David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

Trümmer! Aufbau.

2008_April._Berlinfahrt 079

Das hatte ich mir bedeutend gefühlsduseliger vorgestellt. Dieses Ausmisten der alten Wohnung. Was nicht bedeuten soll, dass es derzeit nicht emotional hoch und herginge in meinen mir zunehmend unvertrauter werdenden vier Ex-Wänden. Und wie das hier hoch und hergeht. Vor allem wurftechnisch.

Vier große Müllsäcke habe ich im Wohnzimmer aufgestellt. Ursprünglich waren drei für „muss ich mitnehmen“ und einer für „kann wech, der Schrott“ gedacht. Nach einigen Stunden lustvollen Werfens und Zerdepperns habe ich es nun aber umgekehrt.  Kein konstruktiver Gedanke ist möglich ohne sich zuvor an der Dekonstruktion des eigenen Gestern gütlich getan zu haben. Meine Meinung.

Und schau sich einer den Woschnaffski an – als Autor existentialistisch dem großen schwarzen Nichts fröhnen. Sich schlussendlich aber als kommerzaffine Kapitalismusnutte entpuppen. Merkt er woran? Richtig, an den sich flugs füllenden Müllsäcken. Kommt aus dem Wegwerfen schon gar nocht mehr heraus, der Woschnaffski. Der Ellenbogen tut ihm schon weh, vom vielen zielen und werfen. Und die Stimmbänder schmerzen vom anschließenden „der Wolf is tot, tot ist der Wolf“-Gebrülle bei jedem Treffer.

Schon lustig. Kaum Kohle für gar nix haben. Aber die Bude steht voller Murks.

Alles tonnenwürdig, kann alles weg. Acht aufgeblähte Jahre in dieser Wohnung liegen hinter mir. Auf’s Essentielle runtergestutzt waren es, so künden die Müllsäcke, allenfalls zwei. Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin? Ja, habe ich. Und der bleibt auch schön hier. Was soll ich mit dem Krempel anderswo.

Muss sich doch konsequenter, muss sich doch effektiver leben lassen, irgendwie. Was man nicht tragen kann, braucht man auch nicht.

Charlottenburg werde ich vermissen. Wahrlich nicht der angesagteste Berliner Bezirk, aber der einzige, in den ich integriert werden wollte und konnte. Was immer das auch aussagt über mich. Einige Erinnerungen, einige Menschen ebenso.

Noch einige wenige Monate Berliner Luft. Inklusive ortsüblicher hysterischer Schnappatmung hier, drogengeschwängertem Stoßhusten dort.

Erst Trümmer, dann Aufbau. Andersherum wär ja auch doof.

Lesen Sie auch: Frost, Schmerz und Leid – aus dem Leben eines naturveranlagten Umziehers. Mehr Informationen: HIER.

Foto oben: Berlin-Charlottenburg, Mitte 2008, mit meinem Vater, kurz nach Einzug. Da dachte ich noch, dass ich in spätestens 5 Jahren weg bin. Weg war dann nicht ich, sondern er. Aber das ist eine andere, auch aus Berlin mitzunehmende Geschichte.

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3 Kommentare zu “Trümmer! Aufbau.

  1. davidwonschewski
    11. April 2016

    Hallo,

    die Auskunftsfreude antwortet: Zurück in meine westfälische Heimat. Der exakte Ort steht noch nicht fest, irgendwas im Raum Münster oder gar in Münster. LG!

  2. La Imperial Feng
    11. April 2016

    … die Neugier fragt: und wo ziehst du dann hin, mit Sack und Pack?

  3. Maja
    10. April 2016

    David, kannst Du bei mir weitermachen, bei mir muss auch alles weg

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. April 2016 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , , .
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