David Wonschewski | Autor

Lied- & Literaturjournalist – Romancier – Bedenkenträger

Schöne Haare, Tele 5 und schon wieder, ehm, HipHop. 03. November, da war doch was. Der Pop-Kalender.

mit schlammverschmierten Patschehänden aus dunklen Kanälen gezogen von David Wonschewski

Verdammt, mich zu entscheiden, was für den 3. November die Topmeldung wird, das war verdammt hart. Rein subjektiv ist für mich die Eheschließung – a marriage made in folk heaven – von Carly Simon und James Taylor am 03. November 1972 am wichtigsten. Da die sich aber zehn Jahre später schon wieder haben scheiden lassen, habe ich mich entschieden, das gar nicht zu erwähnen. Einfach komplett unter den Tisch fallen zu lassen hier. Und stattdessen mit einer wirklich wichtigen Nachricht mitsamt Tür ins Haus zu donnern: Jon Bon Jovi hat eine neue Frisur! Und zwar nicht mehr die vom Foto… Das Lustige an dieser doch eigentlich arg beliebigen Meldung ist, dass fast jeder Musikfreund damit das Jahr 1992 verbindet. Und wer, was Jahreszahlen betrifft, nicht so sattelfest ist, hat zumindest und zumeist bei den Stichworten „Bon Jovi“ und „neue Frisur“ sofort die ersten paar Worte von „Keep The Faith“ im Ohr: Mother mother tell your children…. Genau, das gleichnamige Album wurde am 03. November 1992 veröffentlicht. Ich fand Bon Jovi ja bis 2008 in etwa so relevant wie Heuschnupfen, das änderte sich erst, als ich die Gelegenheit bekam, sie live zu sehen. Und im Gegensatz zu den vielen Kindern und Pubertierenden in den Reihen vor mir kein Stück angetan war. Seitdem klafft unter „Hairspray“ eine fette Lücke in meinem persönlichen Kosmetikregal. Der Fairness halber will ich aber hinzufügen, dass ich generell nicht glücklich bin, wenn ich erfolgreiche Musiker nicht einmal täglich selbstgerecht dissen kann.

Ich habe aber selbstverständlich auch noch was dabei für Leute, die eher so auf Musik stehen: Am 03. November 1957 veröffentliche Sun records „Great Balls Of Fire“ von Jerry Lee Lewis. Das Teil hat sich weltweit über fünf Millionen Mal verkauft und Experten raunen hinter vorgehaltener Hand, dass man nun nicht behaupten kann, dieser Erfolg habe so gar nichts mit der Frisur zu tun…

Am 03. November 1958 nimmt Elvis Presley an seinen ersten militärischen Manövern teil. Und zwar mit dem 32. US-Panzerregiment, an der deutsch-tschechischen Grenze. Zwei Jahre später, 03. November 1960, hat er, waren halt fixe Zeiten damals, mit „It’s Now Or Never“ bereits seinen fünften Nummer 1 Hit, allerdings seinen ersten nach seiner Zeit beim Militär. Ist euch schon aufgefallen, dass „It’s Now Or Never“ einfach nur ein derber Klau des Italo-Klassikers „O sole mio“ ist? Ich lese das gerade zum ersten Mal und schäme mich, dass mir das Offensichtliche mal wieder nicht schon früher auffallen wollte.

Am 03. November 1964 fällt ein Fan während eines Rolling Stones Konzerts in Cleveland von einem Balkon, woraufhin der Bürgermeister von Ohio – offenbar ein Mann der Tat – beschließt, nie wieder ein Pop- oder Rockkonzert in seiner Stadt ausrichten zu lassen. Zitat: „Solche Bands haben nichts mit Kultur oder Unterhaltung zu schaffen.“. Der Bürgermesiter ward im Übrigen nicht mehr lange zu sehen, die Rolling Stones hingegen, nun: Wurden die Rolling Stones. Womit ich auch den adäquaten Bogen zu Elton John geschlagen habe, der am 03. November 1977 während eines Konzerts in London erklärt, von nun an nicht mehr live aufzutreten. Nunja.Wir Menschen quatschen halt viel, wenn der Tag lang ist.

