David Wonschewski | Autor

Kulturjournalist – Romancier – bipolarer Bedenkenträger

Kiss & Wonschewski diskutieren die feministische Behauptung. Heute: „Frauen sind in Parlamenten unterrepräsentiert, es braucht eine Quote.“

Aus der Reihe:

„Was vom Feminismus übrig blieb – feministische Thesen auf dem Prüfstand“

Warum verstehen Männer bestimmte feministische Thesen nicht? Warum fühlen sie sich von ihnen bedroht oder sogar angegriffen? David, Semi-Feminist, selbstreflektierend aufgeschlossen, wünscht sich echte Antworten. Nikoletta, Feministin – was sonst – und null männerfeindlich, ist gern bereit, offen zu antworten.

David: Mein feministisches Bonmot für heute lautet: „Frauen sind in Parlamenten unterrepräsentiert, wenn es nicht anders geht, braucht es eine Quote.“

Und was sagste?

Nikoletta: Zu Beginn der letzten Wahlperiode 2017 war der Frauenanteil im Bundestag 31%, voraussichtlich wird er nach dem Ergebnis dieser Wahl nun 35% betragen, das ist schon sehr niedrig. Die Union und FDP haben Frauenanteile von nur 23% und 24% (lt. Spiegel). Da muss man überlegen, was die Ursachen sind und wie man dieser Geschlechterungleichheit entgegenwirken kann. Die Quote ist dafür eine mögliche Maßnahme. Ich bin auch nicht ganz unkritisch und finde, man sollte genau hingucken, wie eine Quote ausgestaltet wird, aber grundsätzlich unterstütze ich sie.

David: Ich selbst finde 35% gar nicht wenig, um ehrlich zu sein.Mehr wäre schön, klar, aber 35% ist keine Zahl, bei der ich denke, es bräuchte irgendwelche regulatorische Aktionen durch den Staat. Dass ich das nicht als wenig erachte, liegt vielleicht auch daran, dass Geschlecht für mich im Politikbetrieb keine Größe ist. Ich meine, wenn es eine Quote gäbe, was würde passieren? Grüne und Linke haben einen Frauenanteil von über 50 Prozent, die müssten, sobald es eine Quote gibt, also Frauen nach Hause schicken und sie durch Männer ersetzen. Andersherum liefe es zuvorderst bei AfD und FDP. Warum sind aber Frauen in der AfD oder FDP? Wohl weil sie einige andere Vorstellungen darüber haben, was gut für Frauen oder was fair ist, was es braucht oder nicht braucht. Bei FDP-Frauen, den aus meiner Sicht progressivsten aller Frauen beispielsweise ist diese Quote verdammt unbeliebt, auch weil sie als sexistisch und diskriminierend angesehen wird. Sehe ich im Übrigen auch so. Die Quote wird somit zum klassischen Eigentor für diejenigen, die sie am vehementesten fordern.

Nikoletta: Du hast also Bedenken, dass durch eine Frauenquote die rechts bzw. liberal orientierten Frauenbilder im Bundestag zunehmen würden.

David: Rechts, liberal oder auch konservativ. Genau. Bedenken habe ich keine, ich fände es gar nicht schlecht, wenn ein paar mehr Frauen im Bundestag sitzen, die nicht gerade so denken wie z. B. Frau Roth. Denn dann wird die sich endlich stärker fragen lassen müssen mit welchem Recht sie eigentlich denkt für Frauen sprechen zu können. Aus mir schleierhaftem Grunde scheinen QuotenbefürworterInnen allerdings zu denken, dass mehr Frauen im Bundestag automatisch auch mehr für Frauen bewirken. Aber das wird nicht passieren. Ich bin Jahrgang 1977, seit ich lebe, ist der Bundestag ein Männerladen. Mir fällt dennoch nicht ein einziges „von Kerlen, für Kerle“ Gesetz ein in den letzten 25 Jahren. Null. Was aber normal und sogar richtig ist, weil eben Geschlecht keine Größe dort sein darf, sich die Parteien ergo gegenseitig aushebeln, kaum droht die Gefahr, dass eine Gruppe mehr Rechte bekommt als eine andere. Ein zukünftiges „mehr Frauen“ wird also genauso folgenlos für Frauen sein wie ein aktuelles „viele Männer“ für Männer. Ein verfassungsrechtlich sehr bedenkliches Mittel einsetzen, um damit nichts anderes als bestenfalls hübschere Tortendiagramme zu erreichen, also nein, da krümmt sich denn doch so einiges in mir zusammen. Die Quote löst gar nichts, macht sich aber halt gut auf jedem Plakat.

Nikoletta: Ich sehe das nicht so negativ, David. Zum einen würde ich die Bedeutung der AfD nicht überbewerten. Ein paar mehr AfD-Frauen werden den Feminismus nicht in die 60er-Jahre zurückkatapultieren, dafür glaube ich nicht an die Unterstützung in der Bevölkerung. Die Union hat ja schon eine relativ konservative Frauenpolitik. Und was die FDP angeht, eine Quote passt nun nicht in ihre freiheitliche Weltsicht, aber die FDP hat ja ein durchaus feministisches Programm und sieht zum Beispiel absolut die Notwendigkeit, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, nur eben nicht durch Quoten. Das Problem ist, es ist ein Männerladen. Hätte die FDP mehr Frauen in ihren Reihen, ich wette, sie hätte auch mehr Unterstützung unter Wählerinnen. Ich würde mehr FDP-Frauen im Bundestag durchaus begrüßen, ich glaube sogar, das Aufbrechen der Boys Clubs würde zu mehr Politik für Väter führen.

