David Wonschewski | Autor

Lied- & Literaturjournalist – Romancier – Bedenkenträger

Wenn Bret Easton Ellis was empfiehlt. Soeben ausgelesen: Paul Murray – „Skippy stirbt“ (2011)

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von David Wonschewski

Wenn der von mir hochgeschätzte Bret Easton Ellis in seinem Buch „Weiss“ dieses Buch empfiehlt – folge ich dem Ratschlag doch gerne. Zunächst einmal ein Lob für die tolle Aufmachung, sehr liebevoll gestaltet die drei Bücher im Schuber. Und fast etwas ironisch, erwecken die fast schon kindlich bunten Comiczeichnungen den Eindruck es hier mit einem Jugendbuch zu tun zu haben. Weit gefehlt, auch wenn der Stoff tatsächlich – Paul Murray nennt es im Text als Referenzen – wie eine Melange aus Harry Potter und dem Club der toten Dichter daherkommt. Eine elitäre Privatschule für Jungen in Irland, da ist der Coole Sprücheklopfer, da ist die Sportskanone, da ist der fette Schlaumeier, da ist der hochsensible Schweiger. Alle zwischen 13-15 Jahre alt und damit beschäftigt sich gegenseitig – sehr lustig – Sprüche zu drücken,über Sex zu sinnieren, den noch keiner gehabt hat, Lehrer an den Rande des Nervenzusammenbruchs zu reiben. Pubertierende Jungen eben.
„Skippy stirbt“, die Tragik steckt bereits im Titel, ist jedoch zu vielschichtig angelegt, um als harmlose Jugendklamotte durchzugehen. Da ist der junge Geschichtslehrer, der sich selbst als gescheitert und orientierungslos empfindet, angesichts der Vorbestimmung der elitären Knaben zwischen Melancholie und Depression pendelt. Da ist Carl, dessen Elternhaus zwar gut begütert ist, ansonsten aber zerrüttet und der die seelische Verderbtheit seiner Eltern nur mit Gewalt und Drogen parieren kann. Und in seiner Schroffheit ausgerechnet das Interesse des hübschesten Mädchens der Gegend weckt, die ihrerseits aus bestem und liebendem Elternhaus kommt, schon in diesem jungen Alter von Modelagenturen und TV-Castingagenten belagert wird, der Stolz ihrer eigenen Schule, ihrer Familie, ihrer sie nacheifernden Freundinnen ist. Und die letztlich trotzdem – oder gerade deswegen – zu Carl, zu Drogen, in die Bulimie und zu selbstzerstörerischen Tendenzen findet. Und da ist auch der katholische Pater, der sein sexuelles Interesse an Jungen seit jeher unter Verschluss hält, es unter klerikaler Strenge und selbstkasteiendem Moralismus verbuddelt hat, es zu keiner Entgeisung kommen lässt. Und ironischer Weise im Laufe der Erzählung dennoch zum Opfer übler Verdächtigungen wird, gerichtet wird ohne eine Tat begangen zu haben.
„Skippy stirbt“ liest sich wunderbar leicht und ist nicht weniger als ein „Pageturner“. Sollte aber definitiv erst Lesern ab 18 aufwärts verabreicht werden.

Ein Kommentar zu “Wenn Bret Easton Ellis was empfiehlt. Soeben ausgelesen: Paul Murray – „Skippy stirbt“ (2011)

  1. Klausbernd
    23. Februar 2020

    Lieber David,
    wir haben keines der beiden Bücher gelesen. Nach deiner Rezension haben wir jedoch die Vermutung, dass das im Grunde Jugendliteratur am Rande des Klischees ist. Speziell bei „Skippy stirbt“ finden wir die Elemente, die wir alle aus den Medien zur Genüge kennen – oder?
    Mit herzlichen Grüßen von der heute windigen Küste
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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