David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Neue Männer braucht das Land. Soeben ausgelesen: Monika Maron – „Artur Lanz“ (2020)

von David Wonschewski

Vorabfazit: 5 von 5 Sternen

1995 war es. Ich war 18 Jahre alt. Und mir wurde endgültig klar, dass der Versuch, es Frauen recht zu machen, ein Irrweg ist, auf ewig scheitern wird.

Ja, genau, es geht um diesen ganzen Verhaltensquatsch zwischen Nettigkeit, Ritterlichkeit und Gentleman. Den auf Scheitern angelegten maskulinen Spreizschritt aus „mein Gott, wir leben doch nicht mehr in der Steinzeit“ und „wo sind nur all die echten Kerle hin?“ Der anständige Mann – Monika Maron nutzt in ihrem neuen Roman den hübschen Begriff „postheroisch“ – wird in der aktuellen Theorie hochgepriesen. Bleibt in der Praxis jedoch wenig gefragt, kaum geschätzt. Wie gerne würde ich den mir nachfolgenden Jungen Männern den altersweisen Lebenratschlag mit auf den Weg geben, der da heißt: Bleib‘ sauber. Kann ich aber nicht, es wäre eine Lüge. Bleib‘ schmutzig – das ist zwar nicht der beste, aber deutlich bessere Fingerzeig.

Ich wurde in einem der ersten (politisch) Grünen Kindergärten des Landes früherzogen, meine Mutter hatte seit jeher leichte feministische Tendenzen, meine Kindergärtnerinnen der frühen 80er-Jahre standen, was diese Thematik betrifft, voll drin. Inklusive Latzhose, Nickelbrille und raspelkurzen Haaren. Es klingt wie ein Klischee, doch irgendwo kommen Klischees bekanntlich her, zumeist aus der Realität. Meiner eigenen, zum Beispiel.

Natürlich war ich auch ganz ohne Ideologie und Erziehung, einfach nur aus mir selbst heraus ein scheuer Junge. Ich sprach nur, wenn nötig, spielte am liebsten allein. Zog mich in der Gruppe zurück, machte mich still und klein, favorisierte Unsichtbarkeit. Dazu aber gesellte sich eben diese damals noch seltene, mittlerweile durchaus übliche Form des Aufwachsens unter den Vorgaben und Denkweisen einer alternativ-feministischen Erziehung. Wer behauptet, dass diese Welt von Männern für Männer gemacht wird, war nie Kind. Zumindest nicht nach 1970.

Ich will es nicht schlimmer machen, als es war, es war schon okay. Und doch steht eines fest: Ich wurde ein zartbesaiteter, extrem rücksichtsvoller, stiller Junge. Und wünsche mir bis heute, jemand hätte mich in meinen frühen Jahren zumindest in Ansätzen davor bewahrt, mich auf eine etwas andere, eine rauhere Spur gelenkt. Denn wenn irgendwo Aggressionen auftauchten, nahm ich den Hinterausgang. Und wenn ich ungewollt in den Vordergrund einer Sache gezogen wurde, errötete ich, musste bei jedem dritten Satz schlucken, sehnte mich nach meinem angestammten Platz in der dritten Reihe. Wir ahnen, wohin das führte, in welchen Adjektiven ich als Teenager strandete: ganz lieb, ganz nett. Der Junge.

Dass man als netter Mann nichts erreicht, oh, das war mir natürlich schon vor 1995 aufgefallen. Die Mädchen sehen einen nicht, die Jungs nehmen einen nicht für voll. Und wenn es irgendwo was zu gewinnen, zu erstreiten gibt, kann man für gewöhnlich einpacken. Weil einem das komplette Rüstzeug fehlt. Es gibt mittlerweile, zuvorderst in sogenannten gutbürgerlichen Kreisen, zwei Männergenerationen, die mit dem Begriff „konfliktscheu“ noch viel zu positiv beschrieben sind. Woran das liegt, woher das kommt, das wissen wir. Monika Maron erklärt es uns in ihrem „Artur Lanz“ in zwei Sätzen: Wie moderne Israelis getrieben werden von dem Gedanken nie, nie, nie wieder Opfer zu sein, sehnen sich die Deutschen danach nie wieder Täter zu sein. Beide Seiten gehen dabei gleichermaßen über Schmerzgrenzen hinweg, überdrehen, wie wir der täglichen Presse entnehmen können.