David: Ich rede ja nicht von zurückkatapultieren. Ich spreche davon, ob die Frauenquote denn zumindest für Frauen einen Vorteil hätte. Und den sehe ich leider nicht, ich sehe die Quote sogar als Gefahr, als Gewähr dafür, dass sich gar nichts ändert. Was wirklich etwas ändert, ist Parteienunterstützung. Wenn einem der Feminismus wichtig ist, dann findet man z. B. bei den Grünen ja durchaus einige Ideen. Also muss der Kampf doch lauten, den Grünen mehr Stimmen zu beschaffen. 100 zusätzliche Grüne- oder auch SPD-Männer im Parlament sind für feministische Frauen doch weitaus hilfreicher als 100 via Quote ins Parlament gepresste FDP-, CDU- oder AfD-Frauen.  

Aber ich lasse mich ja gerne eines Besseren belehren – dann sage doch mal, was haben Frauen von mehr Frauen im Bundestag? Warum ist das wichtig? Mir zum Beispiel ist die Zusammensetzung egal, könnten auch 60 Prozent Frauen oder Migranten sein, 40 Prozent Lehrer… Mir geht es darum, dass dort die Menschen sitzen, über die das Volk entschieden hat: Die oder der soll uns repräsentieren. Und wenn es da eine Schieflage gibt, muss die Öffentlichkeit darüber diskutieren, warum gerade die einen so gerne gewählt werden und die anderen nicht. Und vielleicht ändert das was, vielleicht aber auch nicht. Man kann und muss darüber reden, warum Frauen sich offenbar nicht so gerne als Kandidatin aufstellen lassen, warum sie – manchmal – den Wettbewerb scheuen, vielleicht auch, ob ihre Kandidaturen öfter scheitern (soweit ich weiß, ist das nicht der Fall) – aber das ist ja was völlig anderes als eine Quote.

Nikoletta: Auf den letzten wichtigen Punkt komme ich zurück. Warum aber sollten mehr Frauen in den Bundestag? Die Hälfte der Bevölkerung sind nun einmal Frauen, die sollten auch entsprechend im Bundestag durch Frauen repräsentiert sein. Nur wo Frauen vertreten sind, werden Frauen betreffende Themen angemessen diskutiert. Ich verstehe schon, dass es um Positionen und Parteien geht. Aber indem du den Status Quo verteidigst, sagst du den Frauen: Überlasst die Politik ruhig mal den Männern, die machen das schon und vertreten Eure Interessen noch besser?! Und es geht ja nicht nur um Frauenpolitik, sondern um Politik allgemein. Grundsätzlich finde ich, dass weniger Testosteron und mehr Geschlechterbalance Politik und Gesellschaft guttun würde.

David: Das ist ja gerade verfassungsrechtlich ein wichtiger Satz. Wie stark eine Gruppe in der Gesellschaft vertreten ist, hat nichts damit zu tun, wie stark sie im Bundestag vertreten sein sollte. Das gehört ja zu unserem freien Wahlrecht, dass da keinerlei Kausalität hineininterpretiert werden darf. Das mit der Geschlechterbalance und dem Testosteron, das brauche ich wohl nicht zu wiederholen, das sehe ich nicht. Geschlecht ist für mich keine Größe etc. Mich selbst kann eine liberale Frau besser repräsentieren als ein Grüner Mann. Die politische wie wirtschaftliche Weltgeschichte hat zudem belegt, dass Frauen an der Macht sich genauso verhalten wie Männer an der Macht. Alle Jubeljahre fällt mal eine Lichtgestalt vom Christbaum, aber das hat dann nichts mit Geschlecht zu tun, sondern mit Charakter und es kann ein Mann oder eine Frau sein.

Nikoletta: Hm, vermutlich braucht es eben einen bestimmten Charaktertyp, um in Spitzenpositionen überhaupt erst zu gelangen. Aber hier geht es ja nicht nur um Spitzenpositionen, sondern eine breite Repräsentanz.

Verfassungsrechtlich sind Quoten sicherlich ein umstrittenes, ein komplexes Thema. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Frauenstatut in der Satzung der Grünen. Jeder ungerade Listenplatz wird einer Frau vorbehalten. Männer dürfen so auf den Spitzenplatz der Liste gar nicht kandidieren. Da gibt es Ausnahmen, aber grundsätzlich ist das die Idee. Das ist schon sehr mutig, aber auch ich finde diese Regelung ziemlich drastisch.

Die Grünen nehmen damit eine bewusste „Bevorzugung“ von Frauen als Kompensation für die Diskriminierung in der Gesellschaft in Kauf. Verfassungsrechtlich ist das wohl aus verschiedenen Gründen zulässig, aber es stellt sich natürlich die Frage, wie fair das empfunden wird, Männer zu benachteiligen, um eine Parität herzustellen, und auch inwiefern ist das demokratisch?

David: Als ich Ende der 90er-Jahre hier in Münster bei einem Wahlkampfauftritt von Joschka Fischer war, war ich unfassbar begeistert. Und dachte mir, wenn es denen mal gelingt, die ganzen „Fundis“ aus der Partei zu kegeln und nur „Realos“ wie Fischer nach vorne zu lassen, dann ist das meine Partei. Ist ihnen in den letzten Jahren ja durchaus geglückt, der Punkt, den du benennst ist aber genau die Attitüde, die sie für mich weiterhin unwählbar macht. Die Grünen sind eine sexistische Partei, das muss man so klar sagen. Versuchen also, Sexismus mit Sexismus zu bekämpfen. Wie sie auch vielfach versuchen, Intoleranz mit Intoleranz zu bekämpfen. Aus meiner Sicht ist die Doppelspitze ja schon Grütze, eine Partei, die eine Doppelspitze braucht, damit nicht Sodom und Gomorrha ausbricht in den eigenen Reihen, ist eben ganz enorm aufs Geschlecht fixiert, misst dem Geschlecht eine unfassbar hohe Bedeutung bei. Ein ziemliches Armutszeugnis, dass die beteiligten Personen auch immer viel kleiner erscheinen lässt als nötig. Wenn du immer eine Frau auf Listenplatz 1 hast, bedeutet das zwangsläufig auch, dass du ab und an bereit bist nicht die beste Person für den Posten zu wählen. Dass man dieses Statut als Mann nicht so mag ist eventuell logisch. Ich finde dieses Statut aber sogar latent frauenfeindlich. Du kriegst ein tolles Amt und alle nur so: „Jaja, schon klar“. Die Baerbock, die ja echt begabt ist und alles hat, um als ApparatschikIn Politkarriere zu machen, tat mir total leid. Verzeihe mir den Zynismus, aber da war das gute alte „Die hat sich nach oben geschlafen“ respektvoller.

Nikoletta: Ich finde Doppelspitze eine großartige Sache, wenn sich ein funktionierendes Team dafür findet. Baerbock-Habeck – ein tolles Beispiel. Kollegen, die auf Augenhöhe verschiedene Perspektiven und Erfahrungen einbringen, sich austauschen und sich gegenseitig hinterfragen, und der ungeheure Stress, der mit einer Führungsposition einhergeht, wird auf mehrere Schultern verteilt. Funktioniert nur in der Praxis leider nicht immer.

Ich gebe dir aber recht, die Quote sollte nicht auf Kosten der Qualität gehen. Keine Frau wünscht sich eine Quotenstelle, die sie aufgrund ihres Geschlechts und nicht aufgrund ihrer Qualifikation bekommen hat. Vielleicht lässt sich mit der entsprechenden Ausgestaltung der Quotenregelung entgegenwirken. Meistens heißt es ja auch: Bei gleicher Qualifikation sollte die Kandidatin dem Kandidaten vorgezogen werden. Es ist eine andere Frage, wie so etwas praktisch umgesetzt bzw. ausgehöhlt wird.

Das Problem ist ja, wie du auch schon erwähntest, dass sich Frauen oft gar nicht erst melden. Ich sehe das auch im Wissenschaftsbetrieb, wo mein Mann tätig ist. Er versucht als Redner für Events immer gezielt auch Frauen zu finden, gerade auch als Key Note Speaker, und es ist offenbar sehr schwierig, weil sich oft keine bereit erklärt mit Begründungen wie, es sei nicht ganz ihr Forschungsgebiet. Männer aber stehen Schlange, um sich präsentieren zu können, auch wenn sie fachlich sogar entfernter vom Thema sind. Und da finde ich die Position der Grünen richtig zu sagen, wenn sich keine Frau für einen Listenplatz meldet, heißt das noch lange nicht, dass es keine qualifizierte Frau gibt, sondern wir müssen uns besser umgucken und rausfinden, warum die sich nicht melden, vielleicht auch die Rahmenbedingungen so setzten, dass sich Frauen eher melden können. Ich finde, Quoten schaffen ein Bewusstsein für solche Dinge.

David: Ich finde, das verlagert das Problem auf die falschen Schultern. Ich habe auf verschiedenen Ebenen auch diese Erfahrungen gemacht, dass Frauen sich nicht melden. Aber anstatt die Frauen mittels irgendwelcher Hebel zu verdonnern, sich zu melden, sollen es jetzt Ausrichter und Veranstalter richten. Finde ich ziemlich verdreht. Es gibt hübsche Studien darüber, wie viele Experten in Talkshows hocken und wie wenig Expertinnen. Was die Studien gerne verschweigen, ist, dass Expertinnensuche für Talkshows eine echt zähe Angelegenheit ist. Ich hatte vor ein paar Jahren mal eine kleine Internetradioshow. Jeden Monat habe ich sechs neue Lieder (unbekannte, junge Künstler, deutschsprachig, akustisch) bereitgestellt und die Hörer durften hitparadenmäßig abstimmen. Auf 60 Lieder kamen da vielleicht 5 von Frauen. Wurde mir auch schnell Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Das Ding war, ich war darauf angewiesen, dass sich die Musiker bei mir bewerben. Haben Frauen aber nicht bzw. kaum. Was zu der abstrusen Situation führte, dass ich, derweil ich vielen männlichen Musikern absagen musste, jede sich bewerbende Frau automatisch reinkam in die Show. Sogar wenn ich das Lied grausam schlecht fand. Dafür ging dann ein gutes Männerlied über die Klippe, damit ich sagen kann: Ich Feminist spiele auch Frauen! Du ahnst nicht, wie die Reaktion war von feministisch gesinnten Geistern: Das sei ja eine Frechheit und sehr auffällig, dass ich neben die ganzen guten Lieder von Kerlen ein so grausames Frauenlied stelle, für ein gutes Frauenlied habe mir wohl der Mut gefehlt, weil die dann nämlich gewonnen hätte. Ich habe dann irgendwann bewusst nur noch Männer gespielt. Was ich mit der kleinen Anekdote sagen will: Eine Quote wird in vielen Bereichen zu ganz üblen Verrenkungen führen, und niemand wird davon was haben. Hätte es eine staatlich verordnete Quote gegeben, hätte ich seinerzeit den Laden dicht machen müssen. Es stehen einfach nicht überall genug Frauen bereit. Und wer dem entgegnet, dass „wer richtig sucht auch gewiss findet“ hat aus meiner Sicht ein sehr schiefes Verhältnis zum Zusammenspiel aus Praktikabilität und Realität.

