David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Ach du herein: Cliff Richard macht mich rund.

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Da wühlt man nostalgisch in seiner digitalen Fotokiste und findet diesen geschnappten Schuss von 2006. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wenn ich mir das Bild so ansehe – hätte ich tätowierte Unterarme, ich hätte auch als Fussballbundesligaspieler durchgehen können. Wobei die 2006 auch noch anders aussahen. Mit Stefan Kuntz-Schnurrbart und so.

Ach ne, auch nicht. Das waren die späten 80er, frühen 90er. Aber feine Überleitung. Denn neben mir sitzt Cliff Richard, der sich damals schon bemerkenswert gehalten hatte. Und heute mit Sicherheit wesentlich stolzer auf seine Bilder von gestern zurückschauen kann als ich. Für den Radiosender 104.6 RTL nach Amsterdam fahren und ihn interviewen durfte ich seinerzeit. Und wie ich fuhr. Und nahm mit: all die überkandidelte Arroganz eines Neuberliners. War mir ziemlich sicher, dass meine alternative Ader seine schnöselige Ader hervorbringen wird. Aber wie es so geht im Leben: als schnöselig und ungelenk entpuppte ich mich, als alternativ und locker er.

Was soll ich sagen: freundlich, charmant, geistreich und witzig hatte Cliff Richard auf jeder meiner (offen gesagt enorm dämlichen) Fragen eine einleuchtende Antwort. Ob das charakterlich nicht etwas daneben sei immer nur die Lieder anderer Leute nachzuträllern. Ob er nicht mal was anderes auf Lager hat als immer nur Liebesliedeinerlei. Und dass er genau genommen überhaupt kein internationaler Star sei, da ihn in den USA keine Sau kennt. Hachja, Geltungsdrang auf Rachefeldzug. Gegen wen, gegen was und warum? Man weiß es nicht.

Menschlich wurde ich heute, vor 10 Jahren, zum Cliff Richard-Fan. Abends gab es noch ein Konzert. Ich machte mich auf einen quälend langen Abend gefasst. Und obschon mir seine Musik nur bedingt zusagt, muss ich gestehen, dass ich dennoch sehr beeindruckt war und bestens unterhalten wurde.

Der schnelle, der spontane Erfolg, er hat nur bedingt mit Können zu tun. Auch Zufall, Fügung, Zeitgeist und Verwertbarkeit gehören dazu. Der langanhaltende künsterlische Erfolg aber, über viele Jahrzehnte andauernd: nein, kein Zufall.

Lesen Sie auch: David Wonschewski – „Schwarzer Frost“. Ein Musikjournalist dreht durch. Mehr Informationen zu diesem Buch finden Sie in den Rezensionen, Interviews und Leseproben auf dieser Website. Oder aber: HIER.

 

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Ein Kommentar zu “Ach du herein: Cliff Richard macht mich rund.

  1. Maccabros
    1. April 2016

    Immer wieder gern gehört, der Sir Cliff…

    LG

    Maccabros

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16. Juli 2017 von in Nachrichten und getaggt mit , , , , , , .
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