauchst du zu tief, so findest du sie vielleicht, die Wahrheit. Erinnerst dich nur halt am nächsten Tage nicht mehr so recht daran. Und bist, so kann es gehen, mitunter vielleicht noch Unwissender als zuvor.

Und so wachte ich am nächsten Tag mit nichts anderem auf als diesem Foto. Geschossen offenbar in einem Moment, in dem  sich meine tief in mir angelegten Minderwertigkeitskomplexe mit meiner ebenfalls kaum zu leugnenden Selbstverliebtheit verbrüderten. Und ich – belustigt von mir selbst und besoffen von der Welt – ihre Regaltür öffnete, weil ich etwas sah, das mich erst staunen und dann lauthalsig-wahnsinnig lachen ließ.

Ja, es gibt sie noch, diese kleinen, wie beiläufig dahingetüpfelten Dinge. Kein Plan liegt ihnen zugrunde, keinerlei Bedeutung haben sie.

Und sind vermutlich gerade deswegen, wenn auch nur für einen speziellen Menschen und in einem speziellen, nicht reproduzierbarem Moment, ein kleingroßer Grund zu leben.

So sitze ich nun also hier, beschaue mir dieses Foto, geschossen im Vorübergehen in der Wohnung einer Deutsch-Leistungskurslehrerin.

Und ahne: Wieder einen Komplex beseitigt. Wieder ein Trauma im Arsch.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. März 2016 von in Der schmerzverzerrte Theatraliker, Nachrichten und getaggt mit , , , , .
%d Bloggern gefällt das: