David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Vierzig. Oder: Tod eines Jungschriftstellers.

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Bis 40, so sagte mir ein weiser Verlagsmann dereinst, gehe ein jeder literarisch veröffentlichender Mensch noch als „Jungschriftsteller“ durch. Nun: Seit gestern ist das für mich vorbei. Am 16. Februar nullte ich zum wiederholten Male. Was bemerkenswert ist für einen des Lebens seit jeher etwas müden Menschen wie mich. „Alt bist du geworden“, sagte mir dementsprechend manch sarkastisch gestimmter Freund dieser Tage, fies lächelnd. „Jo“, antwortete ich: „Alt bin ich geworden!“. Und ich sagte es frei von Ironie, angefüllt mit echtem, wahrem Stolz. Fügte hinzu: „Wer hätte das gedacht?“.

Offen gestanden: ich nicht. Zwar argwöhnte ich in meinem Roman „Schwarzer Frost“, dass ich einer jener Menschen bin, denen ein quälend langes Leben vorbestimmt sei. Wirklich daran geglaubt habe ich nicht. Zu anziehend sind seit jeher die Durchleuchtung und Zurschaustellung von Leid, Gram und Aussichtslosigkeit für mich. Richtiggehend „abgehen“ kann ich auf dunkle und düstere Gemütslagen. Für viele Menschen ein Widerspruch. Wer kann schon interessiert daran sein sich kopfüber in nocturne Befindlichkeitswelten zu stürzen? Ich gebe zu: lange Jahre habe auch ich keine rechte Antwort darauf gewusst. Nun, mit vierzig Jahren, liegt die Antwort darauf auf der Hand. Überleben ist keine Selbstverständlichkeit, ist es nie gewesen. Es ist ein Prozess, ein täglicher Kampf. Und Glück? Eine Form von mentalem Landgewinn. Das Leben ist ein Schachspiel mit dem Tod, es dauert quälend lange, gewinnen lässt es sich nicht, jedoch in die Länge ziehen. Wer dem Tod jedoch das ein oder andere Schnippchen schlagen will, muss sich ihm immer wieder stellen, ihm angriffslustig ins Auge schauen. Bereit sein ihn mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen. Frei nach dem Motto: So tot wie der Tod bin ich schon lange!

Bis Ende 30 habe ich noch gedacht meine Texte zeugten von einem Kampf, den ich mit mir selbst führe, stets an der Grenze zur Selbstzerstörung. Doch nun, wo ich kein Jungsschriftsteller mehr bin, macht sich die Erkenntnis breit: Ich kämpfe gar nicht gegen mich, habe es nie getan. Sondenr betreibe mentalen Land- und Zeitgewinn.

„Töten werde ich den Tod“, rufe ich aus, erfreue mich an der Widersinnigkeit meiner eigenen Worte. Und verspüre dennoch – nein, gerade deswegen! – die tiefe Lust, auch die fünfzig noch zu erreichen.

Ich danke für Auge, Ohr und Beistand!

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Wer am 3. März „für umme“ bei der Premiere meines ersten Hörbuchs dabei sein mag, schreibe mir doch eine kurze Privatnachricht über DIESES Kontaktformular. Nennt einfach euren Namen und mit wievielen Freunden ihr kommen wollt. Gerne reserviere ich manch gemütlich Sitzplätzlein für euch.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen, auf bald!

Wann: 03. März 2017, 20.00 Uhr

Wo: Periplaneta Literaturcafé, Bornholmer Str.81a, 10439 Berlin

 

 

 

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3 Kommentare zu “Vierzig. Oder: Tod eines Jungschriftstellers.

  1. Marcel Michaelsen
    17. Februar 2017

    Ich weiß zwar absolut nicht, was die Vorteile sind, wenn man ein „Jungschriftsteller“ ist, aber ich nehme das mal als Freifahrtsschein, noch einige Jahre geistigen Quark verzapfen zu dürfen, ohne dabei Gefahr zu laufen, ernst genommen zu werden. Und dann … schreib ich halt „Krieg und Frieden 2“.

    Dann auf die nächsten 10 Jahre.

  2. davidwonschewski
    17. Februar 2017

    Besten Dank – Empathie kommt immer gut ab einem gewissen Alter;-))

  3. nadusonne
    17. Februar 2017

    Ich fühle mit 😊.. schön geschrieben

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. März 2017 von in Nachrichten und getaggt mit , , .
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