David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Morgens halb acht in Deutschland. Schriftstellerarbeitsplatz.

20160305_084555Ich möchte mit einem Klischee aufräumen: Es geht das Gerücht, wir Schriftsteller seien wirre, wankelmütige Wesen, deren Kreativität einem inneren Chaos entspringe. Mitnichten!

Ich selbst zum Beispiel stelle dieser Tage mein viertes Buch binnen vier Jahren fertig. Weil ich so ein kaputter Typ bin? Nein: Ordnung ist auch in der Kreativbranche das halbe Leben. Mein Wecker klingelt stets um 7 Uhr. Ich dusche, lege mir den strengsten vorstellbaren Scheitel, schlüpfe in das härestmöglich gestärkte Hemd und die Hose mit den Bügelfalten aus Beton, dazu eine Krawatte, so eng gebunden, dass man auf Ideen kommen könnte (die hier nicht hingehören). Dann klappe ich meinen Laptop auf. Ich reinige ihn und stelle fein sorgsam, penibel und begleitet von äußerster innerer Ruhe die Arbeitsutensilien für einen ertragreichen Schriftstellertag zusammen. Das trägt schon Züge von notorischem Verhalten bei mir. Ist nicht alles an seinem Platz, ich kriege keine Zeile beisammen.

Beweisbild meines an Spießerigkeit doch wohl kaum zu überbietenden Arbeitsplatzes obenan. Wie mit dem Lineal gezogen, nicht wahr?

Nicht im Bild: genormter Kasten Bier unter dem Schreibtisch, elektrisch feinjustierte Steckdose in der Wand, im Stechschritt durch den Kopf marschierende Flausen.

Und bevor nun die Bedenkenträger eines geheilten Geistes aufmarschieren: Piano, Leute. Macht euch keine Sorgen. Ich schaue durchaus auf die Uhr und weiß, was in den Morgen, was hingegen in den Abend gehört. Nie im Leben würde ich die unten rechts zu sehende CD der Band „Messer“ vor 18 Uhr öffnen. Nie! Ich mag irre sein, verrückt aber bin ich nicht.

Wohlan, sattle deinen Pegasus, alter Schreiberrecke. Entfache das Feuer der Literatur in dir. Oder was immer du auch dafür halten magst.

Zu den gutgelaunten, zu den das Leben preisenden Büchern von David Wonschewski: HIER entlang.

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5 Kommentare zu “Morgens halb acht in Deutschland. Schriftstellerarbeitsplatz.

  1. Simone Lucia Birkner
    20. Juli 2016

    entschuldige bitte meine dramaturgischen Ausschweifungen😊 warscheinlich lese ich einfach zu viele Theatertexte. Zur Abwechslung werde ich mal deine Romane lesen! falls ich es bis September noch nicht geschafft habe, komme ich auf jeden zu deiner Lesung in Muenchen…😊
    herzlich,
    Simone Lucia

  2. davidwonschewski
    20. Juli 2016

    Stimmt, so habe ich das Foto noch gar nicht gesehen. Es wirft fast schon dramaturgisch zu nennende Fragen auf. An und für sich ist das Foto natürlich sarkastisch gemeint, auch etwas eigenironisch. Selbstverletzung ist mir durchaus bekannt, und die Tabletten sind keine Schmerztabletten, sondern ein Mittel das bipolaren Menschen ab und an verschrieben wird. Dass ich das nicht zusammen mit Alkohol nehme, der da ja auch steht, sollte klar sein;-) Liebe Grüße!

  3. Simone Lucia Birkner
    20. Juli 2016

    Lieber David Wonschewski.
    Ordnung leuchtet mir absolut ein, sie bewahrt einen zum Beispiel vor der Ausrede aufräumen zu müssen anstatt zu schreiben. Nur – das Küchenmesser? und die Säge…Zange und Hammer.. Da möcht ich jetzt schon wissen – vor oder nach 18 Uhr? …und die Schmerztabletten – vor der Säge oder nach der Säge?

  4. davidwonschewski
    5. März 2016

    Da habe ich es in der Tat etwas leichter. Ich verlier immer nur mich selbst.;-)

  5. Sanguine
    5. März 2016

    Interessantes erstes Bild. Ja, das ist tatsächlich fein säuberlich aufgeräumt. Und eine gewisse Ordnung ist in der Kreativität sehr wichtig. Ich weiß das, weil ich auf meinem Schreibtisch nichts wiederfinde.

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