David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Belarussische Belanglosigkeiten in Feminismusverkleidung. Soeben ausgelesen: Volha Hapeyeva – „Camel Travel“ (2021)

von David Wonschewski

Vorabfazit: 1 von 5 Sterne

Nein, ich mag es nicht, Verrisse zu verfassen. Echt nicht. Deswegen stelle ich jedem von mir als „1 Sterne“-Buch abqualifizierten Werk auch eine generelle Bemerkung voran: Wenn ein Buch bei mir bei einem kümmerlichen Stern endet, dann ist das mitunter besser als zwei oder drei Sterne. Weil hier die Wahrscheinlichkeit eines kolossalen Missverständnisses besteht, ich einfach nullkommanull Zielgruppe bin. Und das, von dem ich denke, dass es mir vorab versprochen, dann aber nicht eingehalten wurde, mir eben kein Stück versprochen wurde. Ich mir das irgendwie selbst erhirnt habe, mir meine Enttäuschung also, vielleicht, selbst zuzuschreiben habe.

Zu „Camel Travel“ gegriffen habe ich, weil ich mich seit jeher brennend für modernere osteuropäische und russische Literatur interessiere. Ich gehöre einer Generation an, die sich noch an das Leben vor dem Fall des Eisernen Vorhangs erinnern kann und wenn ich mit Gleichaltrigen spreche, die in der DDR aufgewachsen sind, ist der historische, aber auch menschliche Erkenntnisgewinn bis heute enorm. Das Gleiche geschieht mir oft, wenn ich Bücher von zeitgenössischen Autoren aus Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien lese. Die kommunistische Vergangenheit, die Hoffnungen, die mit der politischen Öffnung einhergingen, Enttäuschungen, dann das spätere Erstarken konservativer oder gar radikaler Kräfte. Und mittendrin das Einende, das Gemeinsame, das Band, das West und Ost verbindet. Aus Belarus habe ich bisher noch nichts gelesen, gerade mit Blick auf die aktuelle politische Lage dort war ich jedoch sofort von dem, was mir „Camel Travel“ verspricht, angefixt. Eine junge Frau, Volha Hapeyeva, erzählt von ihrer Kindheit im Minsk der 80er- und 90er-Jahre. Und von ihrem Werden zu – steht so im Einband – „einer kritischen feministisch-politischen Frau im heutigen Belarus“ Also, für mich klang das nicht nur nach einer Geschichte mit gehörig Wumms, nein, es klang sogar nach einer Geschichte mit verdammt berechtigtem Wumms. Der Art von Wumms, der die Menschen noch immer permanent auf die Straßen treibt, um mutig gegen Lukaschenko zu demonstrieren. Gut möglich, dass ich die belarussische Seele einfach nicht verstehe, dass ein Experte lokaler Befindlichkeiten ganz ergriffen sein wird von Hapeyevas Kindheits- und Jugendschilderungen. Mir gelingt das nicht, ich lese nur eine einzige große Behaglichkeit. Ein Leben, das zu 90 Prozent auch das frühe Leben einer jeden Martina aus Krefeld oder Inga aus Göteborg darstellt. Mit dem einzigen Unterschied, dass die nie auf die Idee kämen, sich hernach selbst als „kritisch“ oder gar „rebellisch“ zu glorifizieren. Wohl auch nie auf die Idee kämen, ein Buch darüber zu schreiben. Aus dem simplen Grunde, dass nichts passiert ist, was einer Allgemeinheit erzählt werden müsste.

In 20 kurzen Kapiteln erinnert sich die 1982 geborene Hapeyeva in diesem schmalen Bändchen also an ihre frühen Jahre. Über den Kommunismus erfahren wir, dass Kinder dort dauernd über „Lenin“ stolperten, sie früh auf besondere Talente gedrillt wurden (Gymnastik, Klavier) und dass viele Produkte dort kaum zu bekommen waren, sich die Menschen ergo selbst helfen mussten. Ende. Über das Verhältnis von Belarus zu Russland erfahren wir, dass das sprachlich mitunter verwirrend sein konnte. Wieder Ende. Über die Zeit nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems erfahren wir nichts. Wer meine Zeilen nun für eine Zusammenfassung längerer Schilderungen und tieferer Einblicke hält, irrt. Im Osten nicht nur nichts Neues, im Osten nichts. Genau genommen nicht einmal Osten, im Osten.

Aber wie war sie nun, die belarussische frühe Jugend? Nun, die kleine Volha wünschte sich Hund oder Katze, bekam aber einen Hamster. Die Kinder spielten auf den Straßen Volleyball und tauschten auf dem Schulhof gesammeltes dieses und jenes, warfen sich gegenseitig Schmähkanonaden vor den Kopf („Geizkragen, Schweinemagen!“). Sie fuhr manchmal zur Oma, im Winter ging sie Schlittschuhlaufen. Wenn die kleine Volha baden ging, war das Wasser manchmal richtig heiß. Wenn sie da dann wieder ausstieg, war die Haut etwas rot. Sprach ich von einer „Martina aus Krefeld“? Gar nicht nötig, abgesehen vom Schlittschuhlaufen ist das auch exakt mein Leben. Es gibt Autoren, die haben das Talent, belanglose Alltäglichkeiten ihrer Kindheit so zu erzählen, dass einem ganz nostalgisch das Herz aufgeht, weil man das selbst alles kennt. Liegt es an Hapeyeva, liegt es an der Übersetzung, dass das hier keinerlei Charme hat, sogar dermaßen kühl runtererzählt wird, dass man in jedem Kapitel auf immerhin eine Pointe wartet, aber auch die durchweg ausbleibt? Man – ich – warte auf den Knall, das dicke Ding, das Ober-Ei. Die große Ungerechtigkeit, das fiese System, die miese Frühprägung. Kommt aber nichts. Und schrammt damit haarscharf an Neo-Biedermeier vorbei. Wenn man sich betrachtet, was für Kinderschicksale es global so gibt, dann gesellt sich Hapeyeva definitiv in den Teil der Menschheit, zu dem auch ich gehöre. Den, der gar nicht rafft, wie gut er es gehabt hat. Privilegiert sind halt immer nur die anderen.

Das Tragische: Biedermeier wäre noch okay gewesen, das grausam eintönige Leben im nirgendwo, es gibt unfassbar emotionsgeladene Bücher und Filme dazu, Stoffe, wo das große PENG die ganze Zeit bedrohlich in der eindimensionalen Landluft liegt. Hier liegt nur Behaglichkeit in der Luft. Die dadurch leider an Komik gewinnt, dass Hapeyeva wie mit der Brechstange versucht zu beweisen, wie außergewöhnlich rebellisch sie in diesem „System“, in dieser „Gesellschaft“ (die/das sie nicht näher schildert) werden musste. Ihr Rebellentum entdeckte sie, als eine Lehrerin Comics von Mitschülern zerriss, die diese unerlaubterweise im Unterricht gelesen hatten. Sie, Volha, stieg später, als keiner mehr da war, in die Mülltonne, holte die Comics da raus und dieselte sich zu Hause mit Parfum voll, damit die Eltern nichts merken. Ende. Nun wäre das tatsächlich ein guter, rebellischer Startpunkt, einer, an den sich ein späterer Bombenleger immer wieder zurückerinnert. Nur, dass Hapeyeva dem nichts folgen lässt, auch nichts andeutet, was auf ein späteres wildes Leben als Erwachsene schließen lässt. Sie sagt mehrfach, dass sie total die Querulantin ist, ein ziemlicher Outlaw. Ob das aber mehr als eine selbstheroisierende Eigenmeinung ist, wir erfahren es nicht. Wir haben nur die Sache mit der Tonne. So mir nicht jemand bestätigt, dass Belarus quasi wie Iran ist, ein Mädchen in der Tonne mit Comics bei Entdeckung bis weit in die 90er-Jahre gesteinigt wurde, ist das leider ziemlich lütt. Für ein Buch im Generellen, für eine Oberrebellin im Speziellen. Zumal drumherum ja all diese Biedermeier-Eskapaden stehen. Wie schön das war, dass Mama ihr morgens immer die Zöpfe flocht (kein doppelter Boden, keine Ironie, keine Pointe). Erinnern sie sich noch an jene Frauen, die ein Shirt mit der Aufschrift „Zicke“ tragen mussten, da weder Verhalten noch Sprachaktivität ein solches Prädikat gerechtfertigt hätten, von selbst nie jemand auf die Idee gekommen wäre, sie so zu sehen? Bei Frauen war das gottlob nur eine kurze, charakterlich sehr entlarvende Modeerscheinung, bei Männern gibt es diesen Mist schon immer und für immer. Letztens erst wieder einen Typen mit Bud Spencer-Shirt gesehen. So wenig Angst vor Schlägerei hatte ich selten.

Nun gab ich mich bei „Camel Travel“ sehr früh der Erkenntnis hin, dass ich als Mann wohl einfach nicht der richtige Empfänger bin, Frauen (mit Wummms) das alles aber sehr mögen werden, sehr zu schätzen wissen. Aber auch daran habe ich meine Zweifel. Ich kenne Frauen, wenn die dir einen Schwank aus ihrer Jugend und ihrem Alltag erzählen, dann bist du als Mann aber ganz schnell still. Und hast auch kaum Gegenargumente, erstickst an jedem Versuch von aber. Lauter Ottessa Moshfeghs, kurz vor komplett berechtigtem und nachvollziehbaren Amoklauf. Schwer vorstellbar, dass die ohne Zornesausbruch durch das Buch kommen. Denn falls es so etwas wie eine „gute, berechtigte Sache“ gibt, so erweist Hapeyeva ihr den prototypischen Bärendienst. Denn sie bringt das bemerkenswerte Kunststück fertig, zwar ein komplettes Kapitel unter dem Titel „Geschenke des Patriarchats“ zu verfassen, dort auch schön oft das Wort „Patriarchat“ zu sagen, aber nicht einmal im Ansatz eine zumindest subjektive Definition des Begriffs aufzuführen. Doch nicht nur das: Das Thema „Patriarchat“ ist ja deshalb ein so dankbares und lohnenswertes Thema, weil man schnell an Patronen kommt, um hemmungslos loszuballern. Hapeyeva signalisiert zwar fortwährend „ey, ich bin so radikalisiert, total edgy, ich schieße!!“ bringt mich damit aber nur in die unangenehme Situation, mich wie der letzte Oberchauvi lässig zurückzulehnen, und mit Blick auf die leere Revolvertrommel grinsend zu sagen: „Ohne Patronen? Lovely, Baby. Ganz ganz lovely.“ Gerne konkretisiere ich das: Mag ja sein, dass ich bei dem Thema etwa gedankenlahm bin, aber bei Geschichten über das üble Patriarchat ist eine Zutat essenziell, ohne geht es nicht. Fiese Männer, je platter dargestellt und eindimensionaler skizziert, desto besser. Nun, in dem ganzen Buch taucht nicht eine wirklich negative Männerfigur auf. Wie überhaupt kaum Kerle drin sind. Was dafür drin ist: Lauter fiese Frauen. Die kalte Mutter, die traditionell-verbiesterte Oma, die drillenden Lehrerinnen. Sogar die zwei Momente, die Hapeyeva klarmachten, dass sie Teil des angeblich unterdrückten Geschlechts ist, sind eine rein weibliche Angelegenheit, keine böse Männerseele weit und breit. Muss man auch erstmal hinkriegen. Einmal die Mutter eines anderen Kindergartenkindes, die sie zurechtwies, weil sich die kleine Volha etwas arg rüpelig verhielt. Und als Teenie dann eine Frau, die, während Volha mit Freundin auf der Straße Volleyball spielte, ihr Fenster aufriss und sinngemäß brüllte: Nicht Ball spielen, heiraten! Das sind die Momente, die Hapeyeva zur Feministin werden liessen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde man kann alles sein was man möchte und das sogar ohne Grund. Wenn man aber ein Buch als Erklärbär aufzieht, der dann weder tanzt, schon gar nicht Klartext redet, ja nicht einmal aggressiv brummt, dann wird es nun einmal reichlich absurd. Okay, Volha ist ein Scheidungskind, Hass auf den Papa wäre ein Motiv. Aber auch dieser Möglichkeit zieht sie den Stecker. Kein Hass. Zusammengefasst ist die Autorin also eine Frau, die das Patriarchat nicht wegen männlicher, sondern wegen weiblicher Fiesheit abschaffen möchte. Ich lerne: Mit Männern hat das Patriarchat eher wenig zu tun, reines Frauending. Auch das ist mir neu. Okay, das sagt das Buch zwar nicht direkt, lässt durch seine zur Schau gestellte Aussageschwäche und Männer- sowie Schurkenaussparung aber eben auch keinen anderen Schluss zu. Hübsch. Und so praktisch. Für mich und meines Fiesesgleichen.