Bis 1995 war ich noch der Auffassung, mit meiner Sanftheit und zum Prädikat erhobenen Harmlosigkeit auf dem richtigen Weg, vielen Altersgenossen voraus zu sein. Ich warte gewissermaßen, dass die Schulrüpel endlich erwachsen werden. Und die Mädchen endlich erkennen, was für eine Art Mann sie wirklich wollen. Tja, und dann kam er: Stanley Kowalski. Im Leistungskurs Englisch nahmen wir Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ durch, schauten uns danach die Verfilmung an. In der interpretiert Marlon Brando den Kowalski als, nun, echte Marlon Brando-Type. Ein ungehobelter, nicht gerade gebildeter, dafür muskelbepackter Choleriker, so richtig schön mit Hang zu Alkohol, häuslicher Gewalt und der brachialen Unlust, über Emotionen oder Probleme zu reden. Kurzum: Ein Vollhorst, die Art von Mann, die es auszurotten gilt. Dachte ich zumindest bis zu jenem Jahr 1995. Denn in den Wochen nach der Filmschau ging eine Reihe abiturreifer Mitschülerinnen dazu über einen Kowalski-Kult zu entwickeln. Mit dem hübschen Finale, dass sich einige für die Fotos im Abiturheft in selbst gemachten T-Shirts ablichten zu lassen: „We love Stanley Kowalski!!!“. Es war das erste Mal, dass mir die Idee kam, dass eventuell ich derjenige bin, der sich auf dem Irrweg befindet. Nicht die Rüpel, schon gar nicht die Mädchen. Mit der feministischen Girlie-Bewegung der 90er-Jahre verbinde ich meine Mitabiturientinnen, die stolz und frech kundtaten, was sie wollen: Männer, die noch Schwein sein können.

Ganz genau, die Prinzen mit ihrem etwas klamottigen Hit „Du musst ein Schwein sein“, auch aus jenem Jahr 1995, machten seinerzeit dann den Deckel drauf. Ich versuchte das Lied als ironischen Kommentar zu hören, als Übertreibung, doch es gelang mir nicht, ich hörte Realität. Von den Ärzten – „Männer sind Schweine“, 1998 – gar nicht zu reden. Ich habe zu oft miterleben dürfen, mit welcher Inbrunst und Freude gerade Frauen diesen Song mitsingen. Das hat mit einem musikalisch keck verpackten Opferhilferuf nichts mehr zu tun. Da wird eine untergehende Art gefeiert. Aber nicht ihres Untergangs wegen. Sondern für ihre Art zu sein.

Artur Lanz? Oh ja, der geht unter, wenn auch erst mit Anfang fünfzig. Den Namen hat ihm seine Mutter verpasst, in Anlehnung an die britischen, sehr ritterlichen Helden Artus und Lancelot. Für eine Frau ihrer Generation vielleicht noch naheliegend, erweist sich ein solcher Name einige Jahrzehnte später als fast schon verdächtig. Zumal er, Artur, einer der beiden Protagonisten des Romans, so gar nichts Heldenhaftes an sich hat. Denn Artur Lanz wächst in eine deutsche Gesellschaft hinein, in der die „nie wieder Täter“-Attitüde voll durchzuschlagen beginnt, urtypische Männlichkeit zunehmend weniger gefragt ist. Und er fährt durchaus gut mit seinem ausgewogenen Wesen, legt eine akademische Karriere als Physiker hin, Frau, Kinder, alles toll. Doch dann eine kleine Situation, die zu einer veritablen Midlife Crisis führt: Er geht mit seinem Hund spazieren, der sich plötzlich in eine lebensbedrohliche Lage tölpelt, aus der Artur ihn waghalsig errettet. Und Artur erkennt: Zum ersten Mal in seinem Leben fühlt er sich wie ein Held. Es folgt der tiefe Fall in die Depression, er erkennt, dass er sich sein ganzes Leben lang einem feministischen Verhaltensdiktat gebeugt hat, dass mit seinem wahren Ich nichts zu tun hat. Er möchte fliehen daraus, lieber derart spät als gar nicht mehr. Doch wird ihm schnell klar, dass ihm sämtliches Rüstzeug dazu fehlt, er gar keinen Begriff davon hat, was heldisch sein könnte. Und er in einer Gesellschaft lebt, die diesen Begriff auch längst auf die immer länger werdende Liste maskuliner Unbegriffe gesetzt hat. Der Held gilt anno 2020 längst als Schurke. Derweil sich diejenigen als Helden generieren, die inmitten der eigenen Bubble mit Anständigkeitsfloskeln um sich werfen, nichts wagen, letztlich sogar sich anbiedernde Kleingeister sind. Heldentum wird bestenfalls noch als Verniedlichung oder Verballhornung gestattet: „Helden des Alltags“ werden gefeiert – fast schon ein Oxymoron – Pizzalieferdienste packen sich das Wort in den Firmennamen.

