David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Essay-Tipp: Wir verschwinden.

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„Der Anspruch auf totale Transparenz ist ein Mittel der Entzauberung, denn wo alles sichtbar ist, wird die Lebenswelt zum Objekt eines pornografischen Blicks, in dem die Mechanismen und Techniken der Bewegungen von Menschen in- und zueinander analytisch funktional betrachtet werden. Er ist auch ein Mittel der Systemstabilisierung, nicht der Veränderung oder gar Revolution, denn totale Transparenz führt logisch dazu, dass jedes Verhältnis in ein Gleichgewicht der Kräfte oder Mächte gebracht wird, weil Informationsvorsprünge im total Transparenten nicht mehr existieren können. Die total transparente Gesellschaft ist vor allem eines: totalitär, leer und starr zugleich. Oder wie Byung-Chul Han es formuliert: Ganz transparent ist nur die Leere„.

(aus: Miriam Meckel – „Wir verschwinden – der Mensch im digitalen Zeitalter“; Kein & Aber Zürich-Berlin 2013)

 


Über die nervenzermürbende Lachhaftigkeit psychischer Schräglagen: Lesen Sie auch „Schwarzer Frost“, „Geliebter Schmerz“ und „Zerteiltes Leid“ – die bisher erschienen drei Bücher von David Wonschewski. Mehr Informationen dazu gibt es: HIER.

Zum Autor:

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David Wonschewski, Jahrgang 1977, wuchs im Münsterland auf und ist seit 18 Jahren als Musikjournalist für Radio, Print & Online tätig. Als leitender Redakteur gestaltete er viele Jahre das Programm landesweiter Stationen, führte Interviews mit internationalen Künstlern, verfasste knapp 450 Rezensionen sowie PR-Texte für u.a. Reinhard Mey. Er ist Begründer (und nach aktuellem Stand auch Totengräber) des Liedermachermagazins „Ein Achtel Lorbeerblatt“ und saß von 2013 bis 2015 in der Jury der renommierten Liederbestenliste. Sein von der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft empfohlener Debütroman „Schwarzer Frost“ brachte ihm 2013 erste Vergleiche mit Autorengrößen wie David Foster Wallace, Bret Easton Ellis oder eben Thomas Bernhard ein. Der Nachfolger „Geliebter Schmerz“ erschien Anfang 2014, der Roman „Zerteiltes Leid“ wurde im Mai 2015 veröffentlicht.

„Wonschewski zieht alle Register der Vortragskunst bis hin zur schrillen Verzweiflung, die sich in drastischen Stimmlagen widerspiegelt. Ironie, Sarkasmus und Zynismus – der Autor versteht es vortrefflich, diese Stilmittel zu einem höchst amüsanten Cocktail zu mixen.“ (Rainer Nix, „Westfälische Nachrichten“, 10. Juni 2015).

 

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3 Kommentare zu “Essay-Tipp: Wir verschwinden.

  1. Sabrina
    29. Juli 2016

    Danke für deine unterbewusste Nachricht 😉 und für dein Vertrauen. Deine Muse hat gesprochen, stimmts? Ich kenne diese Schreibweise. Wir sollten mit unseren Gedanken viel offener umgehen. DAS ist authentisch. Das brauchen wir als Mensch. Keine Perfektion. Menschsein dürfen. Danke dir!
    Liebe Grüße
    Sabrina

  2. davidwonschewski
    29. Juli 2016

    Hallo Sabrina!

    Ich wünschte ich wäre anderer Meinung als du;-) Ja, das Probem ist wesentich raumgreifender. Mein „Lieblingswort“ ist ja Entfremdung. Hat Fromm schon vor 60 Jahren vorausgesehen anhand der sich verändernden Produktionsweisen von Gütern. Ist ja auch so, viele Jobs heutzutage sind nicht mehr mittelbar. Du machst abstrakte Dinge für eine abstrakte Masse. En gegenentwurf, wenn auch etwas Klischee, ist der Bauer, der das, was er mit eigenen Händen erntete, auf dem Markt direkt dem Endverbrauche rin de Flossen drückt, 7, 20 euro dafür bekommt. Diese Tätigkeit macht das Leben erfahrbar. Auch schreiben: als Schriftsteller profitiere ich von der Möglichkeit des Tippens und meine Handklaue war auch damals, als noc nicht getippt wurde, kaum leserlich.Dass getippte Liebes- aber auch Leserbrife doof sind ist aber unbestreitbar. Wir regen uns zurecht alle auf was so in Foren abgeht etc. Man stelle sich vor man müsste alles was man kommentieren will erst via Hand schreiben, dann breifmarke auf ne Postkarte – und dann warten. Und dann: man stelle sich vor, es wird gedruckt in der Zeitung!!! Alles entwertet heute. Ich schließe mich da aber ein, bin da selbst zerrissen, gebe ich zu.Anti-Haltung funzt halt auch nicht, leider.

  3. Sabrina
    29. Juli 2016

    Hallo David,
    wir verschwinden nicht nur durch die Digitalisierung, Globalisierung oder der Social Media, die uns unsozial werden lassen. Viele Menschen sind langweilig geworden, können nichts mehr mit sich selbst anfangen, suchen die Anerkennung und Kraft in der äußeren Welt. Sie brauchen Ratgeber, um zu wissen, wie man lebt. Brauchen Fremderfahrungen durch Literatur und Medien, um sich lebendig zu fühlen. Durch die Schnelllebigkeit haben wir keine Zeit mehr, brauchen im Sekundentakt unsere Kicks. Die Familie wird auf ihren Zweck reduziert, Kranke sind Nummern im System… Es gibt so vieles was man dazu schreiben könnte. Aber man kann auch als Autor nur ein Bruchteil an die Oberfläche bringen, wie bei einem Eisberg. Das Wesentliche bleibt verborgen.
    Liebe Grüße
    Sabrina

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. August 2016 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , .
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