David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Soeben ausgelesen: Peter Handke – „In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“ (1997)

handunk

von David Wonschewski

Da erhält also einer den Literaturnobelpreis – und neben ein wenig Lob und Ehre erstmal ziemlich deutlich auf die Fresse. Weil wegen Verhältnis zu Serbien und Verhältnis zu Frauen. Und überhaupt zu verworren, zu querulant, schon immer, schon überall. Undwer dieser Handke überhaupt ist, also wirklich ist, tjaha, das scheint zudem auch keiner zu wissen, zu vielschichtig und zerfasert dessen Werk.

Und Handke selbst? Tut erstmal kund, dass er in bestem Trumpismus aktuell keinen Bock hat noch länger mit der voreingenommenen Presse zu palavern, kommt ja doch nur Dull bei raus. Hallelujah, angry old white man revisited. Ich gestehe: mich zieht sowas an. Obschon ich seit geschlagenen fünfzehn Jahren vorhabe Handke zu lesen und nie so recht dazu kam, nun also endlich ran an den vermeintlichen Widerling. Wahllos ins Regal des örtlichen Buchmarketenders gegriffen. Und “ „In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“ gezogen.

Gelesen und, ich sag es vorab, festgestellt, dass ich Handke nicht brauche. Und auch nicht will. Ja, natürlich habe ich zuletzt auch die paar würdigenden Artikel gelesen, die zu beschreiben versuchten, was offenbar kaum in Worte zu kleiden ist: was nämlich genau die Faszination an diesem Mann und seinen Texten ausmacht. Immer wieder las ich, dass Handke seine Prosa durch an Bad an Poesie zieht wie kein Zweiter, seine Literatur durchzogen ist mit mystischen Anspielungen auf allerhöchstem Sinnbildniveau. Das trifft auf diesen Roman aus dem Jahr 1997 mit Sicherheit zu. Holt mich aber dennoch nicht so richtig vom Hocker.

Im Mittelpunkt der fahrig-zähen Geschichte steht ein Apotheker aus einem österreichischen Kaff, dessen Sohn vor langer Zeit abgehauen ist und der mit seiner Frau in einem Zustand heiloser Entfremdung lebt. Er trifft zufällig auf einen ehemaligen Skistar und einen ehemals bekannten Dichter und gemeinsam zuckeln sie mit des Apothekers Auto nach…tja, da geht es schon los. Also sie fahren in Österreich los und gelangen dann über Boston und San Sebastian nach anderthab Tagen nach, ähm, Santa Fe. Hm. Dort will der Dichter die aus einer Liebschaft hervorgegangene Tochter suchen, zunächst trifft aber der Apotheker gerade dort auf seinen Sohn, der offenbar Teil einer karnevalesken Spielmannstruppe geworden ist. Achso, ja, auf der Reise nach Santa Fe treffen sie noch auf eine Witwe, die den netten Beinamen „die Siegerin“ trägt und die den Apotheker des Nachts in seinem Bett grün und blau prügelt. Nein, die beiden hatten nichts miteinander, die Witwe stand deswegen nachts plötzlich in seinem Zimmer, weil: man weiß es nicht. Später findet der Apotheker noch einen Drohbrief von ihr, eingenäht in seiner Anzugtasche und in Santa Fe steht sie ihm auch mehrmals direkt gegenüber, also so handbreit entfernt, von Angesicht zu Angesicht, starrend, nichts sagend. Hatte ich schon erwähnt, dass der Apotheker zwischendrin immer in mittelalterlichen Epen liest? Jaja, tut er. Und mit Pilzen hat er auch irgendwas am Laufen.

Also ich bin ja wahrlich ein Freund des Irren, es muss nicht immer alles logisch aufgebaut sein, Doppelbödigkeit, Paranoia und Wahnsinn dürfen sich sehr gerne die Klinke in die Hand geben. Filme von David Lnych beispielsweise packen mich genau deswegen immer, da rafft man auch wenig bis gar nichts, das Ergebnis aber fesselt. An Handke fesselt mich leider wenig, bestenfalls mit welcher Chuzep er seinen eigenen Stil-Stiefel durch den Matsch zieht, seine poetischen Talente immer wieder erbarmunglos auf brutale Inhalte zurasen lässt. Was mir “ „In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus“ sagen will, weiß ich dennoch nicht. Vielleicht das Männer beständig vom Weg abkommen, kopflos agieren und zunehmend den Zorn der Frauen zu spüren bekommen. 1997 wäre mir das vielleict noch neu gewesen, 2019 ist es aber natürlich ein alter Hut für mich.

Zugeklappt und weggelegt. Haken gesetzt in meiner meiner Lebensaktionsliste, Unterpunkt „unbedingt Handke lesen!“.

Ein Kulturjournalist tobt sich aus – „Schwarzer Frost“, der bitterböse Debütroman von David Wonschewski.  Mehr Informationen zu diesem Buch entnehmen Sie bitte den Seiten dieses schattigen Blogs. Oder aber tummeln sich direkt HIER.

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