Artur hat gestrichen die Nase voll. Zumal er erkennt, dass sein Anstand ihm keineswegs die Früchte eintrug, die er zu ernten glaubte. Sein bester Freund, der in der DDR aufgewachsene Physiker Gerald, redet sich gerne um Kopf und Kragen, legt es fast schon lustvoll auf Ärger an. 25 Jahre in einer Diktatur haben ihn gelehrt, wie wichtig es ist immer und überall seine Meinung zu sagen. Oder zu verposten, gerne auch auf Deutsch und Englisch, damit es jeder mitbekommt. Die Sache mit dem totalitären „Grünen Reich“, in das Deutschland gerade marschiert, zum Beispiel. Nicht ohne für einen Mann, dessen Institut im Bereich der Nachhaltigkeit forscht, von entsprechenden Fördertöpfen abhängig ist. Auch wenn Artur Geralds Verschwörungstheorien wenig abgewinnen kann, solche Eier hätte er auch gerne. Hat er aber nicht, wie die Geschichte mit seiner polnischen Praktikantin zeigt. Man ahnt es, es gab eine Affäre, die jedoch emotional so tief ging, dass der Begriff Liebe durchaus aus der Kiste gekramt werden darf. Doch die polnische Praktikantin musste zurück nach Polen und setzte Artur die Moralkeule auf die Brust: Deine Frau oder ich – entscheide dich, jetzt. Artur entschied sich gegen seine Emotionen und für Ritterlichkeit. Eine Ehefrau und Kinder lässt man nicht im Stich, es ist seine Pflicht für sie zu sorgen, für sie da zu sein. Ende gut, alles gut? Von wegen, seine Ehefrau hat natürlich spitz gekriegt, dass er fremdgeht. Das erhoffte zurück in die Beziehungsnormalität gibt es nicht mehr, sie lässt ihn täglich spüren, wie tief er in ihrer Achtung gesunken ist. Zu Beginn denkt Artur noch, dass sie nachvollziehbar verletzt ist. Bis ihm klar wird, dass es das nicht ist. Seine Ehefrau hält ihn für einen feigen Schlappschwanz. Wenn man schon qua Fremdgang die Ehe unumkehrbar schrottet, dann aber auf halbem Weg zaudert, zurückkehrt, tja, dann ist man ultimativ weit weg von einem Artus, einem Lancelot.

Findet auch Gerald. Der wäre mit der Polin gegangen. Wie auch Charlotte Winter, die zweite Protagonistin des Romans. Eine Rentnerin, zwanzig Jahre älter als Artur, lernt sie ihn zufällig in dieser Midlife Crisis kennen und beginnt sich für diesen so seltsam ohnmächtigen, wie entwaffnet durchs Leben schleichenden Mann zu interessieren. Diesen so gar nicht passenden Heldennamen. Und was eigentlich schief gelaufen ist bei den Kerlen der ihr nachfolgenden Generation. Mit ihrer besten Freundin, der resoluten, sehr hemdsärmeligen „Lady“, sitzt die Seniorin gerne und oft in einer Bar und denkt über das Leben nach, an dem es für alte Menschen keine konkrete Teilhabe mehr gibt, wo nur noch Beobachten möglich ist. Und sich kopfschüttelnd wundern. „Herrje, was ist nur mit den Männern los?“ fragt sie ihre Freundin. Die auch die passende Antwort parat hat: „Na ja – was ist nur mit den Frauen los?“.