Nikoletta: Lach. Ich beneide dich da nicht und kann mir das sehr gut vorstellen. Und du hast recht. Frauen müssen sich endlich selbst verdonnern, den Mund aufzumachen und Männern muss jemand mal klarmachen, ab und zu ihren zu halten. Ich kenne das ja von mir, ich muss mir 120% sicher sein, dass ich qualifiziert genug bin, bevor ich mich irgendwo freiwillig melde, wie oft hat man mich ins kalte Wasser geschupst, komm, Nikoletta, du kannst das, und ich druckste nur herum. Ich finde, es braucht eben diesen Push, eine externe Korrektur und vielleicht tritt die nächste Generation Frauen schon mit einem anderen Selbstbewusstsein auf. Es ist ein Prozess und natürlich wird es in der Übergangsphase diese Verrenkungen geben. Auf jeden Fall sollten Quoten nur eine Art von Übergangslösung bleiben bis genug Frauen in entsprechenden Ämtern sitzen und sich dieser Trend dann automatisch fortsetzen kann, weil zum Beispiel Vorurteile abgebaut wurden. Gleiches zieht eben Gleiches an. Ist der Vorstand in einem Unternehmen ausschließlich mit Männern besetzt, werden diese Männer ohne eine Quotenregelung entsprechend Männer nachziehen. Sobald aber genug Frauen im Vorstand sitzen, werden automatisch auch diese ihre Netzwerke mit mehr Frauen einbringen.

David: Ein schönes Schlusswort, auch wenn ich weiterhin gegen jegliche Quoten bin. Zumal ich dem Begriff „Übergangslösung“ per se nicht traue. Mein Lebensmotto: Bekämpfe jede Übergangslösung, die du nicht auch für ewig ertragen könntest. Ha.

„Schwarzer Frost“, „Geliebter Schmerz“, „Zerteiltes Leid“ – zu den Romanen von David Wonschewski: HIER entlang.

Weitere Ausgaben von Kiss & Wonschewski: HIER.

16 Kommentare zu “Kiss & Wonschewski diskutieren die feministische Behauptung. Heute: „Frauen sind in Parlamenten unterrepräsentiert, es braucht eine Quote.“

  1. Ich bin eine Frau, Ärztin und begeisterte Leserin von Belletristik. Es hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Frauen erobern die früher Männer- dominierten Berufe. In der Medizin stellen sie mittlerweile die Mehrheit der Studenten und jungen Ärzte.
    Das ist ein natürlicher und unaufhaltsamer Prozess, den ich sehr begrüße. Eine Quote- ob in Vorständen oder im Bundestag- lehne ich jedoch strikt ab. Menschen- Frauen wie Männer- sollen durch ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten überzeugen. Dazu sind Frauen heute mehr denn je in der Lage. Eine Quote haben diese Frauen nicht nötig!

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  2. aranxo
    6. Oktober 2021

    @David
    Ja, die Frage, wer denn nun die beschisseneren und schlechter bezahlten Jobs hat, und wer auf der anderen Seite die gemütlichen und machtvollen, ist ein leidiges Dauerthema. Dieses „Männer haben die Macht“ stimmt zwar teilweise, ist aber auch andererseits Augenwischerei, denn das betrifft vielleicht 1% der Männer, die restlichen 99% wurschteln genauso wie die Frauen in ihren Jobs vor sich hin, ohne groß was bestimmen zu können.

    Einen Fakt kann man in der Diskussion schlecht vom Tisch wischen: Die gefährlicheren Jobs, die mit den meisten Arbeitsunfällen und Todesfällen machen die Männer. Ganz oben: Gerüstbauer, dann Dachdecker, Arbeiter auf Ölplattformen, als Soldat oder Polizist lebt man auch nicht ganz ungefährlich. Und auch einen anderen Typus von Jobs machen Männer in ganz überwiegendem Maße: Jobs, in denen man wochen- oder monatelang seine Familie nicht sieht. Seeleute, Fernfahrer, wieder Soldaten, wieder Ölplattformarbeiter, Ärzte ohne Grenzen etc. Frauen wollen solche Jobs oft nicht machen.

    Dass Männer früher die besseren oder schlicht überhaupt Berufe hatten, stimmt natürlich, und die Proteste der Feministinnen dagegen waren auch berechtigt, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Feministinnen tun dagegen immer wieder so, als lebten wir noch in den 50ern. Frauen können heute jeden Job übernehmen, den Männer auch machen, sie können sich für Führungsjobs bewerben, sie werden dafür nicht nur genommen sondern händeringend gesucht (fragt man Headhunter), aber sie tun es oft nicht. Entweder weil sie sich tendenziell eher unterschätzen (im Gegensatz zu Männern), oder weil ihnen Work-Life-Balance wichtiger ist als Status und Macht, was m.E. ja gar keine verkehrte Einstellung ist. Und nicht zu verachten: Mehr Status bringt Frauen nichts auf dem Partnermarkt, Männern schon. Von klein auf kriegt das jeder Junge mit: Wer bekommt die schönsten Frauen? Die Mächtigen und Reichen. Also gibt es für Männer ein sehr intrinsisches Motiv, mächtig und reich zu werden.

    Da muss ich mich schon fragen: Macht es wirklich Sinn für die Gesellschaft, aus abstrakten Gerechtigkeitsgründen Menschen in Posten zu hieven, die man erst zum Jagen tragen muss, oder sollte man die Posten lieber denen überlassen, die auch das entsprechende Engagement zeigen (da ist mir völlig egal, ob das Männer oder Frauen sind)? Und ist Gleichheit wirklich gerecht, wenn sie Gefahr läuft, auf Kosten von Kompetenz zu gehen? Das beste Beispiel haben m.E. doch gerade die Grünen abgeliefert. Weil Frausein als Kompetenz reichen muss, musste es Baerbock sein, die sich dann aber in meinen Augen und den Augen vieler als Hochstaplerin und Dünnbrettbohrerin entpuppt hat. Mit Habeck wären sie jedenfalls besser gefahren.

    Überhaupt ist die Frage der Geschlechterbesetzung von Parlamenten ja eher so ein Elfenbeinturmthema. Das interessiert die normalen Leute doch kaum bzw. ist das für die doch eher ein Thema von extrem untergeordneter Wichtigkeit. Die interessiert viel mehr: Wieviel verdiene ich? Wieviel Steuern muss ich davon zahlen? Reicht meine Rente? Explodieren demnächst die Preise? Reichts noch für einen Urlaub im Jahr? Hab ich einen brauchbaren ÖPNV, um zur Arbeit zu kommen? Und wenn nicht, sind die Benzinpreise erträglich? Krieg ich einen Kita-Platz für meine Kinder? Taugt unsere Schule was? Klima retten? Ist ja schön und nett, nur: was kostet mich das? Und vor allem, was bringt das, wenn die Chinesen gleichzeitig hunderte neue Kohlekraftwerke bauen? Die sollen gute Politik machen! Was sie dabei in der Hose haben, ist den Leuten doch größtenteils sowas von schnurz.

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  3. davidwonschewski
    6. Oktober 2021

    Vielen Dank. Ja, auch so ein Unterpunkt, den ich mir verkniffen habe, um nicht noch lnger zu werden. Wenn 20 Prozent einer Partei weiblich sind, kann man schlecht 50 Frauen im Vostand haben wollen. Also kann man schon, ist dann aber eben null gerecht. Wenn Männer die Hauptlast der Politarbeit tragen, sind Männer ganz ohne Reguierung ebe auch verstärkter vertreten.

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  4. Fatherleft
    6. Oktober 2021

    Eine Quote dürfte maximal festlegen, dass Frauen im selben Verhältnis wie bei den Parteimitgliedern auch bei den Mandaten berücksichtigt werden, aber gerade dann würde man sehen wie überflüssig sie eigentlich wäre, selbst die FDP hat einen höheren Frauenanteil im Parlament, als in der Partei. Sind halt so wenige FDP-Mitglieder. Die einzigen Parteien die hier mehr Frauen schicken würden, wären die CDU und die AfD, bei der CDU liegt der Satz nur knapp drunter, bei der AFD etwas deutlicher, aber im Umkehrschluss würden bei Grünen, Linke und SPD gleich diverse Frauen ihr Mandat verlieren. Die Perfidie ihre Gleichberechtigungsbestrebungen zeigen die Paritte-Anhänger dadurch, dass sie nicht „gleiche Verhältnisse“ fordern, sondern „mindestens gleiche Verhältnisse“. Regelungen wie das Frauenstatut, das jeden ungeraden Platz für Frauen festlegt und jeden Graden für Frauen und Männer wäre weiterhin erlaubt.

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  5. Bludgeon
    6. Oktober 2021

    Ja, das ist eine verfahrene Kiste. Diese plumpe Vergleicherei: Weil Westfrau bis in die 70er unter der „Knute des Patriarchats“ – ähem – litt, und sich nun in Scheinwelten hinein gendert, während plumpeste Globalisierung Kolonialismis 3.o durchzieht, was aber weitgehend beschwiegen bleibt, weil es ja „wichtigeres“ gibt, MUSS man sich doch nu wohlfühlen müssen im Takka-Tukka-Land mit all den „notwendigen“ Endungen und Sternchen und Unterstrich-Lücken-Unterstreichungen bei beibehaltenem „Gender-Gap“ in Sachen Löhne.
    Und wenn dann einem diese Ossis so dazwischen fahren, mit solchen unschönen Beispielen, wo die böse Zone eben doch ein Quentchen weiter war – und die böse Zone trotzdem eine böse Zone bleibt, aber eben aus anderen Gründen … hach; da bleibt dann einfach der fromme Abschiedswunsch der Kanzlerin neulich, „man möge einander zuhören“ eben weiterhin ein frommer Wunsch in Sonntagsreden.
    Amen.

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  6. davidwonschewski
    6. Oktober 2021

    Moment mal, du willst ja aber doch bitte nicht behaupten, dass im Osten nicht alles schlecht war, oder?!?;-) Jaja, in so drei bis vier Sachen bin ich offenbar ein Ossi im Herzen…

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  7. davidwonschewski
    6. Oktober 2021

    Vielen Dank für die ausführliche Rückmeldung. Ich habe lange überlegt was ich ähnlich langes antworten könnte, kann ich aber nicht, weil ich fast alles sehe wie du, es also mit einem kurrzen „Yo!“ getan ist, ha. Eventuell würde ich Punkt vier streichen, also das mit den Kanalarbeiterinnen stimmt schon, es ist arg auffällig, dass die Quote nur da gelten soll, wo es was zu holen gibt, derweil bei den miesen Sachen auf die Freiheit der Entscheidungen gepocht wird, dennoch, klar, sind diese Vergleiche leider oft etwas äpfelbirnig. Wenn man als Frau z.B. sagt, dass es für Kanalarbeiter keine Frauenquote braucht, weil die bei Putzleuten dafür schon bei nahezu 100% loiegt, tja, dann ist da durchaus was dran. Zudem hat der Wunsch mehr Frauen im Bundestag zu haben, wie ich ahne, für manche etwas schon fast Metaebenhaftes, Symbolisches. Mir scheint es so, dass viele darum wissen, dass das Frauen nix bringt – außer den paar, die sich an den feinen Diäten erfreen dürfen dann – aber es wäre wohl ein Zeichen für Gleichstellung. Darum rede ich ja so oft von Tortendiagrammen, ich bin zunehmend überzeugt, dass es nur darum geht, das schon reicht. SEHEN das Gleichstellung da ist. Beste Grüße!

