David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – Misanthrop

Soeben ausgehört: Oasis – „Stop the Clocks“ (2006)

oaaase

von David Wonschewski

Na uff. Ein Fan greift bei seiner Oberband gekonnt ins Gülleloch. Denn: Wie jetzt? Eine Best Of? Von Oasis?2006?  Sollte es die nicht erst dann geben, wenn Ihre heilige Britpopigkeit das Zeitliche gesegnet hat? Taten Sie ja auch diverse Jahre später dann. aber musste man deswegen anno 2006 schon Stoßgebete aussenden?

Eventuell musste man als Fan genau das.  Vielleicht, so oberschlau in der Backschau, war „Stop the Clock“ das eigentliche Ende. Labels sind ja nun auch nicht nur doof, auch wenn wir sie alle gerne so hinstellen.

Fragen über Fragen und eine simple Antwort: Oasis schuldeten ihrem alten Label Sany BNG (Name von der Redaktion geändert) noch eine Platte. Die wollten aus absahntechnischen Gründen ein Best Of. Oasis hatten die Wahl: mit oder ohne eigene Zustimmung. Man (eigentlich nur Noel Gallagher) entschied sich für Letzteres und kompilierte aufs Geratewohl 18 Songs zusammen. Nicht für uns, nein, sondern für die Kids in 50 Jahren. Für die sei diese Platte gedacht. Sagt Noel. Und hat Recht.

In der Zukunft mag man sich freuen über diese günstige Gelegenheit, Oasis kompakt kennen lernen zu dürfen. Mit ein bisschen Glück könnte „Stop The Clocks“ sogar das rote/blaue Album der Beatles für eien neue Generation werden. Für Fans im Hier und Jetzt jedenfalls lohnt sich die Anschaffung nicht. Man hat eh alles zu Hause stehen. Überhaupt! 18 Songs. Pah! Mindestens doppelt so viele vermisst man schon beim reinen Tracklist-Überfliegen. Wo ist denn bitte sehr „Whatever“? Warum war „Little By Little“ nicht gut genug? Was ist mit „Shakermaker” oder „Bring It On Down”? Und „Roll With It” fehlt nicht wirklich? Oder doch? Tatsache! Ausgeklammert wie auch das komplette „Be Here Now“-Album, das gar nicht so schlecht sein kann wie sein Ruf. Genau genommen ist es sogar ziemlich gut. Aber das will ja eh keiner zugeben.

Nun ja, wenigstens „Slide Away“, seit Anfangstagen ein ewiger Fan-Favorit, hat es auf „Stop The Clocks“ geschafft. Gratulation! Aber eigentlich ist es Wurscht. Wer Oasis will, sollte um dieses lieblos zusammengestoppelte Song-Konglomerat einen Bogen machen. Selbst Noel Gallagher ist diese Werkschau – Zitat – „scheißegal“. Die regulären Alben der nach eigener Aussage „größten und besten Band der Welt“ kosten schon längst keine Welt mehr. Hier sollte man beherzt zugreifen, so denn daheim noch musikalische Schandlücken vorhanden sind. Alles andere ist eh Schmarr’n. Daran ändert auch die opulent ausgestattete Vinyl-Ausgabe nichts.

Ja, ich gebe es zu: als Oasis’ser weine ich mich nachts ab und an noch in den Schlaf, weil Noel und Liam nicht klarkamen, nicht noch 40 Jahre Jugendgefühl kredenzten. Zwar noch immer recht gute Musik machen, aber eben nix mehr is wie: früher. Zugleich weiß ich aber, dass das wohl so muss. Glaubste nich? Frag nach bei Lennon, John. Und sollte der nicht an sein Handy gehen, bei McCartney, Paul.

Die, die noch an ihr Handy gehen, sind im übrigen exakt die (inzwischen) Altrocker, über die wir uns lustig machen. Tote Hosen, Bon Jovi, wohl auch die Stones.

„Slide Away“ ist einer der Songs meines Lebens. Erklären kann ich das nicht. Eventuell weil er im Oasis Oeuvre unter egal läuft.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. Januar 2020 von in Anderer Geister Werk, Nachrichten, Soeben ausgehört und getaggt mit , , , , , , , .
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