Ich kenne tatsächlich Denker (a.k.a. Denkende), die in dieserart Verdrehung (auch Frauenbösartigkeit dem Wort Patriarchat unterzupflügen) tatsächlich Logik sehen. Frei nach dem Motto: Ein Täter ist immer Täter, eine Täterin aber niemals Täterin, sondern Opfer eines Täters. Hinter jedem guten Mann steht eine noch bessere Frau, hinter jeder schlechten Frau ein noch schlechterer Mann. Flucht vor Eigenverantwortung also. Ist mir zu sehr Kindergarten, lasse ich mich nicht drauf ein. Zumal Hapeyeva den Freud in mir weckt. Denn was Hapeyeva Männern wirklich vorwirft, ist zu deutlich, um es zu ignorieren: Dass sie keiner vor all diesen Schreckschrauben ihres Lebens bewahrt hat.

Nein, ich glaube nicht, dass Feministinnen nur ordentlich durchge-xt werden wollen. Aber das hier ist zu sehr die Ärzte, um nicht darauf hinzuweisen. Ihre Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.

Ja, das fällt mit Sicherheit schon unter unzulässige Aneignung. Wenn ich glaube, einer Feministin ihren Job erklären zu müssen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich ihr die Patronen, mit denen sie mich problemlos erschießen könnte, selbst liefern muss. Darum sage ich ja, ich bin nicht Zielgruppe. Weder als Leser noch als Angeklagter.

Abschließend muss ich für die, die den Roman als „such die Patrone“-Herausforderung doch noch annehmen möchten, darauf verweisen, dass sich das Buch der quasi 40-jährigen allgemein liest wie aus der Feder einer 20-jährigen. Wussten Sie zum Beispiel, dass manche Erwachsene nie aufgehört haben, Kind zu sein? Und ihre eigenen Komplexe und Versäumnisse an Kindern auslassen? Das ist gleichermaßen korrekt wie bestürzend, weil das die tiefste philosophische Tiefe ist, die wir mit Hapeyeva erreichen. Sie uns das aber verkauft, als wäre es das sensationelle Ergebnis eines langen Gedankenexperiments unter, ehm, Außenseitern und Randständigen. Peinlich wird es immer dann, wenn sie dann offenbar selbst merkt, dass das so richtig „deep“ jetzt auch nicht ist. Und immer einen „ich habe übrigens auch studiert!“-Absatz folgen lässt. Wie bei der gerade genannten Erwachsenenplattheit, auf die sie direkt folgen lässt: „Viele Jahre später werde ich von Louis Althusser erfahren, der die Anrufung des Subjekts und die sogenannte Interpellation, bei der ein Individuum auf die Anrufung durch ideologische Institutionen wie Schule, Krankenhaus, Kindergarten etc. reagiert, treffend erklärt hat. Eben in dieser Anrufung konstituiere sich der Mensch als Subjekt innerhalb eines Staates oder einer Gesellschaft“. Uuuund cut!

Beim ersten Mal wundert man sich noch über diesen ungelenken Spreizschritt zwischen pubertär-juvenilem Tagebuchkitsch und Doktorarbeit, beim zweiten bis vierten Mal ist man immerhin sehr amüsiert. Beim fünften Mal legt man dann das Buch weg und ruft filmreif: „Oh mein Gott, ich weiß nicht, was es ist – aber es kommt direkt auf uns zu!!“

Ich will fair sein. Ich kann mich null in das Leben einer belarussischen Frau einfühlen. Das ist aber vielleicht auch gar nicht nötig, wäre auch wenig hilfreich. Vielleicht liegt meine Chance ja eher darin, Schnitt- und Bruchstellen aufzuzeigen. Wissen Sie, wie der Weg von Volha Hapeyeva als „Außenseiter und Randständige“ begann (off topic: häh, warum eigentlich nicht Außenseiterin?) Als ihr auffiel, dass sich die Erwachsenen von ihr als Jungpianistin immer die gleichen Gassenhauer wünschten, sie aber auch mal was anderes, was eher Unbeliebtes spielen wollte. Weil das auch schön ist. Schönheit viele Gesichter hat. Da also merkte sie, dass sie ein Leben lang eine unbequeme Widerstandskämpferin sein wird, die ein Leben lang radikale Ansichten haben, unangepasst sein wird. Joa. Hm. Als ich als Jugendlicher an diesem Punkt stand, marschierte ich in den nächsten Musikladen und holte mir meine erste Joy Division-CD. Dass mich das bereits zum randständigen Außenseiter gemacht hat, ist mir zwar neu, anderseits habe ich aber wenigstens irgendeine Aktivität gestartet, wenn auch eine laue. Hapeyeva – ich kann ja nur auf das Zurückgreifen, woran sie uns teilhaben lässt – ist immer noch mit Gassenhauer spielen und sich heimlich randständig fühlen beschäftigt.

