David Wonschewski | Autor

Lied- & Literaturjournalist – Romancier – Bedenkenträger

Ace of Base, Led Zeppelin, My Bloody Valentine. 31. Oktober, da war doch was. Der Pop-Kalender.

Die heutige Einstiegsmeldung ist zwar dünn wie Esspapier, aber was willste machen. Denn, frei nach Andi Brehme, ist es ja so: Haste 90er am Schuh, haste 90er am Schuh. Ja, ich bin ein Kind der 90er, ausgesucht habe ich mir das nicht, aber davor weglaufen ging halt auch schlecht. Und so hat sich mir wenig so arg unter der Schädeldecke eingebrannt wie Malin Berggren im Ringelpulli mit dauererhobenene Händen, mir irgendwas von Zeichen vorplärrend, die sie sonstwo gesehen hat. Meine Schwester hatte damals die Maxi von „The Sign“, wobei ich nicht verschweigen möchte, dass meine Schwester unter Eid zu Protokoll gegeben hat, dass nicht sie, sondern ich die Maxi von „The Sign“ gehabt habe…wie dem auch sei, Ringelpulli-Sängerin Malin Berggren wird heute 50 und das freut mich wirklich aufrichtig. Schließlich gehöre ich zu den Leuten, die der fundierten Ansicht sind, dass die ganze Welt Schweden sein sollte. Wie mir überhaupt nu(hr) ein schwedischer Mensch einfällt, der mir wirklich auf den Senkel geht. Larry Mullen Jr. (U2) und Johnny Marr (The Smiths) geburtstagen heute. Adam Schlesinger, Moon Martin, Adam Horovitz und – für mich persönlich wichtig – Colm O’Ciosoig – ebenfalls. Aber die kennt mal wieder keiner und wenn die keiner kennt fühle ich mich wie damals als ich in der Mittelstufe eine Party veranstaltete und keiner kam. Kann ja nicht das Ziel dieses Eintrags sein. Hier die Band des Herrn, dessen Schaffen mir viel bedeutet, da sie zur Indiegeschichte gehört wie…ehm, freitags Schuleschwänzen zu Schweden.

Und sonst so am 31. Oktober? Ein Klavierspieler namens Johnnie Johnson heuert 1952 eine Flitzpiepe von Friseur an, damit der in seiner Band spielt, aushilfsweise. Der Blödmann kündigt aber gleich seinen Job, weil er meint er hätte es voll drauf und das sei ja nur der Anfang von was Großem. Na, das ist mir ein Pappkamerad. Heißt Chuck Berry und denkt die Welt hätte auf ihn gewartet.

Hat sie.

Oh, was für Experten: Eine unbekannte englische Band namens The Quarry Men benennt sich am 31. Oktober 1959 um in „Johnny and the Moondogs“. Wer mir jetzt mit umfallenden chinesischen Reissäcken kommt, kann sich gerne directelamente zu Lucy gesellen, die mit ihren Diamanten irgendwo im Himmel hockt.

Und dann was für Fussballfreunde. Ich bin zwar in erster Linie Fan von Gladbach und aus Familientradition aushilfsweise Schalke-Freund, aber sei es drum: Am 31. Oktober 1963 schißen Gary und seine Pacemakers auf Platz 1 der Charts mit „You’ll never walk alone“. Wo? Na, da wo der Song hingehört, wo er eine echte Heimat hat. Wo man ihn nicht aus gelb-bedeutet-neid-Einfallslosigkeit wegmoppst. UK. Eines der schönsten Lieder die ich kenne. Echt schade drum.

1964 landen die Supremes mit „Baby Love“ ihren zweiten Nummer 1 Hit. Mir ist es ja gelungen ein kleines Mädchen total für „Stop! In the Name of Love“ zu begeistern, was wichtig war, weil ich nicht begreifen will, dass kleine Mädchen ABBA sofort umarmen, sonst aber nichtsnichtsnichts, also „von früher“, mögen. „Baby Love“ findet sie öde.

1970 – ganz wichtig. Am 31. Oktober 1970 schafft das schwierige dritte Album von Led Zeppelin den Sprung auf Platz 1 der Albencharts. Schwierg war es, weil Led Zeppelin ihren harten, stilprägenden Sound größtenteils aufgaben und mehr gen Folk gingen. Die Kritiken waren vernichtend, die Fans hassten es. Für Platz 1 reichte es damals dennoch und heute ist man schlauer, klar. abwr damals war es heftig und ich stelle mir das oft bildlich vor wie Bob Dylan – den sie paar Jahre vorher hängen wollten, weil er Strom IN seine Musik liess – auf der Autobahn Led Zeppelin warnhupend entgegenkommt, da diese den Strom AUS ihrer Musik liessen. Wir erkennen ein Menschenmuster: Hauptsache es wird wer gehängt.

Last but not least 1986. Am 31. Oktober des Jahres zog Roger Waters vors allerhöchste Gericht. Um David Gilmour und Nick Mason zu verbieten den namen „Pink Floyd“ länger zu nutzen. Ich bin da im Übrigen ganz bei Herrn Waters.

Ein Kommentar zu “Ace of Base, Led Zeppelin, My Bloody Valentine. 31. Oktober, da war doch was. Der Pop-Kalender.

  1. Maccabros
    31. Oktober 2020

    Ich bin da weniger bei Herrn Waters, denn auch ohne ihn, gab es tolle PF Musik, wobei auch gewiss hier gilt : über Geschmack lässt sich immer noch trefflich streiten… 🎸

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 1. November 2020 von in Musikrezensionen, Nachrichten und getaggt mit , , , .
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