David Wonschewski | Autor

Musikjournalist & Romancier

The Secret Of This Special Song. Heute: The Tokens – The Lion Sleeps Tonight (1961)

tokenslion

Am 18. Dezember 1961 erreicht der Song „The Lion Sleeps Tonight“ von den Tokens Platz 1 der US-Charts. Das bis heute vielfach gecoverte und immer wieder neu in den Hitparaden weltweit erfolgreiche Lied weist dabei eine ganz besondere Geschichte auf. Denn auch die Tokens waren nicht die ersten Musiker, die mit diesem Klassiker unterwegs waren…

Der Originaltitel des Songs ist „Mbube“, ein Begriff aus der Zulu-Sprache, der soviel wie „Löwe“ bedeutet. Bei der Hauptmelodie des Liedes handelt es sich dabei um einen traditionellen afrikanischen Song, den Stammeskrieger über Jahrhunderte bei der Jagd sangen. Der in Afrika überaus populäre Sänger Solomon Linda war es, der in der einprägsamen Melodie mitsamt seinem signifikant hohen Gesang ein gewisses Hitpotential ausmachte und es daher 1939 mit seiner Band, The Evening Birds, erstmalig aufnahm. Auch die Mitglieder dieser Band entstammten traditionellen afrikanischen Familien, die den Song noch aus eigener Jagderfahrung kannten. Die Version von Solomon Linda wurde zu einem großen Hit in weiten Teilen Afrikas, so dass seine südafrikanische Plattenfirma 1948 beschloss eine Kopie zu Decca Records in die USA zu senden, in der Hoffnung dort einen Partner für eine professionelle und weltweite Distribution zu finden. In den 50er Jahren war es Miriam Makeba („Pata Pata“), die eine neu instrumentierte Version in Zulu-Sprache aufnahm, während auch der Folk-Pionier Pete Seeger großen Gefallen an der Nummer fand und sich daran versuchte. Der Zulu-Sprache nicht so recht fähig sangen er und seine Band, The Weavers, einfach das, was sie herauszuhören meinten – und nannten ihr ansonsten quasi textloses Stück dann auch so: „Wimoweh“. In Wirklichkeit singen die Stammeskrieger „Uyimbube“, was bedeutet „du bist ein Löwe“. Ungeachtet dieser sprachlichen Verballhornung gelangten The Weavers 1952 jedoch bereits auf Platz 15 der amerikanischen Charts, was mit Sicherheit als Grundsteinlegung für den späteren Erfolg der Tokens erachtet werden darf.

Die vier Männer der Vokalgruppe The Tokens standen zu Beginn des Jahres 1961 noch ohne Plattenvertrag da. Beim Vorsingen vor einem Produzententeam versuchten sie ihr Glück mit „Wimoweh“. Mit Erfolg, Hugo und Luigi (ein in jenen Tagen durchaus erfolgreiches und hauptsächlich unter ihren Vornamen bekanntes Gespann) war begeistert. Fand jedoch, dass ein paar griffige und vor allem englische Lyrics dringend notwendig seien. So beauftragten sie den Songtexter George Weiss damit die passenden Worte zu dieser wunderbaren Melodie zu finden. Weiss erledigte, das kann heute fraglos konstatiert werden, seine Aufgabe mit Bravour, so dass am Ende jener Song stand, der heute als „The Lion Sleeps Tonight“ bekannt ist. Die Tokens selbst waren weniger angetan von dem Song und schämten sich dafür ein lächerliches Lied über einen schlafenden Löwen veröffentlichen zu müssen. Ihr Unbehagen war so groß, dass sie diese Veröffentlichung so gut bekämpften wie es ihnen als Musiker eben möglich war. Label, Produzenten und Band einigten sich schließlich darauf „The Lion Sleeps Tonight“ als B-Seite der Single „Tina“ herauszubringen. Doch alle Versuche der Tokens die Radio-DJs dazu zu bringen doch bitte die A-Seite zu spielen, so wie es sich gehört, scheiterten: Kaum hatten erste Radioleute die B-Seite entdeckt, hatte „Tina“ keinerlei Chance mehr und „The Lion Sleeps Tonight“ wurde zu einem unentrinnbaren Radio- und Charthit.

In späteren Jahren kam es zu erweiterten Rechtsstreitigkeiten, da eine afrikanische Interessenvertretung mehrerer Stämme ihr traditionelles Eigentum bestätigt haben wollte – sprich: wenigstens eine kleine Beteiligung an den unfassbaren Geldern erhalten wollte, die ihr Lied über die Jahrzehnte eingespielt hat. Und in der Tat mutet es bis heute ein wenig seltsam an, dass sich eine kleine Schar Plattenleute unverschämt die Taschen vollsteckten (und noch immer stecken) und auch die Erben des Songtexters George Weiss durch ihr Erbe niemals werden arbeiten zu müssen – während die wirklichen Erschaffer des schlafenden Löwen in Afrika in tiefstem Elend sitzen und kaum wissen wie sie durch den Tag kommen. Solomon Linda selbst starb vollkommen verarmt, erst seinen drei Töchtern ist es seit 1999 vergönnt umfangreich an den noch immer heftig sprudenlnden Einnahmen beteiligt zu werden.

Randnotiz: Die heute vielfach in deutschen Radios gespielte Version des Songs stammt von der Gruppe Tight Fit und war 1982 ein Nummer 1-Erfolg in England. Gerade diese Version wird bevorzugt gewählt, da sie – natürlich – wesentlich moderner produziert ist als der Welterfolg der Tokens aus den frühen 60er Jahren und sich somit besser in den durchgestylten Klangteppich deutscher Radiosender einfügt. Interessant ist dabei, dass es sich bei Tight Fit um eine Band handelte, deren Talent allenfalls optischer Natur war. Singen konnte keiner von ihnen, so dass ein Gastsänger die Vocals übernahm, ohne jedoch selbst bildlich auftauchen zu dürfen. Ein, wie wir inzwischen wissen, nicht gerade einzigartiges Experiment…

Ein Musikjournalist tobt sich aus – „Schwarzer Frost“, der bitterböse Debütroman von David Wonschewski.  Mehr Informationen zu diesem Buch entnehmen Sie bitte den Seiten dieses schattigen Blogs. Oder aber tummeln sich direkt HIER.

 

 

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3 Kommentare zu “The Secret Of This Special Song. Heute: The Tokens – The Lion Sleeps Tonight (1961)

  1. juppwink
    21. Dezember 2012

    Reblogged this on Der Jupp mag Musik. und kommentierte:
    Schau an…

  2. davidwonschewski
    18. Dezember 2012

    Kannste mal sehen – ich dachte immer deine Generation kennt das, weil N’Sync das ebenfalls nachgeträllert haben;-) Wie, woher ich das weiß?? Geht niemanden etwas an!!;-)

  3. owyanna
    18. Dezember 2012

    Weiß ja nicht ob ich da gleich für meine „ganze Generation“ (Jhg. ’85) sprechen darf, aber ich kannte das Stück ganz lange nur aus dem Disneyfilm „König der Löwen“, und war dann doch wie so oft erstaunt, als ich irgendwann begriff, dass dort ein bekannter Klassiker eingebaut wurde – was meines Wissens ja eher untypisch ist, für die Disney Buster. Nur mal so ein Gedanke am Rande 🙂

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