David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Elvis, Beatles, Nirvana, Flavor Flav. 01. November, da war doch was. Der Pop-Kalender.

In durchzechten Nächten zusammengegaunert von David Wonschewski

Ich hatte genau das richtige Alter. Und ich wuchs in einer westfälischen Kleinstadt auf, in der genau diese Art von Musik Anfang der 90er-Jahre als erstes anschlug. Und doch war ich einfach nicht dabei in der Hochezeit des Grunge, packte mich das alles nicht. Im Alter von 15 Jahren hörte ich Depeche Mode, das war mir textlich tief, labil und debil genug. Nirvana konnte ich nichts abgewinnen und ich gestehe, dass ich mich auch Jahre später noch immer bestenfalls positiv erwärmen kann für die Band, die da so brutal über meine Generation kam (anders kann man es wohl nicht formulieren). Und doch weiß ich das, was Kurt Cobain geleistet hat durchaus einzusortieren, ist ja auch nicht sonderlich schwierig. Allein das Foto dort oben, fast jeder Musikfan weiß intuitiv, wann das ist, wo das ist. Am 1. November 1994 wurde „Nirvana – MTV Unplugged in New York“ veröffentlicht. An dieser Stelle darf im Übrigen erwähnt werden warum freakiger Musikjournalismus stellenweise ärgerlichen Spaß macht, denn es gibt im Internet Quellen von hoher Reputation, die besagen, es sei das letzte Nirvana-Album, das noch zu Lebzeiten von Kurt Cobain veröffentlicht wurde (schwer möglich) und auch welche, die das VÖ-Datum auf den 31. Oktober legen (theoretisch denkbar). Gesichert ist immerhin das Wissen darum, dass Nirvana sich weigerten, dort ihre bekannten Songs zu spielen und sich auf akustische Coverversionen verlegten. Den Textfetzen „My girl, my girl“ trage ich dank Kurt Cobain meinen Lebtag mit mir herum. Wer das Original nicht kennt, keine Sorge, das kenne auch ich nicht, handelt es sich doch um einen Folksong aus den 1870er-Jahren, bei dem es noch losging mit „Black girl, black girl“. Nirvana orientierten sich allerdings an der Version hier:

Und sonst so am 1. November? In der intensiv nachgezeichneten Vita von Elvis Presley findet sich die hübsche Info, dass sich der Hüftschwinger an jenem Tag des Jahres 1956 eine Harley Davidson zulegte, sich die Schauspielerin Natalie Wood schnappte und mit ihr den ganzen Tag durch Memphis schepperte. Keine Ahnung, was derlei Meldungen auf den Hacken haben, wesentlich gesicherter ist, dass der honorable Herr Motorraddüser 13 Jahre später seinen 18. Nummer 1-Hit in den USA verbuchte, mit seinem, wie ich subjektiv finde, zweitbesten Song überhaupt: „Suspicious Minds“.

Doch da bin ich bereits vorgesprungen auf der Zeitleiste. Am 1. November 1962 wird der Chili Pepper Anthony Kiedis geboren und mit ihm, wenn auch diverse tausend Kilometer entfernt, in Norwegen, der Maler, zuvorderst aber Keyboarder Mags Furuholmen von A-Ha.

Am 1. November 1968 veröffentlicht George Harrison als erster Beatle ein Soloalbum, den Soundtrack „Wonderwall“. Das kennen nur Beatles-Enthusiasten, aber das macht nichts, denn das Album, das Harrison exakt ein Jahr später, also am 1. November 1969 mit den Fab Four auf Platz 1 der US-Albencharts brachte, kennt dafür wieder jeder: „Abbey Road“. Ihr wisst schon, das war die Platte, die den „Paul is dead“-Mythos in die Welt setze, das angebliche vorzeitige Ableben von Paul McCartney. Gefördert wurde dieser Mythos von den bekanntlich nicht ganz humorfreien Beatles selbst: Auf dem Cover latscht Paul barfuß über den Zebrastreifen (ich glaube in irgendeiner indischen Kultur ein Brauch von Toten), begleitet vom Priester (John), dem Totengräber (Ringo) und dem Grabschänder (George). Dazu das Kennzeichen des Autos auf dem Bild (LMW281F – „Linda McCartney Weeps“) und ich bilde mir ein, in irgendeinem Song ruft John Lennon versteckt im Outro auch dauern, dass Paul gestorben ist. Oder so.