Monika Maron gelingt mit „Artur Lanz“ eine unsagbar gelungene Bestandsaufnahme bundesdeutscher Befindlichkeiten des Jahres 2020, bei der es ihr gelingt, diverse an sich schwer unter einen Hut zu bringende Aspekte zu einem Ganzen zu vermengen. Nicht nur stellt sie sich die Frage, wie ehrlich es ist als typisch männlich konnotierte Eigenschaften neuerdings an den Pranger zu stellen, warum wir in diesen postheroischen Zeiten nur noch schauspielernde Heldendarsteller, für die Leinwand erschaffene Kunstprodukte ertragen, diese aber gleichwohl fordern. Jedoch abweisend reagieren, wenn jemand bereit ist aufzubegehren, gegen Wände zu laufen, sich gegen der Mehrheit zu stellen, koste es, was es wolle. Dafür braucht es nun einmal Testosteron, Wut, Kraft. Monika Maron schaut sich auch den akademischen Betrieb an, an dem sich seit einiger Zeit zuvorderst zeigt, wie unliebsame Stimmen ausgemerzt werden, wie ein kleiner Halbsatz neuerdings eine ganze Karriere ruinieren kann. Nicht zu vergessen all die Denunzianten, die tatsächlich glauben, es zeuge von Rückgrat beispielsweise die Institutsleitung darauf aufmerksam zu machen, dass der Angestellte Gerald einen Facebook-Post zum „Grünen Reich“ in die Welt gesetzt hat und unter dem Schutzmantel der Anonymität die Entfernung eines untragbaren Mitarbeiters zu fordern. Das ist nicht an den Haaren herbeigezogen, nicht nur die Kulturlandschaft – der Name Lisa Eckhart ging jüngst durch die Gazetten – erfreut sich zunehmend am Mundtotmachen, auch unsere akademischen Institute, die noch mehr als die Kultur auf viele abweichende Meinungen angewiesen sind – haben sich längst einer Cancel Culture bemächtigt. Nachvollziehbar, dass es der in der DDR aufgewachsenen Monika Maron die Schuhe auszieht. Und wichtig, dass sie ihrer intellektuellen Chronistenpflicht nachkommt, uns diesen als Anstand verpackten Irrsinn vor Augen zu führen.

Enden möchte ich meine Rezension mit dem Hinweis darauf, dass auch in „Artur Lanz“ alles gut ausgeht. Artur und Gerald – das kann ich sagen, ohne damit die Lektüre potenzieller Leser zu zerstören – kehren Deutschland den Rücken und wandern in ein demokratisches Land aus, in dem freie Meinungsäußerung herrscht. Und Charlotte fällt ein Aspekt ein, wo Frauen auch 2020 heldenhafte Ritterlichkeit einfordern. Nach einer Scheidung. Der anständige Mann hat sich leise aus dem Leben der Ex-Frau und seiner Kinder zurückzuziehen, hält sich vornehm im Hintergrund. Schreit nicht, tobt nicht, fordert nicht. Schon gar nicht das Sorgerecht, das wäre Schwein. Der moderne Ritter kommt still seiner Versorgungsverpflichtung nach, stützt, beschwert sich nicht.

Hm. Nicht, dass ich beide oben genannten Punkte selbst komplett so sehe, keineswegs. Es ist jedoch ein großer Brocken Wahrheit in dem, auf das Monika Maron uns da stößt.

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11 Kommentare zu “Neue Männer braucht das Land. Soeben ausgelesen: Monika Maron – „Artur Lanz“ (2020)

  1. Bludgeon
    20. Dezember 2020

    Na, „de Mouniga“ is ja nun richtig zum Jahresthema aufgelaufen. Wer hätte das gedacht! Als gestandene Autorin fand sich ja schnell wieder ein Ersatzverlag, nachdem der Alte so scheinheilig punkten wollte. Alles gut somit? Aber was würde einem Jungautor geschehen, den zufällig Susanne Dagen oder der Kubitschek-Verlag entdeckt?
    Blöde Zeiten.
    Da passt es, dass der IQ generell sinkt.
    Da merkt man das nicht so.

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  2. Literaturgarten
    29. September 2020

    Hallo David,,, deine Rezi ist etwas ganz besonderes, deine Offenheit und Ehrlichkeit ebenso. Ganz schön mutig so über die eigene Vergangenheit öffentlich zu schreiben,,, ich freu mich dich hier hier gefunden zu haben und zu lesen…
    Herzlich
    Angela

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  3. Hans-Hasso Stamer
    27. September 2020

    Wunderbar, das wird das nächste Buch, das ich lese. Die Rezension macht große Lust darauf. Und nebenbei: Kompliment dafür. Auch Dank für die Offenheit, ich habe selten eine so gute Rezension gelesen. Ganz nebenbei: sowohl Roman als auch Rezension zeigen, was für ein hanebüchener Irrweg der Feminismus samt Gender ist.