Hapeyevas Topargument gegen das Patriarchat sollte nicht unterschlagen werden. Das Patriarchat lässt Frauen bis heute im Glauben, Schwangerschaft sei durchweg schön und null problematisch. Es ist, laut Hapeyeva, ein „Tabu“ darüber zu sprechen, dass Schwangerschaft auch echt schmerzhaft und nach der Geburt noch monatelang ultra-anstrengend ist. Tja, nun kenne ich den Aufklärungsstand der belarussischen Gesellschaft nicht. Mir als deutschem Mann aber ist das bewusst. Seit ich vier bin. Busen haben ist auch doof. Nicht, weil Männer da drauf glotzen – das tun sie zwar, sagt Hapeyeva aber auch wieder nichts von, ich muss das hier sagen, damit wenigstens irgendwas Handfestes gegen Kerle mal auf den Tisch kommt – nein, Busen haben ist einfach blöd, weil doof. Gleiches gilt für Menstruation, auch blöd. Setzt sie zwar auch wieder nicht in Zusammenhang mit Männern, kommt jedoch zu dem Schluss, dass es ohne Patriarchat leichter wäre. Begründung 1: Weil wegen. Begründung 2: Und überhaupt.

Da kriege sogar ich eine bessere Streitschrift gegen das Patriarchat hin. Dabei bin ich nicht einmal ein solch staatlich zertifizierter Diplomrebell. Wobei vielleicht genau das Problem ist, Hapeyeva wirkt wie eine Frau, die ein Ziel erreicht hat ohne zuvor den Weg dorthin gegangen zu sein. Aua schreien, bevor der Schmerz da ist.

Ich wünschte wirklich, ich würde etwas unterschlagen. Tue ich aber nicht, im Gegenteil. Ich hole sogar noch weit mehr aus ihrer fruchtlosen Suche nach patriarchalen Zusammenhängen und schlimmen Diskriminierungserfahrungen heraus als drin sind in dem Buch. Drin ist ein sicheres, gutes, privilegiertes Leben.

Ich halte Frauen für das wesentlich intelligentere, mitunter auch deutlich besser aufgestellte Geschlecht. Echt wahr. Deswegen ärgere ich mich ja so, wenn argumentativer Wohlstandsmurks aus der entsprechenden Ecke kommt, ehrliche und gute Ansätze durch Werke dieser Art konterkariert werden, wirkliches Leid in die Ecke gedrängt wird. Ich kann darum auch für nichts mehr garantieren, noch zwei so Bücher aus dem Griffel studierter Aktivistinnen und ich überlege mir das mit der weiblichen geistig-sittlichen Überlegenheit noch mal neu.

Lesen Sie auch auf diesen Seiten: „Tanz auf Buchrücken“, der zwar feministische, dennoch halbwegs geschlechtergerechte Genderaustauch. HIER.

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Ein Kommentar zu “Belarussische Belanglosigkeiten in Feminismusverkleidung. Soeben ausgelesen: Volha Hapeyeva – „Camel Travel“ (2021)

  1. Bludgeon
    20. Februar 2021

    Na, das solltest du aber dringend! Nicht umsonst werfen verheiratete Frauen ihren Männern vor, dass nichts los ist: Männer sind die Träger der Phantasie und der Action-Ideen. Frau merkt, dass NUR shoppen auf Dauer langweilig wird – und deshalb ist dann der Mann dran. Sie: Überrede mich zu irgendwas, worüber ich erst einschnappe – aber hinterher zugeben kann, dass es doch gefetzt hat!
    Und weil das anstrengt, ist ja unsere Lebenserwartung auch geringer.

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