David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Schnitt in Haut.

davhan Ich begegnete einem, der war wie ich. Lud man ihn ein, so sagte er ab. Erschien er doch, so drückte er sich den ganzen Abend über stumm die Wände entlang. Sprach man ihn darauf an, so zuckte er zurück, wich Blicken aus. Erzählte man dann schnell einen Witz, so verstand er nicht. Und versuchte man sich, als ultima ratio, an einem Gespräch mit ihm, so war es, als tauche er unter all den Sätzen hindurch. Schloss die Augen, hielt die Luft an, blies sogar die Backen ein wenig auf. Machte ein paar unbeholfene Ruderbewegungen mit den Armen, kaum merklich. Lustig sah das aus. Fehlplatziert sah er aus.

Ich begegnete einem, der war wie ich. Kein Auskommen war mit dem. Ich mochte ihn nicht. Ich lehnte ihn ab.

Klinge schneidet Haut. Blut zeigt sich.Wärme, einen Arm hinunterfließend. Von Gedanken und Erinnerungen befreit, beginnt ein Atmen.

Zu den ausgesprochen heiteren Entfremdungs- und Depersonalisierungsvisionen von David Wonschewski : HIER entlang.

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4 Kommentare zu “Schnitt in Haut.

  1. Mind Comedy
    30. Juli 2016

    Tatsächlich kenne ich dies aus meiner Frühjugend und Kindheit, ein sehr verwirrendes Verhalten, welches einen viel verpassen lässt. Manchmal bin ich auf Familienfeiern etc. hin und wieder auf Toilette gegangen wenn mir die Gespräche zu viel wurden, oder eben wenn unangenehme Stille aufkam, grade dann war es erleichternd zu verschwinden und in ein laufendes Gespräch zurückzukehren ohne sich dann beteiligen zu müssen.
    Allerdings war Selbstverletzung kein Thema bei mir, für mich hieß es: Rausch, Rausch, Rausch, was wäre mein Leben nur ohne Rausch? Also verschwand ich in dieser kein Stück besseren Welt. Ein bisschen Verhaltenstherapie schadet Niemandem, soziale Kommunikation kann sich nach viel Arbeit so normal wie die Isolation anfühlen!

  2. Simmis Mama
    29. Juli 2016

    Der letzte Absatz, der ist gruselig. Wirklich ritzen oder nur in Gedanken?

  3. davidwonschewski
    4. April 2016

    Lieber Max,

    vielen dank für diesen Kommentar. Trifft mich im Grunde genauso, wie meine Zeilen evtl dich „trafen“. Diese Mischung aus einem Gefühl der entfremdung, vielleicht gar Depersonalisierung – dann aber doch der Wunsch, der Wille, vielleicht sogar die Wut es nicht zuzulassen, einfach NEIN zu sagen zum vielleicht nicht selbst entfachten, doch aber oftmals selbst am Laufen gehaltenen Irrsinn. Ich habe dieses zwiespältige Gefühl bei fast jedem Posting, deswegen Verschwinden manche Posting auch kurz nach Veröffentlichen wieder. Andere hole ich dafür wieder „nach oben“. Ein Leben wie ein Tauziehwettbewerb;-) LG

  4. mw
    2. April 2016

    Angesprochen haben mich oben die Zeilen schon. Teil- bzw ansatzweise darin mich wiedererkannt. Doch nur ansatzweise. Derzeit empfinde ich, es tut mir nicht gut, mich zu stark in der Weise mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich fühle mich deplatziert wie oben geschrieben, so wie dieser mein Kommentar. Und obwohl der Kommentar deplatziert ist, werde ich wohl auf die Kommentar-absenden-Schaltfläche klicken…

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. Juli 2016 von in Der schmerzverzerrte Theatraliker und getaggt mit , , , , , , .
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