    Schon zu DDR-Zeiten war mir in meinen mittleren Jahren aufgefallen, dass viele Frauen Männer am liebsten wie einen MechWarrior nutzen würden: Sie sitzen am Steuerpult und der Mann macht und tut. Das Geschlechterverhältnis ist ein Balanceakt, der jeden Tag neu austariert werden muss. Beide Geschlechter wollen aber in Wirklichkeit etwas anderes, als sie vorgeben.

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  4. davidwonschewski
    24. September 2020

    Hallo, besten Dank für die Rückmeldung. Nun, es kommt wie immer auf die persönliche Standverortung an. Manche werden das Textstück gewiss ins Feuer werfen wollen. Was bekanntlich schon immer der beste Grund ist warum andere – heldich – hinterherspringen, es retten, es für die nachwelt in Ehren halten…;-) Viele Grüße!

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  5. Jochen Schmidt
    24. September 2020

    Das scheint ja ein gelungener, lesenswerter Roman zu sein!

    Besten Dank für diese ausführliche Besprechung! Hat mir Lust gemacht, endlich mal wieder einen Roman aus Deutschland zu lesen (und zu kaufen).

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  6. davidwonschewski
    22. September 2020

    Da ich mir auf ein Lob von dir mittlerweile einbilde würde ich das Kompliment ja durchaus zurtückgeben. Aber das würde in einem total unmaskulinen verbalen Eingeseife enden, will doch keiner. Ha! Beste Grüße!

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  7. Bludgeon
    22. September 2020

    Booooaaah. Pulitzerpreise her! Sofort! Für das Buch einen und für diese Rezi auch! Kompliment. Ist das gut geschrieben. Meine Fresse! Gratuliere.

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  8. davidwonschewski
    22. September 2020

    Hm, dann sind dieses Yin und dieses Yang also die weltgrößten Schubladen der Welt, sozusagen?;-) Ansosnten stimme ich dir da zu. Es hat aber auch viel mit fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten und Begriffen zu tun. Deswegen halten sich solche Schubladen ja auch. Wenn ich „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ sage, ist jeder gleich mehr oder minder im Bilde. Dass das zu einem gewissen grad – nicht komplett – wenig reale Schubladen sind, weiß aber wohl auch jeder. Einerseits sehne ich mich – keine Ironie! – auch nach diesem klischee, die Welt muss nur weiblicher werden und alles wird zumindest besser. Andererseits habe ich zu oft miterlebt wie Frauen sich in Konkurrenzsituationen verhalten, welche Rücksichtslosigkeit Mütter ausprägen können – und dass vier der fünf größten Waffenlieferanten der USA von Frauen geführt werden. Die nichts anders machen als ihre männlichen Vorgänger, nur eben, aus Waffenlieferantensicht, erfolgreicher. Deswegen kann ich persönlich mit Yin und Yang wenig anfangen. Macht und Status messen ist männlich wie weiblich. Kontrolle auch. Aggresssionen ebenso. Die Grenze zwischen mann und Frau funktioniert für mich da einfach nicht, mit Geschlecht hat das nix zu tun, denke ich. Schon eher mit Herkunft, Eltern, Erziehung, Nation etc. Aber hey, das ist doch der erwünschte Zustand: keine geschlechtsspezifischen Zuschreibungen mehr. Juhu, ich bin total progressiv!;-)))) Viele Grüße!

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  9. lachmitmaren
    22. September 2020

    Wahrscheinlich scheitert man / frau immer, wenn man / frau versucht umzusetzen, was jemand anderes so möchte … .

    Mich hat das mit dem männlich / weiblich auch eher aus einer anderen Perspektive angetriggert. Vom chinesischen Yin/Yang-Symbol herkommend, wo Yang eben für den „männlichen“ Pol steht, haben wir m.E. eine sehr ungesunde starke Überbetonung dieses Pols in der Welt: Aktivität, Machen, Tun, Kontrolle, Leben im Außen, Macht, Status, messen, zählen, definieren, Blick auf das Detail, „Verherrlichung“ des Verstands, „das Recht des Stärkeren“, Körperkult etc. .