Am 1. November 1980 bringt Bruce Springsteen mit „The River“ sein erstes Album auf Platz 1. Und 1993 wird ein Mann namens Flavor Flav (Public Enemy; das war der, der sich als einer der Ersten eine komplett vergoldete Kauleiste einsetzen ließ und wohl einer der Letzten, die die ganze Zeit mit überdimensionaler Uhr um den Hals gehängt herumliefen) verknackt, weil er auf einen Typen schoß, der die gleiche Frau begehrte wie er selbst. Und wem das alles noch nicht wichtig genug war, okay, für den habe ich mir die wirklich wichtige Nachricht für den Schluss aufgehoben: Am 1. November 1997 schießt das gewollte Stück Plastik dort unten auf Platz 1 der UK-Charts. In Deutschland war es seinerzeit erst eine Woche später soweit, dafür dann aber pralle sechs Wochen lang.

Nun habe ich da oben zwar erwähnt, welches Stück ich für den zweitbesten Elvis-Song aller Zeiten halte, aber nicht hinzugefügt, welches Lied denn aus meiner verklärten Sicht das beste Lied von ihm ist. Ich sage nur so viel: Pet Shop Boys. Wer sich die Antwort nun selbst herleiten kann ist auf ewig mein Seelenbrüderschwesterlein.

Auf bald, es grüßt – David.

2 Kommentare zu “Elvis, Beatles, Nirvana, Flavor Flav. 01. November, da war doch was. Der Pop-Kalender.

  1. davidwonschewski
    1. November 2020

    „Blue Moon“ hat schon seinen Charme, abolut. Stimmt, die blaue und die gelbe GUns’n’Roses-Scheibe, beide gleichzeitig veröffentlich, was war das eine Sensation damals. Natürlich hatte ich auch beide und einige Stücke sind echt gut, „Civil War“ finde ich heute noch klasse. Waren allerdings auch die ersten CDs meiner langen Sammlerhistorie, die ich paar Jahre später dann weiterverkaufte, erinnere ich mich….und danke für den Heller-Tipp, mal sehen, ob ich den irgendwo zum lauschen erstöbert kriegt.

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  2. Bludgeon
    1. November 2020

    Yeahr, gerade wollt‘ ich fragen! Aber der Pet Shop Hinweis reicht. Danke. Ich verrat’s auch nicht. Andre Heller hat denselben Elvis Song deutsch gecovert.Applaus für den Geschmack euch beiden! Suspicious Minds wär auch bei mir in der Top 5, vllt. sogar Platz 2
    Platz 1 ist schwierig und schwankt ein bissl saisonal (oder auch in größeren Zeitabständen), aber ein Song kehrt immer wiedermal an die Spitze zurück: „Blue Moon“, eine seiner ersten Schnulzen immerhin. Aber eben richtig gekonnt!

    In puncto Grunge erging es mir ähnlich: Zu schnell zu massenkompatibel geworden – ich ließ ihn aus. Auch kam mir Kurtilein nichtgerade besonders helle vor, aber ich war ja schon steinalt damals. Mitte 30! Na gut Axl Rose war/ist definitiv bekloppter – der Guns and Roses Hype zur selben Zeit hat mich ziemlich herumgeschleudert, weil ich die alle für Ober-Assi hielt, aber ein paar Songs (leider) sehr mochte. Das war schon hart! Aber ich war es auch und habe beinhart dem Kaufzwang in Sachen „Use your illusions“ widerstanden!

    Muss das de Welt jetze wissen? Nö. Aber ich schicks trotzdem ab.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. November 2020 von in Musikrezensionen, Nachrichten und getaggt mit , , , , , , .
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