David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Der überflüssige Mensch.

2015-04-01 - Geschmacksverstärker im Zebrano-Theater (Andreas A Wie gelähmt ist der aktuelle Mensch. Sprachlos. Schaut sich gleichsam selbst dabei zu wie er jene hofiert, die ihn eliminieren. Die ihn überflüssig machen. Und weil er gelähmt und sprachlos seinem eigenen Untergang zusieht, der aktuelle Mensch, weil er nicht mehr weiß, wo er noch ansetzen, wo noch anpacken kann, steht er diesen von ihm selbst hochgezüchteten Amokläufern stumm und wehrlos gegenüber. Sieht sie auf sich zustürmen mit ihren Beilen und Macheten. Und lässt sich abschlachten. Schaut ihnen hinterher, betrachtet die Zerstörung, belauscht das Geschrei, reibt sich die Augen und hält sich die Ohren. Mimt den Verwunderten.

Entmündigt gehört der Mensch in seiner Fahrlässigkeit.

Gedrängt zu diesem kleinen Gedankengang wurde ich von: Ilija Trojanow – „Der überflüssige Mensch“. Essay zur Würde des Menschen im Spätkapitalismus. Erschienen im Residenz Verlag, 2015. Enorm empfehlenswert!

Zu den misanthropischen Überlegungs- und Überlebensromanen von David Wonschewski : HIER entlang.

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4 Kommentare zu “Der überflüssige Mensch.

  1. ralphbuttler
    1. August 2015

    Hat dies auf Blütensthaub rebloggt.

  2. Phil Eidos
    31. Juli 2015

    Ja richtig, mit dem „Hofieren“ war der Gedanke in der Tat untergebracht.

    Byung-Chul Han hat viele Essays geschrieben und das Thema des erschöpften, müden, depressiven Menschen als Konsequenz gegenwärtiger Entwicklungen taucht überall am Rande auf.

    Gelesen habe ich: „Müdigkeitsgesellschaft“

    http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/muedigkeitsgesellschaft.html

    Speziell auf den Kapitalismus mehr bezogen scheint vom Titel und Untertitel her sein Buch „Psychopolitik“, das kenne ich allerdings noch nicht.

    http://www.fischerverlage.de/buch/psychopolitik/9783100022035

    Er scheint mir ein Meister darin, die Auswirkungen der gegenwärtigen Entwicklungen unserer Zeit auf das Lebensgefühl des Einzelnen aufzuzeigen. Sehr zu empfehlen! Man muss seinen essayistischen Stil aber wohl mögen…

  3. davidwonschewski
    31. Juli 2015

    Besten Dank für den Kommentar! Absolut richtig, ich habe genau den Punkt ebenfalls versucht unterzubringen, wir züchten uns diejenigen, denen wir so gerne die Schuld in die Schuhe schieben, selbst hoch, hofieren sie. Im Grunde ist es bigott, diejenigen, die den Kopf schütteln über „das System“ – tragen es maßgeblich mit. Oh, den Tipp nehme ich gerne auf, falls es zu dem Herrn und zu seinen Essays einen Link-Tipp gibt, gerne her damit. Ansonsten schau ich einfach was die Suchmaschine so hergibt. Beste Grüße!

  4. Phil Eidos
    31. Juli 2015

    Danke für den Beitrag. Entscheidend bei dieser Wirtschaftsform ist doch aber, dass nicht andere uns ausbeuten, sondern wir uns selbst ausbeuten, um mitzumachen. Das geniale daran ist gerade die Selbstausbeutung, da der kaputte Mensch dann niemandem mehr als sich selbst die Schuld geben kann für sein scheitern auf dem Arbeitsmarkt… Ich empfehle die Essays von Byung-Chul Han 🙂

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Oktober 2016 von in Der schmerzverzerrte Theatraliker und getaggt mit , , , , , , .
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