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  8. aranxo
    6. Oktober 2021

    Ich bin aus vielen verschiedenen Gründen gegen die Quote:
    1. Ein Abgeordneter vertritt immer das gesamte Volk, nicht einen Teil davon. Ich weiß, die Realität sieht manchmal anders aus, aber wenn man schon das hehre Ziel aufgibt, gibt man damit auch den Universalismus auf, die Gleichbedeutung jedes einzelnen Menschens. Und ich verstehe nicht, warum ausgerechnet die Linken ihre ehemals erkämpften großen Ziele so ohne Not einfach räumen.
    2. Demzufolge ist die Behauptung, nur Frauen könnten Frauen adäquat vertreten, m.E. schlicht und einfach plattester Biologismus.
    3. Mir als Mann ist es zehnmal lieber, eine Frau vertritt meinen Standpunkt, sprich die Vernunft ;-), anstatt dass ein Mann irgendwelchen Nonsens vertritt. Und Frauen, wenn sie vernünftig sind, sollten dieselbe Einstellung andersrum genauso haben. Was bringt Euch eine Frau, die Quatsch vertritt?
    4. „Die Hälfte der Macht gehört den Frauen!“ Warum eigentlich? Warum nicht (angesichts des Frauenanteils unter Kanalarbeitern) „Die Hälfte der Kanalisation gehört den Frauen“? Das scheint mir angesichts meiner ersten drei Punkte nur reiner Selbstzweck, um nicht zu sagen Rosinenpickerei. Der Anteil der Frauen in der Bevölkerung ist ein rein willkürlicher Bezugspunkt. Realistischer wäre der Anteil der Frauen in den Parteien, der je nach Partei so um die 30% liegt. Wenn Frauen sich also im Schnitt weniger für Politik interessieren bzw. bereit sind, sich zu engagieren, warum dann nicht die Besetzung relativ zum Interesse und Engagement? Da seid Ihr mit 35% eigentlich noch gut bedient. Nicht falsch verstehen: Wenn sich Frauen durch Engagement die 50% (oder mehr) erobern, habe ich damit nicht das geringste Problem. Nur eben nicht per Silbertablett auf der Überholspur, sprich per Gesetz, sondern erarbeitet wie die Männer auch.
    5. Ich halte ein Paritätsgesetz für massiv verfassungswidrig, weil es sowohl die Freiheit der Parteien als auch die Freiheit des Wählers einschänkt, was ja auch inzwischen diverse Landesverfassungsgerichte festgestellt haben. Was da vorgeschlagen wird, ist nicht weniger als die Abschaffung eines der wichtigsten Grundrechte unserer Demokratie, nämlich das Recht des Souveräns, selbst zu entscheiden, wen er ins Parlament wählen will und wen nicht. Ich will nicht, dass Parteien vorgeschrieben wird, wen sie aufzustellen haben und Wählern, wen sie zu wählen haben. Jeder Wähler muss weiterhin die Möglichkeit haben, eine Partei zu wählen, bei der nur ein oder kein Mann oder umgekehrt eine oder keine Frau auf der Liste steht. Wenn das für jemanden überhaupt ein Wahlkriterium ist. Das ist die Freiheit des Wählers, die nicht beschnitten werden darf. Selbst wenn im Extremfall die Wähler ein Parlament aus 100% Männern oder 100% Frauen wählen würden, wenn es denn Parteien gäbe, die zu 100% nur ein Geschlecht aufstellen würden, dann wäre auch das das Recht der Wähler, denn sie sind der Souverän.
    6. Wenn wir damit anfangen, warum dann nicht eine Quote für Behinderte, Menschen mit Migrationshintergrund, Schwule und Lesben, Arbeiter, Freiberufler, Rothaarige, Menschen, die gerne zwei verschiedene Socken tragen? Ein Mensch, der passende Socken trägt, kann doch einen Verschiedensockigen gar nicht adäquat vertreten, weil er sich nicht in seine Lage versetzen kann!1!!1! Warum sollte das Merkmal des Geschlechts durch eine Quote eine Privilegierung gegenüber all den anderen verschiedenen Merkmalen erhalten, die Menschen so an sich haben und prägen?
    7. Ich habe den leisen Verdacht, dass es nicht nur darum geht, mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen, sondern die Parteien auf der liberal-konservativen Seite bewusst zu benachteiligen, die evtl. gar nicht so viele Frauen für ihre Liste finden. Oder im Gegensatz zu linken Parteien eben nicht jede Gurke aufstellen wollen, nur wegen dem, was sich in der Hose befindet.
    8. Wie definiert man denn derzeit „Frauen“? Ich dachte, sowas gibt’s nicht mehr? Jedenfalls scheint die Definition inzwischen ständig im Fluss zu sein. Wenn das aktuell gefühlte Geschlecht wegen Diskriminierungsverdacht nicht angezweifelt werden darf, wie will man dann verhindern, dass sich die Hälfte der AfD-Männer zum passenden Zeitpunkt als Frau fühlt? (Wobei ich mich über diese Art von Subversion ja diebisch freuen würde…). Und wenn man sein Geschlecht nach Tagesform erfühlen darf, warum dann nicht auch seinen Impfstatus? Zumal die Diskriminierung von Umgeimpften die Diskriminierung vor Frauen derzeit weit übersteigen dürfte.
    9. Die Verlogenheit der Diskussion sieht man schon alleine daran, dass es eine einfache Möglichkeit für die Parteien, die Paritätsgesetze forcieren, gäbe, mehr Frauen in die Parlamente zu bekommen: Sie könnten einfach mehr Frauen aufstellen. Warum z.B. stellen die Grünen nicht statt 50% einfach 70% oder 80% Frauen auf? Wenn man so überzeugt davon ist, dass die Wählerin das so will, müsste das doch der Renner sein! Dafür gibt es zwei Gründe: 1. Ist man lange nicht so davon überzeugt, dass das die Wähler tatsächlich goutieren würden, wie man behauptet. 2. Gäbe es dann einen Aufstand der Männer in der Partei. Und weil man das nicht will, will man es stattdessen den anderen Parteien aufdrängen, die das gar nicht wollen.

