David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Wieder ein Trauma im Arsch. Oder: Literatur für Ewiggestrige.

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Als ich Abitur machte, da schwor ich mir: Nie wieder traust du dich auch nur auf 100 Meter an eine Deutsch-Leistungskurslehrerin heran. Wenn dich eine anspricht: Lauf weg! Wenn dir eine mailt: Lösche! Wenn eine erwähnt, dass das ja ganz interessant sei, dass du nun auch schreibst und veröffentlichst: Leugne!

Um mit Dirk von Lowtzow zu sprechen: Sag alles ab!

Nun, dieser Tage musste ich erstmalig mit diesem Vorsatz brechen. Höhere Gewalt zwang mich die Wohnstätte einer ebensolchen Pädagogin aufzusuchen. Getrieben von meiner uralten Sucht nach fachlicher Absolution wagte ich diesen Schritt, dieses nervenzermürbende Abenteuer.

Gerne würde ich mehr berichten über dieses heikle Aufeinandertreffen von Wissen und Ahnung, Didaktik und Geschwurbel. Doch weiß ich das meiste leider nicht mehr. Denn zwar liegt im an jenem Abend verabreichten Wein bekanntlich Wahrheit – doch bist du einer von jenen, die zu viel wissen wollen, so tauchst du zu tief. Und tauchst du zu tief, so findest du sie vielleicht, die Wahrheit. Erinnerst dich nur halt am nächsten Tage nicht mehr so recht daran. Und bist, so kann es gehen, mitunter vielleicht noch Unwissender als zuvor.

Und so wachte ich am nächsten Tag mit nichts anderem auf als diesem Foto (siehe oben). Geschossen offenbar in einem Moment, in dem  sich meine tief in mir angelegten Minderwertigkeitskomplexe mit meiner ebenfalls kaum zu leugnenden Selbstverliebtheit verbrüderten. Und ich – belustigt von mir selbst und besoffen von der Welt – ihre Regaltür öffnete, weil ich etwas sah, das mich erst staunen und dann lauthalsig-wahnsinnig lachen ließ.

Ja, es gibt sie noch, diese kleinen, wie beiläufig dahingetüpfelten Dinge. Kein Plan liegt ihnen zugrunde, keinerlei Bedeutung haben sie.

Und sind vermutlich gerade deswegen, wenn auch nur für einen speziellen Menschen und in einem speziellen, nicht reproduzierbarem Moment, ein kleingroßer Grund zu leben.

So sitze ich nun also hier, beschaue mir dieses Foto, geschossen im Vorübergehen in der Wohnung einer Deutsch-Leistungskurslehrerin.

Und ahne: Wieder einen Komplex beseitigt. Wieder ein Trauma im Arsch.

Über die nervenzermürbende Lachhaftigkeit psychischer Schräglagen: Lesen Sie auch „Schwarzer Frost“, „Geliebter Schmerz“ und „Zerteiltes Leid“ – die bisher erschienen drei Bücher von David Wonschewski. Mehr Informationen dazu gibt es: HIER.

Zum Autor:

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David Wonschewski, Jahrgang 1977, wuchs im Münsterland auf und ist seit 18 Jahren als Musikjournalist für Radio, Print & Online tätig. Als leitender Redakteur gestaltete er viele Jahre das Programm landesweiter Stationen, führte Interviews mit internationalen Künstlern, verfasste knapp 450 Rezensionen sowie PR-Texte für u.a. Reinhard Mey. Er ist Begründer (und nach aktuellem Stand auch Totengräber) des Liedermachermagazins „Ein Achtel Lorbeerblatt“ und saß von 2013 bis 2015 in der Jury der renommierten Liederbestenliste. Sein von der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft empfohlener Debütroman „Schwarzer Frost“ brachte ihm 2013 erste Vergleiche mit Autorengrößen wie David Foster Wallace, Bret Easton Ellis oder eben Thomas Bernhard ein. Der Nachfolger „Geliebter Schmerz“ erschien Anfang 2014, der Roman „Zerteiltes Leid“ wurde im Mai 2015 veröffentlicht.

„Wonschewski zieht alle Register der Vortragskunst bis hin zur schrillen Verzweiflung, die sich in drastischen Stimmlagen widerspiegelt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus – der Autor versteht es vortrefflich, diese Stilmittel zu einem höchst amüsanten Cocktail zu mixen.“ (Rainer Nix, „Westfälische Nachrichten“, 10. Juni 2015).

Folgen Sie David Wonschewski besser nicht bei Facebook. Klicken Sie bloß nicht: HIER.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Juni 2016 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , , , .
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