    Der andere Pol, das Innere, das Geschehenlassen, Passivität im Sinne von „mit dem Fluss des Lebens gehen“ (statt mit vollem Kraftaufwand dagegen…), Wachsen lassen, SEIN, Blick auf das Ganze, Intuition, all das kommt aus meiner Sicht seit langem viel zu kurz. Bei Männern und eben auch bei Frauen. Für mich ist es das, was das Urweibliche ausmacht: Mit dem Fluss des Lebens gehen. Ich behaupte nicht, dass ich das kann (leider!). Aber irgendwie sehne ich mich danach, dass diese für mich „weiblichen“ Werte wieder einen deutlich größeren Stellenwert in dieser Welt bekommen!
    Liebe Grüße zurück!

    Gefällt 2 Personen

  10. davidwonschewski
    22. September 2020

    Hey – nun, ich denke wir leben vor allem in einer subjektiven Welt, die eine große Sehnsucht nach objektiven Bestimmungen hat. Aus meiner Sicht leben wir in einer auf Frauen fixierte Welt und das schon diverse Jahrzehnte. Liste mit 120 Beispielen spare ich mir mal. Es ist aber eben meine subjektive Sicht, weil mir das natürlich stets mehr ins Auge sticht. Für viele Frauen ist es da andersherum, klar. Und das ist subjektiv dann genauso wahr, eine lange Liste mit diesem und jenem ist da kein problem. Beide Geschlechter haben sich einander angepasst mit dem für beide Geschlechter manchmal unbefriedigenden aktuellen Konstrukt als Ergebnis. Oder glaubst du etwa echt die Legende von den kerlen, die Jahrhunderte Freude daran hatten mit 25 auf einem Schlachtfeld zu sterben, weil kämpfen ja soviel Spaß macht?;-) Das hat zuvorderst mit gesellschaftlichen, also auch weiblichen Erwartungen zu tun. Wenn es nachts unten im Haus ein seltsames Geräusch gibt, gehe ich nachauen, ob es eventuell eine brutale Einbrecherbande ist. Nicht weil ich das spannend finde oder meiner Partnerin nix zutraue oder echt glaube dass meine 15 Kilo und 10 Zentimeter mehr da was bringen, sondern weil es Teil der gegenseitigen Anpassung ist. Es wird von ir erwartet, von meiner Partnerin dafür an vielen anderen Stellen was.
    Schlussendlich ist es dann wie immer, bei allem. die Mitte stimmt, alle haben etwas recht. Und liegen zugleich ziemlich daneben. Mir selbst ist es tatsächlich schnuppe, was Weiblichkeit sein oder ausmachen könnte. Und ich betrachte dieses „schnuppe“ als fortschrittliches Denken. Muss jede Frau für sich selbst wissen, wie sie das definiert und wie nicht. Wo sie sich gerne auf Weiblichkeit beruft und wo sie es empört von sich weisen möchte. Gilt für Männer genauso, klar. Anders geht es ja auch nicht, wenn man als Mann versucht umzusetzen was Frauen so möchten, wie geschrieben, scheitert man. Eben weil Frauen ja keine konforme Masse sind, im Gegenteil – unter Frauen herrscht viel mehr Uneinigkeit als zwischen Frauen und Männern. Und auch das – na Überraschung! – gilt andersherum genauso. Ich selbst kenne auch viel mehr männliche Idioten als weibliche. Das hat nur mit Gender herzlich wenig zu tun.;-) Liebe Grüße!

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  11. lachmitmaren
    22. September 2020

    Tja, die armen Männer … ;-); aber zu der Frage, was „ein echter Kerl“ sein könnte, gibt es offenbar zumindest Vorstellungen … Wie würdest du denn eine „echte Frau“ definieren?? Was macht heutzutage „Weiblichkeit“ aus (jenseits der reinen Biologie / körperlichen Merkmale)? Ich persönlich finde, da gibt es viel mehr Schubladen und v.a. Tabus, als beim Thema „Männlichkeit“.
    Klar leben wir in einer Welt von Männern für Männer ;-), der sich wir Frauen vielleicht zu perfekt angepasst haben …?!

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