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  9. Bludgeon
    5. Oktober 2021

    Zu Frau Kiss‘ Kommentar:

    1. „Nebenbei die Kinder erzogen“, in Familie lief das in meinem Bekanntenkreis recht paritätisch, bei Alleinerziehenden war es allerdings schwieriger – jedoch leichter als heute, da geregelte Arbeitszeiten und Wochenenden richtig frei – und kein Herumhäckern bei Mindestlohn und irregulär aus Gnade bezahlten Überstunden wie heute all die Discountkassensklavinnen erdulden müssen.
    Im Nachhinein war sogar das AG-Prinzip der Schulen und Stadtverwaltungen besser, als die heutige Ganztagsschulgammelei.

    2. Wenn Frau sich auf dem Posten nun aber nicht beweist – ist es äußerst schwer, die unfähige Führungsdame wieder loszuwerden. Das liegt nicht am Geschlecht, sondern an den Spielregeln, die generell Führungspositionen schützen und Wechsel nur bei allergrößten Vergehen vorsehen – so kann eine unbedarfte Quotenfrau extrem lange durchhalten und das Betriebsklima vereisen lassen, aber „offizell keine juristirablen Fehler“ also weiter so: Hirnlos nach Schema F. Das kann zwar auch unfähigen Männern passieren, jedoch können die bei Kritik in der Versammlung nicht mit dem sogenannten Argument der Frauenfeindlichkeit herumzetern.

    3. Die DDR war nicht schön. Aber das hatte andere Gründe. (materielle Versorgung, Wohnungsnot (kommt ja grade wieder), Unmöglichmachung freier Wohnortwahl usw. da gab es 1001 Gängelei im Alltag.) Die „Frauenproblematik“ gehörte nicht dazu.

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  10. Nikoletta Kiss
    5. Oktober 2021

    Lieber flinsenberger, es ist immer ein Frage, wo man steht. Ich kenne eine Reihe von sehr ambitionierten Frauen, die hart arbeiten, dazu auch Kinder haben und sehr genau wissen, was es bedeutet in Führungspositionen Verantwortung zu tragen. Das Problem sind doch Strukturen, die es schwierig machen Familie und Beruf zu vereinbaren, das gilt ja ebenso für Väter. Ein Beispiel sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für Vorstände, die keine haftungsfreie Mandatspause erlauben. Das ist schon ziemlich abschreckend für Frauen, die vielleicht neben dem Beruf auch gern eine Familie hätten. Deshalb finde ich auch das Konzept der Doppelspitze auch interessant.

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  11. Somesome
    5. Oktober 2021

    Bzgl. der Behauptung „Gleiches zieht eben Gleiches an“
    Es wird immer gebebtsmühlenartig wiederholt, belegt ist es jedoch nicht. Im Gegenteil, jede empirische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Männer das Geschlecht egal ist, während Frauen bewusst Frauen, die hierarchisch unter ihnen stehen, diskriminieren.
    Eine Quote wird also eine Dauer“Lösung“ sein müssen, da mehr Frauen in Führungspositionen zu weniger Frauen in Führungspositionen führt.

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  12. flinsenberger
    5. Oktober 2021

    Sehr spannende Diskussion. Gerade in Bezug auf die Grünen muss ich in Bezug auf den Sexismus leider zustimmen. Wie kann man denn lieber ohne Liste im Saarland antreten, als einen Mann auf Platz 1 zu haben? Wie viele Männer werden denn von dem Extrem-Feminismus abgestoßen, und wählen stattdessen lieber andere Parteien? Man hat es heutzutage als Mann schon sehr schwer, überhaupt eine Partei zu finden, die einem zugesteht, ernsthafte und berechtigte geschlechtsbezogene Anliegen zu haben. Wenn Sie einen nicht gleich als privilegierten Teufel sieht, dessen Macht gebrochen werden muss und der für alles Böse auf der Welt via Sippenhaft verantwortlich gemacht werden muss. Gerade auf der linken Seite des Spektrums ist ernsthafte Diskussion da rar. Stattdessen wird mit eiskalter Machtpolitik aktiv diskriminierende Politik gegen Männer und für Frauen betrieben. Wie z. B. beim BMFFSJ mit seiner Weigerung der Auszahlung von parlamentarische beschlossenen Fördergeldern an das Forum Soziale Inklusion, oder mit dem Grünen Frauenstatut.

    Haben denn Frauen den Willen und das Interesse, überhaupt in Führungspositionen zu kommen? Da werden dann Dinge gesagt wie „Führungspositionen müssen auch in Teilzeit möglich sein“. Und übersehen, dass für eine Führungsposition 40 Stunden schon Teilzeit sind. Statt 80 oder 100. Es besteht auch kein Interesse, an Politik teilzunehmen. Sieht man ja an den Mitgliederzahlen der Parteien. Auch nach 30 Jahren Frauenquote in der SPD immer noch unter 50%. D. H. selbst wenn den Damen und Prinzessinnen alles auf dem Silbertablett präsentiert wird, wird noch die Nase gerümpft wegen der Erbse unter den 9 Matratzen. Die Männer füllen währenddessen die hinteren Listenplätze auf, um sich im Falle des Wahlerfolges das Märchen der Diskriminierung anzuhören, nachdem die Damen sich auch mit Bitten und Betteln nicht haben überzeugen lassen, überhaupt zu kandidieren.

    Und die Konsequenz ist eine Anspruchshaltung, die beeindruckend ist. Jammern und Klagen, wie benachteiligt man ist, um dann mit rücksichtsloser Härte die eigenen Interessen durchzusetzen, wenn man die Macht dazu hat. Gepaart mit Verunglimpfung anders denkender (Rechts, Nazi, Macho, toxisch), und systemischer Diskriminierung, denn man ist ja auf Seiten der Guten.

    Denn Quote heisst doch vor allem Frauenquote, nicht Geschlechterquote. Dass etwas vielleicht mal nicht in Ordnung ist, wenn mehr Frauen vertreten sind (Grüne im BT, Studentinnen, Absolventinnen, Teilzeit Kräfte, Lehrerinnen) als Männer, davon ist selten die Rede. Mehr Frauen überall, ausser bei Selbstmorden, Obdachlosen, Arbeitsunfällen, Soldaten oder genitalverstümmelten Kindern. Da ist es in Ordnung, wenn Männer vorne sind, da braucht es keine Quote. Von Lebenserwartung ganz zu schweigen. Ein Aufschrei, weil Männer weniger lange leben? Weit gefehlt. Im Gender Gap Report wird der maximale Abstand (Russland) als anzustrebendes Ziel definiert und alles, was davon abweicht, als Diskriminierung gewertet.

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  13. Nikoletta Kiss
    5. Oktober 2021

    Ja, der schöne Osten. Die Frauen hatten ganz selbstverständlich ihre Vollzeitstellen, nach dem Dienst die Parteiversammlung, nebenbei haben sie auch die Kinder erzogen und gleichzeitig den Haushalt geschmissen. Dafür gab es den monatlichen Haushaltstag, damit sie ihren Aufgaben schön nachkommen konnten. Gleichstellung war das auch noch nicht. Und in den Schlüsselpositionen saßen die Männer.

    Aber was die Quotenposten angeht, ich sehe das als Chance für die Frau, sich zu beweisen. Keine muss Tiraden abfeuern. Sie macht ihren Job und sehr schnell wird klar, ob sie es drauf hat oder nicht. Und wenn sie sich behaupten kann, baut das Vorurteile ab und nächste Mal brauchen wir keine Quote mehr.

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  14. Bludgeon
    4. Oktober 2021

    In dem Punkt war der Osten vor der Wende ein paar Schritte weiter. Kolleginnen an der Seite zu haben, mit gleichem Lohn, war normal. Dass außer in Schulen kaum Frauen in Chefsesseln saßen, hatte eher persönliche Gründe, traditionelle Mütterrolle usw. Die Gehälter zwischen Chefetage und Belegschaft waren auch nicht soooo himmelweit weg von einander. Klingt jetzt wie Ostalgie. Soll nur zeigen dass auf Ossis dieses Westfeminismusgedöns so gestrig skurril wirkt.

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  15. davidwonschewski
    4. Oktober 2021

    In der tat bin auch deswegen so ser gegen die Quote. Du bist als Frau dann ja dreifach in der Pflicht zu beweisen, dass du auch qualifizerst bist. Du musst das so sehr beweisen, dass du am Ende immerhin sagen darfst, dass man als Frau dreimal so hart arbeiten muss, u das gleiche zu erreichen. Also plusminus mäßig gerecht, erst mit weniger nach oben, dann mit mer halbwegs akzeptiert. Und sonst, ja, das prblem der Grünen ist, dass die gerne eine Bürgerrechtpartei wären, aber eine Sprache am Leib haben wie eine in Sten gemeißelte Obrgkeit.

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  16. Bludgeon
    4. Oktober 2021

    Schöner Disput.
    Was mir auffiel:
    „Keine Frau ist scharf drauf, so einen Quotenposten nur wegen der Quote zu erhalten.“
    Ja schon, aber sie nimmt ihn und wird hinterher Tiraaaaaaden abfeuern, die wortreich beweisen sollen, dass ihre Ernennung NICHT an der Quote lag, sondern an ihrer Kompetenz. Die oben gelobte Baerbock ist für mich das Paradebeispiel.

    Kompetenzbeweise fehlen, aber alle Welt hämmert dir die Behauptung ein, dass sie ja sooooo kompetent in Sachen Klima sei.

    Die Klimakrise ist da und Fakt. Das hat eine Mehrheit begriffen.

    Die Maßnahmen der Rettung, wie sie die Dame vertritt, jedoch hätten als Begleiterscheinung eine galoppierende Massenverarmung.

    (Energienotstand durch Ausstieg aus fast allen herkömmlichen Erzeugungsarten gleichzeitig, bei gleichzeitiger Energie-Nachfrageexplosion, führt zu Verteuerung von ALLEM, Inflation like 1923 ante portas…)

    Darauf angesprochen wurde es stets sehr unverbindlich: Wir müssen alle… da muss man sehen….
    Das hört sich dann halt an, wie die Gebetsmühlen von vor’89: „Der Sozialismus siegt; wir wissen noch nicht wie, aber das er siegen wird, ist wissenschaftlich erwiesen.“

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17. Oktober 2021 von in Kiss & Wonschewski und getaggt mit , , , , .
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