Ein für Leute meiner Generation durchaus wichtiges One Hit Wonder schafft am 03. November 1979 den Sprung an die Spitze der US-Charts: M mit „Pop Muzik“. Wem das jetzt nichts sagt, macht nichts, so wichtig ist das Stück nicht. Wem darüber hinaus auch Tele 5 und Jochen Bendel und „Dr.Ben“ nichts mehr sagen, auch das macht nichts, tut nur mir weh. War halt meine Jugend. Und „Pop Muzik“ der Einstiegssong in die Sendung „P.O.P.“

Unglaubliche 25 Jahre, nachdem sie ihr Lied herausgebracht haben, gelangen die Righteous Brothers am 03. November 1990 mit ihrem „Unchained Melody“ endlich auf Platz 1 der britischen Charts. Im Jahr des Entstehens, 1965, hatte es nur zu Rang 4 gereicht. Wer nun zu jung ist, um zu verstehen, wie es dazu kam, dass die Nummer so viele Jahre später noch einmal so erfolgreich war, für den habe ich einen guten Tipp: Geht mal in eure Videothek und fragt nach den VHS-Kassetten mit Patrick Swayze. Ja was?!

Der 03. November 1990 markiert auch eine kurze Phase meines Lebens, in der ich endcoolen Hip Hop hörte und in meinem Zimmer turbostarke (turbo-was??) Dancemoves einstudierte. Das weiße Mittelschichtjüngelchen Robert Matthew Van Winkle brachte seinen Song „Ice Ice Baby“ als ersten Rapsong auf Platz 1 der US-Charts. ich weiß noch, dass, wie das so ist, keiner den Mann für voll nahm, falsche Hautfarbem falsche Herkunft. Das ein weißer Mann höchst erfolgreich hippedihoppen kann wurde dann ja erst einige Jahre später von einem Vanilla Ice-Nachfolger enorm erfolgreich untermauert. Yo V.I.P…..let’s kick it!

Abschließend möchte ich noch darauf nhinweisen, dass am 03. November 1993 der russische Erfinder Leon Theremin starb. Ich durfte als Lesender mal ein einer Veranstaltung teilnehmen, wo jemand das gleichnamige Instrument spielte, den gleichnamigen Apparat bediente. So extraterrestrisch wie an jenem Abend habe ich mich nie wieder gefühlt.

Wir lesen uns die Tage wieder, es grüßet

David Wonschewski

3 Kommentare zu “Schöne Haare, Tele 5 und schon wieder, ehm, HipHop. 03. November, da war doch was. Der Pop-Kalender.

  1. Bludgeon
    3. November 2020

    Ja genau. Das war damals ne Art Familienritual: Erst auf ARD „Der Junge und das Reh“(The yearling) zu gucken und danach „Ruck Zuck“, natürlich nicht täglich, aber in guten Wochen schafften wir 4 von 5 Werktage 🙂 ; unser Sohn war damals roundabout the Einschulung; junge Familie und so…

  2. davidwonschewski
    3. November 2020

    Ruck Zuck hieß das!;-) Verbinde ich zwar zuvorderst mit Werner Schulze-Erdel (der später dann „Familienduell“ machte), aber ja, Bendel hat das danach gemacht;-)

  3. Bludgeon
    3. November 2020

    Wie hieß nochmal die Sendung auf Tele 5 mit Bendel als Quizmaster, die so ähnlich wie TABU ging, wo sich 4 Leute hintereinander auf die Schulter kloppen und dann Begriffe erklären mussten?

    Den ICE ICE Typen hat Rod Stewart genial veräppelt in seinem Video zu „the motown song“ – das waren geile MTV Zeiten! Olle Rod hatte damals sein 57.Come back mit der fantastischen „Vagabond heart“ CD! The rhythm of my heart is beat’n like a drum …..ahhhhh, ich heb schon wieder ab!

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 8. November 2020 von in Musikrezensionen, Nachrichten und getaggt mit , , , , , , , , , .
%d Bloggern gefällt das: